Trauerseeschwalbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chlidonias niger
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Seeschwalben (Sternidae)
- Gattung: Sumpfseeschwalben (Chlidonias)
- Lebensraum: Flachgewässer, Sümpfe, Feuchtwiesen, Überschwemmungsflächen
- Größe: 22–28 cm Körperlänge, Flügelspannweite 56–66 cm
- Gewicht: 50–75 g
- Lebenserwartung: bis zu 17 Jahre (in freier Wildbahn durchschnittlich 8–10 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Die Trauerseeschwalbe ist eine kleine, zierliche Seeschwalbe mit einem auffälligen Unterschied zwischen Brut- und Ruhekleid. Im Prachtkleid während der Brutzeit ist der gesamte Kopf, die Brust und der Bauch tief schwarz gefärbt – ein Merkmal, das der Art ihren deutschen Namen eingebracht hat. Die Oberseite des Gefieders erscheint schiefergrau, die Unterschwanzdecken sind weiß. Der Schnabel ist schwarz, die Beine dunkelrot bis schwärzlich.
Im Schlichtkleid, das die Vögel außerhalb der Brutzeit tragen, wandelt sich das Erscheinungsbild erheblich: Die schwarze Unterseite weicht einem hellen Weiß, und am Kopf bleibt lediglich ein dunkler Fleck hinter dem Auge sowie eine dunkle Kappe auf dem Scheitel erhalten. Jungvögel ähneln den Altvögeln im Schlichtkleid, zeigen aber eine bräunlichere Tönung auf der Oberseite und deutliche dunkle Schuppenzeichnungen auf den Deckfedern.
Im Flugbild wirkt die Trauerseeschwalbe leicht und gauklerisch. Der schwach gegabelte Schwanz unterscheidet sie von den langstieligen Flussseeschwalben und Küstenseeschwalben. Die Flügel sind im Vergleich zur Körpergröße relativ breit, was ihr einen schmetterlingsartigen, wendigen Flug verleiht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Trauerseeschwalbe erstreckt sich über weite Teile der gemäßigten Zone Eurasiens und Nordamerikas. In Europa brütet die Art von den Niederlanden und Norddeutschland ostwärts über Polen, das Baltikum und Russland bis nach Westsibirien. In Nordamerika kommt die Unterart Chlidonias niger surinamensis vor, die von Südkanada bis in die nördlichen US-Bundesstaaten brütet.
Das bevorzugte Habitat der Trauerseeschwalbe sind vegetationsreiche Flachgewässer des Binnenlandes. Typische Biotope umfassen Verlandungszonen von Seen, Teichlandschaften, überflutete Wiesen, Altwässer und Niedermoore. Anders als die meisten Seeschwalbenarten ist die Trauerseeschwalbe kaum an Meeresküsten gebunden, sondern ein ausgesprochener Süßwasservogel. Entscheidend für die Ansiedlung sind ausgedehnte Schwimmblattvegetation – insbesondere Seerosen, Wasserknöterich und Krebsschere – sowie ein stabiler Wasserstand während der Brutzeit.
Die Trauerseeschwalbe ist ein Langstreckenzieher. Europäische Populationen überwintern an der westafrikanischen Küste und an den großen Binnenseen Ostafrikas. Der Herbstzug beginnt ab Juli und führt die Vögel über das Mittelmeer und die Sahara. Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt im April und Mai.
Ernährung
Die Trauerseeschwalbe ernährt sich von kleinen Fischen, Wasserinsekten und deren Larven, Kaulquappen, kleinen Fröschen und gelegentlich Krebstieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Seeschwalben stößt sie nur selten aus größerer Höhe ins Wasser. Stattdessen nimmt sie Beute bevorzugt im niedrigen Suchflug von der Wasseroberfläche oder aus der obersten Wasserschicht auf. Dabei berührt sie mit dem Schnabel oder dem Körper kurz die Oberfläche, ohne ganz einzutauchen.
Während des Zuges und in den Winterquartieren erweitert sich das Nahrungsspektrum. An der Küste werden dann verstärkt kleine marine Fische und Garnelen aufgenommen. Über landwirtschaftlichen Flächen jagen Trauerseeschwalben gelegentlich auch Insekten im Flug, ähnlich wie Schwalben.
Verhalten & Lebensweise
Trauerseeschwalben sind tagaktive Vögel, die den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche verbringen. Sie leben gesellig und brüten in lockeren Kolonien, die wenige Dutzend bis mehrere hundert Brutpaare umfassen können. Innerhalb der Kolonie verteidigt jedes Paar einen kleinen Nestbereich von etwa einem Meter Radius gegen Artgenossen.
Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet. Typische Balzelemente sind gemeinsame Flugspiele der Partner, bei denen das Männchen dem Weibchen einen kleinen Fisch als Balzgeschenk überreicht. Diese Futterübergabe im Flug festigt die Paarbindung und dient gleichzeitig als Indikator für die Qualität des Männchens als Nahrungsversorger.
Der Ruf der Trauerseeschwalbe ist ein kurzes, nasales „kik" oder „kriet", das in der Kolonie häufig zu hören ist. Bei Störungen am Brutplatz steigen die Vögel gemeinsam auf und umkreisen den Eindringling mit lauten Alarmrufen, stoßen dabei aber seltener auf den Störer herab als etwa Flussseeschwalben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Das Nest wird auf schwimmender Vegetation angelegt – auf Seerosenblättern, treibenden Pflanzenresten oder abgestorbenen Schilfhalmen. In manchen Gebieten nehmen Trauerseeschwalben bereitwillig künstliche Nistflöße an, die im Rahmen von Schutzprojekten ausgebracht werden. Das Nest selbst ist eine flache Plattform aus wenigen Pflanzenteilen.
Das Gelege besteht aus zwei bis drei olivbraunen, dunkel gefleckten Eiern. Beide Partner bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 20 bis 23 Tagen