Treppennatter
TTierart – Reptilien > Schlangen – Nattern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Zamenis scalaris (Schinz, 1822)
- Synonyme: Rhinechis scalaris, Elaphe scalaris
- Ordnung: Schuppenkriechende (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Zamenis
- Lebensraum: Trockene, offene Landschaften Südwesteuropas – Macchie, Garigue, Kulturland, Trockenmauern
- Größe: 100–160 cm, selten bis 180 cm Gesamtlänge
- Gewicht: 200–500 g (je nach Körperlänge und Ernährungszustand)
- Lebenserwartung: Etwa 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Treppennatter verdankt ihren deutschen Namen der auffälligen Zeichnung auf der Rückenseite junger Tiere: Zwei dunkle Längsstreifen sind durch Querbalken verbunden, sodass ein treppenartiges Muster entsteht. Mit zunehmendem Alter verblassen die Querbalken, und bei ausgewachsenen Exemplaren bleiben nur noch zwei parallele, dunkelbraune bis schwärzliche Dorsalstreifen erhalten, die vom Nacken bis zur Schwanzspitze verlaufen.
Die Grundfärbung der Oberseite variiert von strohgelb über graubraun bis olivfarben. Die Bauchseite ist einheitlich gelblich bis weißlich, gelegentlich mit schwacher dunkler Fleckung an den Rändern der Ventralschilde. Der Kopf ist relativ breit, deutlich vom Hals abgesetzt und von oben betrachtet leicht dreieckig – ein Merkmal, das in Südeuropa gelegentlich zur Verwechslung mit Vipern führt. Die Pupille ist jedoch rund, was die Treppennatter als ungiftige Natter ausweist. Die glatten, glänzenden Schuppen sind in 27 Reihen um die Körpermitte angeordnet. Das Rostrale (Schnauzenschild) ist auffallend groß und leicht nach oben gewölbt, was der Schnauze ein stumpfes Profil verleiht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Treppennatter beschränkt sich auf den südwestlichen Teil Europas. Sie besiedelt die gesamte Iberische Halbinsel einschließlich der Balearen-Insel Menorca, den äußersten Südwesten Frankreichs (Languedoc, Provence) sowie einen schmalen Küstenstreifen in Ligurien (Nordwestitalien). Auf der Insel Île de Ré vor der französischen Atlantikküste existiert eine isolierte Population.
Das bevorzugte Habitat der Treppennatter sind warme, trockene und offene bis halboffene Landschaften. Sie kommt in Macchie und Garigue ebenso vor wie in Olivenhainen, Weinbergen, an Trockenmauern, auf Viehweiden und in aufgelassenen Kulturlandschaften. Felsige Hänge mit Gebüschvegetation und sonnenexponierte Böschungen bieten ideale Bedingungen. In geeigneten Biotopen steigt die Art in Spanien bis auf 2.000 Meter Höhe auf, bevorzugt aber Lagen unterhalb von 1.000 Metern. Dichte, feuchte Wälder und stark bewässerte Agrarflächen werden gemieden.
Ernährung
Die Treppennatter ist ein opportunistischer Räuber mit einem breiten Beutespektrum. Hauptsächlich ernährt sie sich von Kleinsäugern wie Mäusen, Ratten, jungen Kaninchen und Spitzmäusen. Daneben erbeutet sie bodenbrütende Vögel und deren Eier, Eidechsen und gelegentlich andere Schlangen. Jungtiere fressen vorwiegend Eidechsen und große Insekten wie Heuschrecken.
Beutetiere werden durch Umschlingen getötet. Die Treppennatter ist eine kräftige Würgeschlange, die ihre Beute mit mehreren Körperschlingen fixiert und durch Kompression des Brustkorbs erstickt. Eier werden im Ganzen verschluckt. Aufgrund ihrer Vorliebe für Nagetiere wird die Art in ländlichen Gebieten Spaniens und Portugals traditionell als nützlich angesehen und gelegentlich sogar in der Nähe von Scheunen und Ställen geduldet.
Verhalten & Lebensweise
Die Treppennatter lebt einzelgängerisch und beansprucht ein lockeres Revier, das sie jedoch nicht aktiv gegen Artgenossen verteidigt. Im Frühjahr und Herbst zeigt sie ein überwiegend tagaktives Verhalten, wobei sie ausgedehnte Sonnenbäder auf Steinen, Mauern oder Asphaltstraßen nimmt. In den heißen Sommermonaten verlagert sie ihre Aktivitätsphase in die Dämmerungs- und Nachtstunden, um der extremen Hitze auszuweichen.
Die Winterruhe dauert je nach Höhenlage und Breitengrad von November bis Februar oder März. In südlichen Tieflandgebieten kann sie verkürzt sein oder ganz ausfallen. Versteckplätze findet die Art unter Steinen, in Felsspalten, Nagerbauten und Trockenmauern.
Bei Bedrohung zeigt die Treppennatter ein ausgeprägtes Abwehrverhalten: Sie zischt laut, flacht den Vorderkörper ab und beißt bei weiterer Annäherung heftig und wiederholt zu. Ihr Biss ist zwar ungiftig, kann aber aufgrund der kräftigen Kiefer schmerzhaft sein und blutende Wunden verursachen. Zusätzlich sondert sie aus den Analdrüsen ein stark übelriechendes Sekret ab.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate April bis Juni. Die Balz der Männchen äußert sich in Kommentkämpfen, bei denen sich rivalisierende Tiere umeinanderwinden und versuchen, den Kopf des Gegners zu Boden zu drücken. Beißereien sind bei diesen rituellen Auseinandersetzungen selten.
Die Treppennatter ist ovipar (eierlegend). Das Weibchen legt im Juni oder Juli zwischen 5 und 24 längliche, weichschalige Eier an geschützten Stellen ab – unter Steinen, in lockerer Erde, in Komposthaufen oder in Felsspalten. Die Inkubationszeit beträgt je nach Umgebungstemper