Trottellumme
TTierart – Vögel > Seevögel – Hochsee
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Uria aalge
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Alkenvögel (Alcidae)
- Gattung: Lummen (Uria)
- Lebensraum: Offene See, Steilklippen und Felsküsten der nördlichen Hemisphäre
- Größe: 38–46 cm Körperlänge, Flügelspannweite 61–73 cm
- Gewicht: 850–1.130 g
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre, Höchstalter über 40 Jahre nachgewiesen
Aussehen & Merkmale
Die Trottellumme ist ein kompakt gebauter Seevogel mit einem typischen Alkenprofil: gedrungener Rumpf, kurze Flügel und ein schmaler, spitzer Schnabel. Im Prachtkleid während der Brutzeit zeigt sich die Oberseite einschließlich Kopf, Nacken und Rücken dunkel schokoladenbraun bis schwarz. Die Unterseite ist scharf abgesetzt reinweiß. Der Schnabel ist schwarz, die Beine dunkelgrau bis schwärzlich. Im Schlichtkleid nach der Brutzeit hellt sich die Kopfseite deutlich auf – Kinn, Kehle und Wangen werden weiß, wobei ein dunkler Streif hinter dem Auge erhalten bleibt.
Eine auffällige Variante ist die sogenannte „Ringellumme" (Morphe albionis oder Brillenmorphe), bei der ein weißer Augenring mit einem schmalen weißen Streif nach hinten das Gesicht ziert. Diese Farbvariante tritt vor allem in Populationen des Nordostatlantiks gehäuft auf und macht je nach Kolonie zwischen 1 und 25 Prozent der Individuen aus.
Im Flug wirken Trottellummen gedrungen und halslos. Ihre kurzen Flügel schlagen schnell und surrend, der Flug verläuft niedrig über der Wasseroberfläche. Im Vergleich zur nah verwandten Dickschnabellumme (Uria lomvia) ist der Schnabel schlanker und die Grenze zwischen dunkler Ober- und weißer Unterseite verläuft am Hals weniger abrupt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Trottellumme erstreckt sich über die boreale und subarktische Zone des Nordatlantiks und Nordpazifiks. Im Atlantik brütet sie von der Iberischen Halbinsel und der Bretagne nordwärts über die Britischen Inseln, Island, Norwegen, die Färöer-Inseln und Murmansk bis nach Nowaja Semlja. Im Pazifik reicht das Brutareal von Kalifornien über Alaska bis nach Kamtschatka, Korea und Japan.
Außerhalb der Brutzeit leben Trottellummen pelagisch auf der offenen Hochsee. Sie verbringen den gesamten Winter auf dem Meer und nähern sich nur zur Brut den Küsten. Ihr bevorzugtes Habitat zum Brüten sind steile Felsklippen und Vogelbasare, an denen sich tausende Paare auf engstem Raum zusammenfinden. Auf Helgoland – dem einzigen deutschen Brutplatz – brüten die Vögel am berühmten „Lummenfelsen", einer rund 40 Meter hohen Buntsandsteinklippe.
Ernährung
Trottellummen sind spezialisierte Unterwasserjäger. Ihre Hauptnahrung besteht aus kleinen Schwarmfischen wie Sprotten, Sandaalen, Heringen und Lodden. Ergänzend fressen sie Krebstiere, Borstenwürmer und kleine Tintenfische. Die Jagd findet tauchend statt: Die Vögel nutzen ihre Flügel als Antrieb unter Wasser und erreichen dabei Tiefen von meist 20 bis 60 Metern. Maximale Tauchtiefen von über 150 Metern wurden dokumentiert. Ein Tauchgang dauert in der Regel 30 bis 90 Sekunden.
Die Nahrungszusammensetzung variiert regional und saisonal. In Jahren mit geringer Fischverfügbarkeit – etwa durch Überfischung oder veränderte Meerestemperaturen – sinkt der Bruterfolg spürbar, da die Altvögel den Nestlingen hauptsächlich einzelne, ganze Fische zutragen.
Verhalten & Lebensweise
Trottellummen sind tagaktive, gesellige Vögel. Während der Brutzeit bilden sie extrem dichte Kolonien an Steilküsten, wobei die Brutdichte mit bis zu 20 Paaren pro Quadratmeter zu den höchsten im gesamten Vogelreich gehört. Zwischen den Nachbarn kommt es häufig zu ritualisierten Auseinandersetzungen mit Schnabelfechten und lautem Geschrei. Der namengebende deutsche Trivialname „Trottellumme" geht vermutlich auf das scheinbar unbeholfene Auftreten an Land zurück – auf den schmalen Felsbändern bewegen sich die Vögel tatsächlich eher tolpatschig.
Außerhalb der Brutzeit verbringen Trottellummen ihr gesamtes Leben auf See. Sie schlafen auf dem Wasser, putzen dort ihr wasserabweisendes Gefieder und jagen tauchend. Der Flug ist energetisch aufwendig; die Vögel vermeiden längere Flugstrecken, wenn möglich, und bevorzugen schwimmend oder tauchend die Fortbewegung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt ab März an den Brutfelsen. Trottellummen sind monogam und bilden langjährige Paarbindungen. Beide Partner kehren in der Regel jährlich zum selben Brutplatz zurück. Das Weibchen legt ein einzelnes Ei direkt auf den nackten Fels – ein Nest wird nicht gebaut. Das Ei ist birnenförmig (pyriform) und zeigt eine starke individuelle Variation in Färbung und Musterung, von weiß über grün bis tiefblau, mit dunklen Flecken und Kritzeln. Diese Kegelform hat einen funktionellen Vorteil: Angestoßen rollt das Ei im Kreis statt vom Felssims zu fallen.
Beide Eltern bebrüten das Ei abwechselnd über etwa 30 bis 35 Tage. Das Küken schlüpft mit einem dichten Dunenkleid und wird von beiden Altvögeln mit Fisch gefüttert. Nach nur 18 bis 25 Tagen – noch flugunfähig und etwa ein Drittel des Erwachsenengewichts schwer – springt das Küken abends