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Vampirfledermaus

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Tierart – Säugetiere > Fledertiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Desmodus rotundus (Gemeiner Vampir)
  • Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
  • Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
  • Unterfamilie: Desmodontinae (Vampirfledermäuse)
  • Gattung: Desmodus
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Regionen Mittel- und Südamerikas
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge ca. 7–9 cm, Flügelspannweite ca. 35–40 cm
  • Gewicht: 25–40 g (nüchtern), bis 60 g nach der Nahrungsaufnahme
  • Lebenserwartung: Etwa 9–12 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Vampirfledermaus ist ein vergleichsweise kleines Fledertier mit einem kompakten, muskulösen Körperbau. Das kurze, dichte Fell ist auf der Oberseite dunkelbraun bis graubraun gefärbt, die Bauchseite etwas heller. Im Gegensatz zu vielen anderen Blattnasen besitzt Desmodus rotundus nur ein rudimentäres Nasenblatt, das als kleiner, hufeisenförmiger Hautwulst auf der Nasenspitze sitzt. Die Ohren sind mittelgroß, spitz zulaufend und frei von auffälligen Hautlappen.

Das auffälligste anatomische Merkmal ist das Gebiss. Die oberen Schneidezähne sind zu rasiermesserscharfen, dreieckigen Klingen umgebildet, die so scharf sind, dass der Biss von der schlafenden Beute oft nicht wahrgenommen wird. Die Eckzähne sind ebenfalls gut entwickelt, während die Backenzähne im Vergleich zu insektenfressenden Arten stark reduziert sind – ein deutliches Zeichen der Spezialisierung auf flüssige Nahrung.

Die Daumen der Vorderextremitäten sind ungewöhnlich lang und kräftig. Sie dienen der Vampirfledermaus dazu, sich am Boden geschickt fortzubewegen. Anders als die meisten Fledermäuse kann Desmodus rotundus laufen, hüpfen und sogar kurze Sprünge ausführen – eine Anpassung, die bei der Annäherung an ruhende Beutetiere entscheidend ist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Vampirfledermaus erstreckt sich von Nordmexiko über Mittelamerika bis nach Argentinien, Uruguay und Chile. Sie besiedelt ein breites Spektrum an Habitaten: tropische Regenwälder, Trockenwälder, Savannen, landwirtschaftlich genutzte Flächen und sogar Halbwüsten, sofern ausreichend Beutetiere vorhanden sind. In den Anden wurde die Art bis in Höhenlagen von rund 2.400 Metern nachgewiesen.

Als Tagesquartiere dienen Höhlen, hohle Bäume, verlassene Bergwerksstollen, Brückenunterführungen und gelegentlich auch Dachböden. Die Kolonien bevorzugen dunkle, feuchte Rückzugsorte mit konstanten Temperaturen. Die Nähe zu Weideflächen mit Rindern, Pferden oder anderen Nutztieren ist ein wesentlicher Faktor für die Quartierwahl, da diese Tiere die Hauptnahrungsquelle darstellen.

Neben Desmodus rotundus existieren zwei weitere Vampirfledermausarten: der Weißflügelvampir (Diaemus youngi) und der Haarfußvampir (Diphylla ecaudata). Beide sind seltener und ernähren sich bevorzugt vom Blut von Vögeln.

Ernährung

Die Vampirfledermaus ist das einzige Säugetier, das sich ausschließlich von Blut ernährt – eine Ernährungsweise, die als Hämatophagie bezeichnet wird. Sie fliegt in der Dunkelheit aus ihrem Quartier, nähert sich einem schlafenden Warmblüter und landet oft einige Meter entfernt, um sich dann am Boden kriechend oder hüpfend an das Beutetier heranzuarbeiten.

Mithilfe spezieller Infrarot-Rezeptoren an der Nase kann sie Stellen auf der Haut erkennen, an denen Blutgefäße dicht unter der Oberfläche verlaufen. Mit den scharfen Schneidezähnen ritzt sie eine flache, rund drei bis vier Millimeter tiefe Wunde in die Haut. Der Biss selbst ist nahezu schmerzlos. Der Speichel enthält den Gerinnungshemmer Draculin (ein Glykoprotein), der verhindert, dass die Wunde während der Nahrungsaufnahme verschließt. Zusätzlich wirken Substanzen im Speichel lokal betäubend und gefäßerweiternd.

Die Vampirfledermaus leckt das austretende Blut mit ihrer rinnigen Zunge auf. Eine einzelne Mahlzeit dauert etwa 20 bis 30 Minuten, wobei das Tier rund 20 Milliliter Blut aufnimmt – das entspricht etwa dem halben Körpergewicht. Um trotz der enormen Flüssigkeitszufuhr flugfähig zu bleiben, beginnt die Niere bereits während der Nahrungsaufnahme, überschüssiges Wasser auszuscheiden.

Verhalten & Lebensweise

Vampirfledermäuse sind streng nachtaktiv. Tagsüber hängen sie in Kolonien von 20 bis über 100 Individuen kopfüber in ihren Quartieren. Die Sozialstruktur innerhalb einer Kolonie ist komplex und auf gegenseitiger Kooperation aufgebaut. Ein besonders gut untersuchtes Phänomen ist die gegenseitige Blutfütterung (Regurgitation): Tiere, die bei der nächtlichen Jagd erfolglos waren, werden von erfolgreichen Artgenossen mit vorverdautem Blut versorgt. Dieses Verhalten tritt nicht wahllos auf – die Fledermäuse merken sich, wer ihnen in der Vergangenheit geholfen hat, und bevorzugen diese Individuen bei zukünftigen Fütterungen. Es handelt sich um eines der am besten dokumentierten Beispiele reziproker Altruismus bei nicht-menschlichen Säugetieren.

Die gegenseitige Fellpflege (Allogrooming) stärkt die sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe. Einzelne Weibchen bilden stabile