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Wandelndes Blatt

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Phyllium philippinicum (häufigste Art in Haltung); Gattung Phyllium und verwandte Gattungen
  • Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
  • Familie: Phylliidae (Wandelnde Blätter)
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Süd- und Südostasiens, Teile Ozeaniens
  • Größe: 60–100 mm (Weibchen), 50–70 mm (Männchen), je nach Art
  • Gewicht: ca. 2–5 g
  • Lebenserwartung: 6–12 Monate (adulte Tiere); gesamter Lebenszyklus inkl. Nymphenstadien ca. 1–1,5 Jahre

Aussehen & Merkmale

Wandelnde Blätter gehören zu den eindrucksvollsten Beispielen für Phytomimese – die Nachahmung von Pflanzenteilen – im gesamten Tierreich. Der dorsoventral abgeflachte Körper ist breit und blattförmig. Das Abdomen der Weibchen ist stark verbreitert und weist eine deutlich sichtbare Mittelrippe sowie seitliche Aderstrukturen auf, die den Blattnerven eines echten Laubblattes täuschend ähnlich sehen. Die Färbung variiert von kräftigem Grün über Gelbgrün bis hin zu Brauntönen und kann sich im Laufe des Lebens oder durch Umwelteinflüsse wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit verändern. Manche Individuen zeigen bräunliche Flecken oder Ränder, die welke oder angefressene Stellen eines Blattes imitieren.

Die Beine sind ebenfalls abgeflacht und tragen lappige Verbreiterungen (Loben) an den Femora, die die Blattsilhouette vervollständigen. Die Fühler sind bei Weibchen kurz und unscheinbar, bei Männchen deutlich länger und fadenförmig. Weibchen besitzen verkürzte Flügel, die zwar das Abdomen bedecken, aber nicht zum Fliegen taugen. Männchen hingegen verfügen über voll ausgebildete Hinterflügel und sind flugfähig, wirken jedoch insgesamt schmaler und weniger blattähnlich als die Weibchen. Dieser ausgeprägte Sexualdimorphismus ist ein Kennzeichen der gesamten Familie Phylliidae.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wandelnden Blätter erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Regionen Süd- und Südostasiens. Schwerpunkte liegen auf den Philippinen, in Malaysia, Indonesien (Sumatra, Borneo, Java), auf Sri Lanka, in Teilen Indiens sowie auf einigen Inseln Melanesiens. Die einzelnen Arten der Gattungen Phyllium, Pulchriphyllium, Cryptophyllium und Chitoniscus besiedeln jeweils unterschiedliche, teils sehr eng begrenzte Areale.

Als Habitat dienen vorwiegend tropische Regenwälder mit dichter Vegetation. Die Tiere halten sich bevorzugt in der mittleren und unteren Baumschicht sowie im Unterholz auf, wo sie zwischen dem Laub ihrer Futterpflanzen nahezu unsichtbar sind. Feuchtwarme Bedingungen mit Temperaturen zwischen 22 und 28 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70–90 % entsprechen dem natürlichen Biotop.

Ernährung

Wandelnde Blätter sind ausschließlich herbivor. Sie ernähren sich von den Blättern verschiedener Laubbäume und Sträucher. In der Natur werden unter anderem Blätter von Guaven (Psidium guajava), Mangobäumen (Mangifera indica) und Rambutan (Nephelium lappaceum) gefressen. In der Terrarienhaltung haben sich Brombeerblätter (Rubus spp.), Eichenlaub, Rosengewächse und Guavenblätter als geeignetes Futter bewährt. Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in den Abend- und Nachtstunden. Tagsüber verharren die Tiere reglos an ihrer Futterpflanze oder in deren Nähe.

Verhalten & Lebensweise

Wandelnde Blätter sind nachtaktiv. Den Tag verbringen sie in einer charakteristischen Ruhestellung: Sie sitzen regungslos auf oder unter einem Blatt, die Vorderbeine dicht am Kopf anliegend und nach vorn gestreckt, sodass deren Loben den Blattstiel imitieren. Bei Störung können sie eine leichte Schaukelbewegung ausführen, die das Schwingen eines Blattes im Wind nachahmt – ein Verhalten, das als Thanatose-ähnliche Strategie eingeordnet wird.

Die Tiere sind Einzelgänger und bilden keine sozialen Verbände. Ein Revierverhalten ist nicht bekannt. Bei Bedrohung setzen sie primär auf ihre Tarnung. Wird ein Tier dennoch entdeckt, kann es sich fallenlassen und am Boden bewegungslos verharren, wo es zwischen der Laubstreu kaum auszumachen ist. Männchen fliegen nachts gelegentlich auf der Suche nach Weibchen, wobei sie von Lichtquellen angezogen werden können.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung kann bei vielen Arten der Phylliidae sowohl sexuell als auch parthenogenetisch erfolgen. Weibchen sind in der Lage, auch ohne Begattung durch ein Männchen fertile Eier zu produzieren, aus denen dann ausschließlich weibliche Nachkommen schlüpfen. Bei geschlechtlicher Fortpflanzung suchen die flugfähigen Männchen die Weibchen nachts aktiv auf. Eine Balz im engeren Sinne findet nicht statt; das Männchen nähert sich dem Weibchen und steigt zur Kopulation auf.

Die Weibchen lassen ihre Eier einzeln zu Boden fallen. Die Eier sind 3–5 mm groß, hartschalig und ähneln in Form und Farbe kleinen Pflanzensamen. Die Embryonalentwicklung ist langwierig: Je nach Art und Temperatur beträgt die Inkubationszeit drei bis neun Monate. Die frisch geschlüpften Nymphen sind zunächst rötlich-braun gefärbt und erinnern eher an kleine Ameisen oder Wanzen – ein möglicher Fall von Mimikry, der Schutz in den ersten Lebenstagen bieten könnte. Nach der ersten Häutung nehmen sie die typische grüne Färbung an.