T Tierlexikon.net
← Lexikon

Wanderalbatros

W

Tierart – Vögel > Seevögel – Hochsee

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Diomedea exulans
  • Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
  • Familie: Albatrosse (Diomedeidae)
  • Gattung: Diomedea (Große Albatrosse)
  • Lebensraum: Offene Ozeane der Südhalbkugel, brütet auf subantarktischen Inseln
  • Größe: Körperlänge 107–135 cm, Flügelspannweite bis 363 cm
  • Gewicht: 6–12 kg
  • Lebenserwartung: 50–60 Jahre, Einzelnachweise über 70 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Wanderalbatros ist der Vogel mit der größten dokumentierten Flügelspannweite überhaupt. Mit bis zu 363 cm übertrifft er alle anderen lebenden Vogelarten deutlich. Der Körperbau ist kräftig, der Rumpf kompakt und stromlinienförmig. Die Flügel sind extrem lang und schmal – eine Anpassung an den dynamischen Segelflug über den Ozeanen.

Das Gefieder verändert sich im Laufe des Lebens erheblich. Jungvögel sind überwiegend dunkelbraun gefärbt und hellen mit jeder Mauser zunehmend auf. Adulte Männchen erscheinen nahezu vollständig weiß mit schwarzen Flügelspitzen und -hinterkanten sowie einem schmalen schwarzen Schwanzband. Weibchen behalten dagegen oft mehr dunkle Anteile auf Oberkopf und Flügeloberseite. Anhand des Aufhellungsgrads lässt sich das ungefähre Alter eines Individuums abschätzen.

Der kräftige Schnabel ist blassrosa und seitlich abgeflacht, mit einer hakenförmig gebogenen Spitze. Auf dem Oberschnabel befinden sich die für Röhrennasen typischen röhrenförmigen Nasenöffnungen, über die überschüssiges Salz aus einer speziellen Nasendrüse ausgeschieden wird. Die Beine sind fleischfarben und relativ kurz; die drei Vorderzehen sind durch Schwimmhäute verbunden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Wanderalbatros erstreckt sich über die gesamte Südhalbkugel, vorwiegend zwischen dem 28. und 60. südlichen Breitengrad. Sein Habitat ist die offene Hochsee, wo er sich fast ausschließlich aufhält. An Land kommt die Art nur zur Brut. Die Brutkolonien befinden sich auf subantarktischen Inseln: Südgeorgien, die Crozetinseln, die Kerguelen, die Prinz-Edward-Inseln, die Macquarieinsel und einige wenige weitere Standorte.

Außerhalb der Brutzeit durchstreifen Wanderalbatrosse riesige Meeresgebiete. Einzelne Individuen umrunden dabei mehrfach den gesamten antarktischen Kontinent. Telemetriestudien haben gezeigt, dass die Vögel in wenigen Wochen Strecken von über 10.000 Kilometern zurücklegen können. Das bevorzugte Biotop sind Regionen mit starken und beständigen Westwinden – die sogenannten „Roaring Forties" und „Furious Fifties" zwischen dem 40. und 60. Breitengrad.

Ernährung

Der Wanderalbatros ernährt sich von Tintenfischen, Fischen, Krebstieren und gelegentlich von Aas. Tintenfische bilden den Hauptanteil der Nahrung und werden überwiegend nachts von der Wasseroberfläche aufgenommen, wenn biolumineszierende Kopffüßer in höhere Wasserschichten aufsteigen. Auch treibende Kadaver größerer Meerestiere sowie Fischereiabfälle werden genutzt.

Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend im Flug. Der Albatros gleitet dicht über der Wasseroberfläche und greift Beutetiere mit dem Schnabel von der Oberfläche ab oder taucht den Kopf und Oberkörper kurz unter. Tiefes Tauchen gehört nicht zum Verhaltensrepertoire dieser Art. Bei ergiebigen Nahrungsquellen können sich mehrere Individuen zu lockeren Ansammlungen zusammenfinden.

Verhalten & Lebensweise

Der Wanderalbatros ist ein ausgesprochener Hochseevogel und verbringt den Großteil seines Lebens in der Luft. Er nutzt den dynamischen Segelflug, bei dem er die Windgeschwindigkeitsunterschiede zwischen der Wasseroberfläche und höheren Luftschichten ausnutzt, um nahezu ohne eigenen Flügelschlag stundenlang zu gleiten. Dieser energiesparende Flugstil ermöglicht es ihm, täglich Hunderte Kilometer zurückzulegen.

Wanderalbatrosse sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die nächtliche Nahrungssuche spielt eine bedeutende Rolle, da viele Beutetiere in der Dunkelheit an die Oberfläche steigen. Außerhalb der Brutsaison leben die Vögel solitär. Ein Revierverhalten im klassischen Sinne zeigen sie nicht – das offene Meer bietet keine abgrenzbaren Territorien. Lediglich der unmittelbare Nestbereich wird während der Brut verteidigt.

Die Art ist langlebig und weist eine geringe natürliche Mortalität auf. Partnerschaften werden langsam aufgebaut und halten in der Regel lebenslang.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Geschlechtsreife tritt erst im Alter von etwa 10–15 Jahren ein. Die Balz ist ein aufwendiges und langwieriges Ritual: Paare und potenzielle Partner führen über mehrere Brutsaisons hinweg synchrone Tänze auf, bei denen sie die Flügel spreizen, die Schnäbel gegeneinander klappern, den Kopf gen Himmel strecken und verschiedene Rufe ausstoßen. Erst nach dieser mehrjährigen Phase der Paarbindung kommt es zur ersten Brut.

Die Brutperiode dauert insgesamt rund elf Monate. Das Weibchen legt ein einzelnes weißes Ei in ein großes Bodennest aus Gras und Torf, das auf exponierten Hängen oder Hochflächen der Brutinseln angelegt wird. Beide Elternteile bebrüten das Ei abwechselnd über einen Zeitraum von etwa 78–80 Tagen. Die Brutablösung erfolgt in mehrtägigen Schichten, während der brütende Vogel fastet und der Partner auf See Nahrung sucht.

Das Küken