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Wanderheuschrecke

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Locusta migratoria (Europäische Wanderheuschrecke); weitere bedeutende Art: Schistocerca gregaria (Wüstenheuschrecke)
  • Ordnung: Geradflügler (Orthoptera)
  • Unterordnung: Kurzfühlerschrecken (Caelifera)
  • Familie: Feldheuschrecken (Acrididae)
  • Lebensraum: Steppen, Halbwüsten, Savannen, Grasland, landwirtschaftliche Flächen
  • Größe: 35–60 mm (Weibchen größer als Männchen)
  • Gewicht: ca. 2–3 g
  • Lebenserwartung: 3–6 Monate (eine Generation)

Aussehen & Merkmale

Wanderheuschrecken besitzen den typischen Körperbau der Feldheuschrecken: ein dreiteiliger Körper aus Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen), sechs Beine sowie zwei Paar Flügel. Die kräftig entwickelten Hinterbeine dienen als Sprungbeine und ermöglichen Sprünge von bis zu einem Meter Weite. Die Vorderflügel (Tegmina) sind derb und lederartig, die häutigen Hinterflügel werden darunter zusammengefaltet und entfalten sich erst beim Flug.

Ein zentrales Merkmal der Wanderheuschrecken ist ihr ausgeprägter Phasenpolymorphismus: Die Tiere treten in zwei grundlegend verschiedenen Erscheinungsformen auf. In der solitären Phase (solitaria) sind die Individuen grün bis bräunlich gefärbt, vergleichsweise inaktiv und leben einzelgängerisch. In der Schwarmphase (gregaria) verändert sich die Körperfarbe zu einem kontrastreichen Gelb-Schwarz-Muster, die Flügel werden proportional länger, der Körperbau gedrungener. Diese Umwandlung ist keine genetische Veränderung, sondern eine phänotypische Plastizität, die durch Umweltreize ausgelöst wird.

Die kurzen, fadenförmigen Antennen unterscheiden Wanderheuschrecken als Kurzfühlerschrecken deutlich von den Langfühlerschrecken (Ensifera), zu denen etwa Grillen und Laubheuschrecken gehören. Die großen Facettenaugen ermöglichen ein weites Gesichtsfeld, was sowohl bei der Nahrungssuche als auch bei der Orientierung im Schwarm eine wichtige Rolle spielt.

Lebensraum & Verbreitung

Locusta migratoria besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller Heuschreckenarten. Es erstreckt sich über weite Teile Afrikas, Südeuropas, des Nahen Ostens, Zentral- und Südasiens bis nach Australien. In Europa kam die Art historisch bis nach Mitteleuropa vor; größere Schwarmeinflüge nach Deutschland sind aus dem 19. Jahrhundert dokumentiert, treten heute aber kaum noch auf.

Die Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) bewohnt vorwiegend die ariden und semiariden Zonen Nordafrikas, der Arabischen Halbinsel und Südwestasiens. Ihr Habitat umfasst Halbwüsten, trockene Savannen und Steppengebiete. Nach Regenfällen bieten kurzfristig ergrünende Flächen ideale Bedingungen für explosionsartige Vermehrung.

Beide Arten bevorzugen offene Landschaften mit niedriger Vegetation. Entscheidend für Massenvermehrungen sind bestimmte Rückzugsgebiete – sogenannte Rezessionsgebiete –, in denen die solitären Populationen überdauern und sich bei günstigen Bedingungen verdichten können.

Ernährung

Wanderheuschrecken sind ausgesprochen polyphage Pflanzenfresser. Sie fressen Blätter, Stängel, Blüten, Früchte und Rinde einer Vielzahl von Pflanzenarten. Dokumentiert ist der Verzehr von über 500 verschiedenen Pflanzenspezies, darunter Gräser, Getreide, Gemüse und Baumblätter. Ein einzelnes Tier frisst täglich etwa sein eigenes Körpergewicht an pflanzlicher Nahrung. Ein großer Schwarm mit mehreren Milliarden Individuen kann an einem einzigen Tag mehrere zehntausend Tonnen Pflanzenmaterial vernichten.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt mit den kräftigen Mandibeln (Oberkiefer), die wie Scheren arbeiten und Pflanzenmaterial effizient abtrennen. In der Gregärphase steigt der Stoffwechsel der Tiere deutlich an, was den enormen Nahrungsbedarf der Schwärme zusätzlich erklärt.

Verhalten & Lebensweise

Das Verhalten der Wanderheuschrecken wird maßgeblich durch die jeweilige Phase bestimmt. Solitäre Tiere sind überwiegend tagaktiv, bewegen sich wenig und meiden den Kontakt zu Artgenossen. Der Übergang zur Gregärphase wird durch eine erhöhte Populationsdichte ausgelöst – etwa nach ergiebigen Regenfällen, die ein rasches Pflanzenwachstum und damit verbesserte Fortpflanzungsbedingungen bewirken. Physische Berührungsreize an den Hinterbeinen setzen neurochemische Veränderungen in Gang, insbesondere einen Anstieg des Serotonin-Spiegels, der das Schwarmverhalten einleitet.

In der Gregärphase bilden die Tiere zunächst Verbände marschierender Nymphen (Hüpferverbände), die sich nach der letzten Häutung zu flugfähigen Schwärmen formieren. Diese Schwärme können Milliarden von Individuen umfassen und Flächen von mehreren hundert Quadratkilometern bedecken. Die Schwärme ziehen mit dem Wind und legen täglich Strecken von 100 bis 200 Kilometern zurück. Der größte je dokumentierte Schwarm der Wüstenheuschrecke bedeckte 1954 eine geschätzte Fläche von über 1.000 Quadratkilometern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt ohne ausgeprägte Balz. Das Männchen springt auf den Rücken des Weibchens und klammert sich dort fest; die Kopulation kann mehrere Stunden dauern. Anschließend bohrt das Weibchen mit seinem Legebohrer (Ovipositor) ein Loch in den Boden und legt ein Gelege von 20 bis 100 Eiern ab, die in