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Warzenbeißer

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Decticus verrucivorus
  • Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera)
  • Überordnung: Geradflügler (Orthoptera)
  • Familie: Laubheuschrecken (Tettigoniidae)
  • Unterfamilie: Tettigoniinae
  • Gattung: Decticus
  • Lebensraum: Magerrasen, extensiv bewirtschaftetes Grünland, Heiden, alpine Matten
  • Größe: 24–44 mm Körperlänge (ohne Legeröhre)
  • Gewicht: ca. 3–7 g
  • Lebenserwartung: etwa 1 Jahr (einschließlich Embryonalentwicklung im Ei bis zu 2–5 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Der Warzenbeißer zählt zu den größten einheimischen Laubheuschrecken. Sein kräftiger, gedrungener Körperbau unterscheidet ihn deutlich von den schlankeren Vertretern der Familie Tettigoniidae. Die Grundfärbung variiert stark und reicht von grasgrün über olivgrün bis hin zu bräunlich oder gelblich, wobei die Oberseite von Kopf und Halsschild (Pronotum) meist dunkel gefleckt ist. Diese Farbvariabilität dient der Tarnung in den jeweiligen Lebensräumen.

Die Flügel reichen bei beiden Geschlechtern nur bis etwa zur Hinterleibsmitte oder etwas darüber hinaus. Der Warzenbeißer ist daher flugunfähig und bewegt sich ausschließlich laufend und springend fort. Die Hinterbeine sind kräftig entwickelt und ermöglichen weite Sprünge. Die Fühler sind fadenförmig und übertreffen die Körperlänge deutlich – ein typisches Merkmal der Langfühlerschrecken, das sie von den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) unterscheidet.

Weibchen sind anhand des säbelförmig gebogenen Legebohrers (Ovipositor) leicht von den Männchen zu unterscheiden. Dieser ist 15–25 mm lang und dient dem Ablegen der Eier im Boden. Die Männchen besitzen am Vorderflügelpaar eine Schrillleiste und eine Schrillkante, mit denen sie ihren charakteristischen Gesang erzeugen. Die Mundwerkzeuge sind auffallend kräftig und mit starken Mandibeln ausgestattet – eine Anpassung an die teilweise räuberische Ernährungsweise.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Decticus verrucivorus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Mitteleuropa und Zentralasien bis nach Sibirien. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln bis nach Skandinavien und Südosteuropa vor, wobei sie in vielen Tieflandregionen Mitteleuropas inzwischen selten geworden ist.

Als Habitat bevorzugt der Warzenbeißer kurzrasige, magere und sonnige Flächen mit lückiger Vegetation. Typische Biotope sind Kalkmagerrasen, Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen und extensiv genutzte Weiden. In den Alpen besiedelt die Art auch alpine Matten und Zwergstrauchheiden bis auf Höhen von über 2.500 Metern. Entscheidend für die Eignung eines Lebensraums sind ein hoher Anteil offener Bodenstellen, eine niedrige Vegetationsstruktur und ein warmes Mikroklima. Stark verbuschte oder intensiv gedüngte Flächen werden gemieden.

In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt heute im Alpenvorland, in der Schwäbischen Alb, in der Eifel und in einigen Mittelgebirgsregionen. In der norddeutschen Tiefebene sind die Populationen stark zurückgegangen oder erloschen.

Ernährung

Der Warzenbeißer ist ein Allesfresser (Omnivore) mit einer deutlichen Tendenz zur Zoophagie. Er ernährt sich sowohl von pflanzlicher Kost – darunter Gräser, Kräuter und Blüten – als auch von anderen Insekten. Kleinere Heuschrecken, Raupen, Blattläuse, Fliegen und Käfer gehören regelmäßig zur Beute. Die kräftigen Mandibeln ermöglichen es ihm, auch hartschalige Beutetiere zu überwältigen und zu zerkleinern. Bei Berührung kann der Warzenbeißer empfindlich zubeißen – ein Verhalten, das ihm seinen volkstümlichen Namen einbrachte.

Verhalten & Lebensweise

Der Warzenbeißer ist vorwiegend tagaktiv und nutzt die Sonnenwärme zur Thermoregulation. An kühlen Morgen sind die Tiere häufig beim Sonnenbaden auf offenen Bodenstellen oder Steinen zu beobachten. Die Art ist standorttreu und legt aufgrund ihrer Flugunfähigkeit nur geringe Distanzen zurück. Dies macht Populationen anfällig gegenüber Habitatfragmentierung, da ein Austausch zwischen isolierten Vorkommen kaum stattfindet.

Die Männchen beginnen ihren Gesang ab etwa Juni und stridulieren bis in den September hinein. Der Gesang besteht aus hart klingenden, schwirrenden Silbenreihen, die an ein rhythmisches „srrt-srrt-srrt" erinnern und über Entfernungen von bis zu 50 Metern hörbar sind. Durch rasche Bewegungen der Vorderflügel gegeneinander erzeugen die Männchen diesen Laut, der primär der Anlockung paarungsbereiter Weibchen dient. Gleichzeitig markiert der Gesang das Revier gegenüber rivalisierenden Männchen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet im Hochsommer statt. Das Männchen überträgt dem Weibchen eine Spermatophore, die neben dem Samenpaket auch eine proteinreiche Nährmasse (Spermatophylax) enthält. Diese wird vom Weibchen gefressen und stellt eine erhebliche Investition des Männchens dar.

Das Weibchen bohrt seinen Ovipositor mehrere Zentimeter tief in den Boden und legt dort die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen ab. Bevorzugt werden verdichtete, vegetationsarme Bodenstellen mit guter Sonneneinstrahlung. Die Embryonalentwicklung erstreckt sich über mindestens einen Winter, häufig aber über zwei bis fünf Jahre. Diese verlängerte Diapause ist eine Anpassung an un