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Wasserfledermaus

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Tierart – Säugetiere > Fledertiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Myotis daubentonii
  • Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
  • Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
  • Gattung: Mausohren (Myotis)
  • Lebensraum: Gewässernahe Wälder, Fluss- und Seeufer, Parks
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 40–55 mm, Flügelspannweite 240–275 mm
  • Gewicht: 7–15 g
  • Lebenserwartung: Durchschnittlich 4–5 Jahre, maximal über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Wasserfledermaus ist eine kleine bis mittelgroße Art innerhalb der Gattung Myotis. Das Rückenfell ist bräunlich-grau bis bronzefarben, die Unterseite deutlich heller, oft silbrig-weiß. Die Grenze zwischen Ober- und Unterseite ist bei den meisten Individuen relativ scharf abgesetzt, was die Wasserfledermaus von einigen verwandten Arten wie der Fransenfledermaus (Myotis nattereri) oder der Bartfledermaus (Myotis mystacinus) unterscheidet.

Die Ohren sind verhältnismäßig kurz und erreichen, nach vorn geklappt, kaum die Nasenspitze. Der Tragus – ein kleiner Hautlappen im Ohr, der bei der Echoortung eine Rolle spielt – ist gerade und erreicht etwa die halbe Ohrlänge. Die Flughaut ist dunkelbraun und relativ breit, was der Art einen wendigen, aber nicht besonders schnellen Flug ermöglicht. Charakteristisch sind die großen Hinterfüße, die etwa die Hälfte der Schienenlänge erreichen. Diese dienen als funktionelles Werkzeug beim Beutefang über der Wasseroberfläche.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wasserfledermaus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Es reicht von Westeuropa – einschließlich der Britischen Inseln und Südskandinavien – ostwärts bis Japan und Korea. In Mitteleuropa gehört die Art zu den häufigsten Fledermausarten und ist in nahezu allen Bundesländern Deutschlands, in Österreich und in der Schweiz verbreitet.

Das bevorzugte Habitat liegt in unmittelbarer Nähe stehender oder langsam fließender Gewässer. Seen, Teiche, Kanäle, Flüsse und Altarme bilden die typischen Jagdreviere. Daneben nutzt die Wasserfledermaus auch Waldwege, Lichtungen und Parkanlagen als Nahrungshabitate. Sommerquartiere befinden sich häufig in Baumhöhlen – insbesondere in alten Spechthöhlen – sowie hinter abstehender Rinde, in Spalten von Brücken oder gelegentlich in Gebäuden. Als Winterquartiere dienen unterirdische Strukturen wie Höhlen, Stollen, Keller und Bunker, in denen stabile Temperaturen zwischen 2 und 8 °C herrschen und eine hohe Luftfeuchtigkeit gewährleistet ist.

Ernährung

Die Wasserfledermaus ernährt sich ausschließlich von Insekten und anderen kleinen Arthropoden. Einen großen Anteil der Nahrung machen Zuckmücken (Chironomidae), Köcherfliegen (Trichoptera) und Eintagsfliegen (Ephemeroptera) aus – Insektengruppen, deren Imagines häufig in großer Zahl über Gewässeroberflächen schwärmen. Ergänzt wird das Nahrungsspektrum durch Nachtfalter, kleine Käfer und Spinnen.

Der Beutefang erfolgt dicht über der Wasseroberfläche, oft nur wenige Zentimeter darüber. Die Wasserfledermaus nutzt dabei ihre auffällig großen Hinterfüße und die Schwanzflughaut (Uropatagium) als eine Art Kescher, um Insekten direkt von der Wasseroberfläche aufzunehmen. Gelegentlich wurde beobachtet, dass sie auch kleine Fische von der Oberfläche ergreift, was jedoch eine Ausnahme darstellt. Die Echoortung erfolgt über kurze, breitbandige Rufe im Frequenzbereich von etwa 25 bis 85 kHz, die für die Jagd in der Nähe reflektierender Oberflächen optimiert sind.

Verhalten & Lebensweise

Wie alle europäischen Fledermausarten ist die Wasserfledermaus streng nachtaktiv. Sie verlässt ihr Quartier in der Regel erst bei fortgeschrittener Dämmerung und kehrt vor der Morgendämmerung zurück. Die Jagdflüge folgen häufig linearen Strukturen – entlang von Flussläufen, Uferkanten oder Baumreihen –, die als Leitlinien für die Navigation dienen.

Im Sommer bilden die Weibchen Wochenstubenkolonien mit 20 bis 50, gelegentlich bis zu mehreren Hundert Individuen. Männchen leben in dieser Zeit einzeln oder in kleinen Gruppen. Die Kolonien wechseln ihre Baumquartiere in Abständen von wenigen Tagen, weshalb sie auf ein ausreichendes Angebot an Baumhöhlen angewiesen sind.

Im Herbst beginnt die Schwärmphase an den Winterquartieren, die gleichzeitig der Paarung dient. Die Tiere sammeln sich in großer Zahl vor Höhlen- und Stolleneingängen, wobei Männchen Reviere an den Eingängen besetzen und Weibchen anlocken. Die Balzaktivitäten umfassen spezifische Sozialrufe. Den Winter verbringt die Wasserfledermaus im Winterschlaf, der je nach Region von Oktober/November bis März/April dauert.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet überwiegend während der herbstlichen Schwärmphase statt, teilweise auch im Winterquartier. Die Weibchen speichern die Spermien über den Winter und ovulieren erst im Frühjahr, sodass die eigentliche Befruchtung verzögert erfolgt. Nach einer Tragzeit von etwa 50 bis 55 Tagen bringen die Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind selten.

Die Geburten fallen in Mitteleuropa meist in den Juni. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und blind, entwickeln sich aber rasch. Nach etwa drei Wochen öffnen sie die Augen, und mit vier bis fünf Wochen sind sie flugfähig. Die Entwöhnung erfolgt nach sechs bis acht Wochen