Wassernatter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Natrix natrix (Ringelnatter) bzw. Natrix spp. (Gattung der Wassernattern)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Natrix
- Lebensraum: Feuchtgebiete, Ufer von Seen, Flüssen, Teichen, Sümpfe, Auwälder
- Größe: 60–150 cm, selten bis 200 cm (je nach Art und Geschlecht)
- Gewicht: 50–300 g
- Lebenserwartung: 15–25 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gattung Natrix umfasst mehrere Arten semiaquatischer Schlangen, die umgangssprachlich als Wassernattern bezeichnet werden. In Mitteleuropa ist die Ringelnatter (Natrix natrix) die bekannteste Vertreterin. Daneben gehören die Würfelnatter (Natrix tessellata) und die Vipernatter (Natrix maura) zur selben Gattung. Alle drei Arten teilen eine ausgeprägte Bindung an Gewässer, unterscheiden sich jedoch deutlich in Zeichnung und Körperbau.
Wassernattern besitzen einen schlanken, leicht seitlich abgeflachten Körper, der das Schwimmen erleichtert. Die Schuppen sind gekielt, das heißt, sie tragen eine erhabene Längskante, die der Haut eine raue Textur verleiht. Die Pupillen sind rund – ein typisches Merkmal ungiftiger Nattern und ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Vipern, die Schlitzpupillen aufweisen.
Die Ringelnatter zeigt auf der Oberseite eine graubraune bis olivgrüne Grundfärbung mit unregelmäßigen dunklen Flecken. Ihr auffälligstes Kennzeichen sind die halbmondförmigen, gelben bis orangefarbenen Nackenflecken, die von schwarzen Feldern gerahmt werden. Die Bauchseite ist weißlich mit dunklen, schachbrettartigen Flecken. Bei der Würfelnatter fehlen die Nackenflecken; stattdessen trägt sie ein namensgebendes Würfelmuster entlang der Flanken. Die Vipernatter imitiert mit ihrer Zickzackzeichnung die Kreuzotter, ist aber vollkommen harmlos.
Weibchen werden bei allen drei Arten deutlich größer und schwerer als Männchen. Dieser Geschlechtsdimorphismus hängt mit der Notwendigkeit zusammen, eine große Anzahl von Eiern im Körper zu tragen.
Lebensraum & Verbreitung
Wassernattern der Gattung Natrix besiedeln ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet, das sich von Nordafrika über weite Teile Europas bis nach Zentralasien erstreckt. Die Ringelnatter zeigt dabei das größte Areal und kommt von der Iberischen Halbinsel bis zum Baikalsee vor. Die Würfelnatter bevorzugt wärmere Regionen und ist in Südeuropa, Kleinasien und dem Nahen Osten verbreitet. Die Vipernatter ist auf den westlichen Mittelmeerraum beschränkt.
Das bevorzugte Habitat aller Arten umfasst stehende und langsam fließende Gewässer mit reich strukturierten Uferzonen. Seen, Altarme, Teiche, Feuchtwiesen, Sümpfe und Auwälder bieten ideale Bedingungen. Entscheidend ist eine Kombination aus Wassernähe, Sonnenplätzen zum Thermoregulieren und geeigneten Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Totholz oder in dichter Ufervegetation. Die Ringelnatter nutzt darüber hinaus auch trockenere Biotope wie Gärten, Komposthaufen und Waldränder, solange ein Gewässer in erreichbarer Nähe liegt.
Ernährung
Wassernattern sind aktive Jäger mit einem Nahrungsspektrum, das eng an ihren aquatischen Lebensraum gekoppelt ist. Amphibien – insbesondere Frösche, Kröten und Molche – bilden die Hauptbeute der Ringelnatter. Die Würfelnatter hat sich stärker auf Fische spezialisiert und jagt diese unter Wasser mit schnellen Vorstößen. Daneben werden Kaulquappen, kleine Eidechsen und gelegentlich Kleinsäuger erbeutet.
Die Beute wird nicht durch Gift getötet, sondern lebend und kopfvoran verschlungen. Wassernattern besitzen kein funktionales Giftapparat; ihre Zähne sind klein, gleichförmig und nach hinten gebogen, um die Beute beim Schlucken festzuhalten. Der Oberkiefer ist bei allen Nattern beweglich konstruiert, sodass auch verhältnismäßig große Beutetiere bewältigt werden können.
Verhalten & Lebensweise
Wassernattern sind überwiegend tagaktiv, wobei sie an heißen Sommertagen ihre Aktivität in die Morgen- und Abendstunden verlagern. Einen großen Teil des Tages verbringen sie mit Sonnenbaden auf Steinen, Baumstümpfen oder flachen Uferböschungen. Als wechselwarme (ektotherme) Tiere sind sie auf externe Wärmequellen angewiesen, um ihren Stoffwechsel in Gang zu halten.
Sie sind Einzelgänger und verteidigen keine festen Reviere. An besonders günstigen Sonnenplätzen oder Überwinterungsquartieren können jedoch viele Individuen auf engem Raum zusammenkommen. Die Winterruhe verbringen Wassernattern in frostfreien Verstecken wie Erdhöhlen, Geröllhalden, Kellergewölben oder Komposthaufen, oft in Gesellschaft anderer Schlangen und Amphibien. Die Überwinterung dauert in Mitteleuropa je nach Witterung von Oktober bis März oder April.
Bei Bedrohung zeigen Wassernattern ein auffälliges Abwehrverhalten. Die Ringelnatter stellt sich häufig tot (Thanatose), dreht sich auf den Rücken, öffnet das Maul und lässt die Zunge heraushängen. Gleichzeitig sondern Analdrüsen ein übel riechendes Sekret ab. Einige Individuen zischen laut und führen Scheinbisse aus, beißen aber nur selten tatsächlich zu.