Wasserralle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Rallus aquaticus
- Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
- Familie: Rallen (Rallidae)
- Gattung: Rallus
- Lebensraum: Dichte Schilfbestände, Sümpfe, Feuchtgebiete
- Größe: 23–28 cm Körperlänge
- Gewicht: 80–180 g
- Lebenserwartung: Bis zu 6–8 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Wasserralle ist ein mittelgroßer, seitlich stark abgeflachter Rallenvogel. Der Körperbau ist auffällig schmal – eine Anpassung, die es dem Vogel ermöglicht, sich mühelos durch dichtes Schilf und Röhricht zu bewegen. Der auffälligste Körperteil ist der lange, leicht nach unten gebogene Schnabel, der bei adulten Tieren eine kräftig rote Färbung mit dunklerer Oberseite zeigt.
Das Gefieder der Oberseite ist olivbraun mit deutlichen schwarzen Längsstreifen. Brust und Vorderhals erscheinen schieferblau bis bleigrau, während die Flanken eine kontrastreiche schwarz-weiße Bänderung aufweisen. Die Unterschwanzdecken sind hell und werden beim Laufen häufig aufgestellt. Die Beine sind relativ lang, kräftig und von fleischfarbener bis bräunlicher Tönung. Die langen Zehen sind nicht mit Schwimmhäuten verbunden, tragen den Vogel aber sicher über schwimmende Vegetationsmatten.
Zwischen den Geschlechtern besteht nur ein geringer Dimorphismus: Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Weibchen. Jungvögel zeigen ein insgesamt matteres Gefieder, einen weniger intensiv gefärbten Schnabel und eine bräunlich überhauchte Unterseite ohne das markante Blaugrau der Altvögel.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Wasserralle erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Die Art brütet von Westeuropa und Nordafrika ostwärts bis nach China und Korea. In Mitteleuropa ist sie ein weit verbreiteter, aber aufgrund ihrer versteckten Lebensweise selten beobachteter Brutvogel. Mehrere Unterarten werden unterschieden, darunter Rallus aquaticus aquaticus in Europa und Rallus aquaticus korejewi in Zentralasien.
Das bevorzugte Habitat sind ausgedehnte Verlandungszonen stehender und langsam fließender Gewässer. Schilfröhrichte, Seggenriede und Großseggenbestände mit einer Wassertiefe von wenigen Zentimetern bis etwa 20 cm bilden das typische Biotop. Entscheidend für die Ansiedlung ist eine dichte, bodennahe Vegetationsschicht, die Deckung bietet. Auch kleinere Feuchtgebiete, Gräben und bewachsene Teichränder werden besiedelt, sofern ausreichend Struktur vorhanden ist.
Die mitteleuropäischen Populationen sind Teilzieher. Während milde Winter es vielen Vögeln erlauben, in ihren Brutgebieten zu verharren, ziehen Tiere aus nördlichen und östlichen Regionen im Herbst nach Süd- und Westeuropa. In strengen Wintern werden Wasserrallen gelegentlich an offenen Wasserstellen oder sogar in Siedlungsnähe angetroffen, wo sie sonst nicht vorkommen.
Ernährung
Die Wasserralle ist ein Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Insekten und deren Larven, kleine Krebstiere, Schnecken, Würmer, Spinnen und gelegentlich auch kleine Fische, Amphibien und sogar Jungvögel anderer Arten. Pflanzliche Nahrung wie Sämereien, Beeren und Wurzelteile von Wasserpflanzen ergänzt den Speiseplan, besonders im Winterhalbjahr.
Bei der Nahrungssuche stochert der Vogel mit seinem langen Schnabel im Schlamm und im flachen Wasser. Er watet dabei langsam durch die Ufervegetation, dreht Blätter um und untersucht die Wasseroberfläche. In Frostperioden weicht die Art auf jede verfügbare Nahrungsquelle aus – dokumentiert sind unter anderem die Erbeutung von Aas und das Aufsuchen von Komposthaufen in Gartennähe.
Verhalten & Lebensweise
Die Wasserralle lebt überwiegend einzelgängerisch und ist ausgeprägt dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber hält sie sich fast ausschließlich in dichter Vegetation verborgen und ist nur bei gezielter Suche oder an Biotoprändern während der Morgen- und Abenddämmerung zu beobachten. Sie schwimmt gelegentlich kurze Strecken, fliegt aber ungern und nur auf kurze Distanzen – dabei wirken die Flügel schwach und der Flug geradezu unbeholfen.
Die Anwesenheit der Art verrät sich vor allem akustisch. Der Reviergesang des Männchens ist ein durchdringendes, rhythmisches „kipp-kipp-kipp", das in der Abenddämmerung vorgetragen wird. Daneben existiert ein weithin hörbarer, schweineähnlicher Quiekruf, der dem Vogel im Englischen den Beinamen „Water Rail" und volkstümlich den Ruf eines „Schilfschweinchens" eingebracht hat. Die Rufe sind insbesondere während der Balzzeit im Frühjahr und Frühsommer häufig zu vernehmen.
Gegenüber Artgenossen zeigt sich die Wasserralle territorial und durchaus aggressiv. Revierstreitigkeiten werden mit gesträubtem Gefieder, aufgestellten Flügeln und lautstarken Rufen ausgetragen. Das Revier wird gegen eindringende Rallen konsequent verteidigt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt in Mitteleuropa ab April. Das Nest wird in dichter Ufervegetation, meist im Schilf oder in Seggenbeständen, wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche errichtet. Es besteht aus einer Plattform aus abgeknickten Halmen und Blättern und wird von beiden Partnern gebaut. Häufig wird die Nestumgebung so gebogen, dass ein schützender Baldachin entsteht.
Das Gelege umfasst in der Regel 6 bis 11