Wasserreh
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hydropotes inermis
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Unterfamilie: Hydropotinae
- Gattung: Hydropotes (monotypisch)
- Lebensraum: Schilfgebiete, Flussufer, Feuchtwiesen, sumpfige Graslandschaften
- Körperlänge: 75–100 cm
- Schulterhöhe: 45–55 cm
- Gewicht: 9–14 kg
- Lebenserwartung: ca. 6 Jahre in freier Wildbahn, bis 12 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Das Wasserreh ist ein kleiner, zierlich gebauter Hirsch, der auf den ersten Blick an ein Reh (Capreolus capreolus) erinnert, mit diesem jedoch nicht näher verwandt ist. Die Bezeichnung „Reh" im deutschen Trivialnamen ist daher irreführend. International wird die Art als Chinese Water Deer bezeichnet.
Das Fell ist im Sommer gelblich-braun bis rotbraun und wechselt im Winter zu einem dichten, graubraunen Haarkleid. Die einzelnen Haare sind grob und brüchig, was dem Fell eine etwas struppige Textur verleiht. Die Unterseite ist heller gefärbt. Der Schwanz ist sehr kurz und im Fell kaum sichtbar. Die Ohren sind relativ groß und abgerundet.
Die auffälligste Besonderheit des Wasserrehs ist das Fehlen eines Geweihs bei beiden Geschlechtern. Damit ist Hydropotes inermis der einzige rezente Vertreter der Hirsche, der keine Geweihbildung aufweist. Der Artname inermis – lateinisch für „unbewaffnet" – bezieht sich auf dieses Merkmal. Als Kompensation besitzen die Männchen stark verlängerte obere Eckzähne, die als Hauer aus dem Oberkiefer ragen und 5–8 cm lang werden können. Diese Stoßzähne dienen als Waffen bei Rivalenkämpfen während der Paarungszeit. Weibchen haben deutlich kürzere Eckzähne, die in der Regel nicht über die Lippen hinausragen.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Wasserrehs liegt in Ostasien. In China besiedelt die Art vor allem die Flussniederungen des Jangtse-Deltas und die Küstenregionen der Provinzen Jiangsu, Zhejiang und Shandong. Auf der Koreanischen Halbinsel kommt die Unterart H. i. argyropus vor, die sich durch eine etwas hellere Fellfärbung unterscheidet. Die chinesische Nominatform wird als H. i. inermis geführt.
Typische Habitate sind Schilfgürtel entlang von Flüssen und Seen, Feuchtwiesen, Schwemmlandgebiete und grasbewachsene Überschwemmungsflächen. Die Art zeigt eine deutliche Bindung an wassernahe Biotope – daher der Name Wasserreh. Gelegentlich nutzen die Tiere auch offene Graslandschaften und landwirtschaftliche Flächen in Gewässernähe.
In England existiert seit den 1940er-Jahren eine eingebürgerte Population, die auf Gehegeflüchtlinge aus dem Woburn Abbey Park in Bedfordshire zurückgeht. Diese Population hat sich vor allem in den Feuchtgebieten Ostenglands etabliert und umfasst mittlerweile mehrere tausend Individuen. Damit lebt ein erheblicher Teil des Weltbestands heute außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebiets.
Ernährung
Das Wasserreh ist ein reiner Pflanzenfresser. Die Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern, Seggen, Kräutern und jungen Schilfsprossen. Ergänzend frisst die Art Rüben, Wurzeln und gelegentlich Blätter niedriger Sträucher. In der Nähe landwirtschaftlicher Flächen kann es zu Fraßschäden an Feldfrüchten kommen, insbesondere an Getreide und Gemüsekulturen. Als Wiederkäuer verfügt das Wasserreh über einen mehrkammerigen Magen, der die Verdauung zellulosereicher Pflanzenkost ermöglicht.
Verhalten & Lebensweise
Das Wasserreh lebt überwiegend einzelgängerisch. Anders als viele Hirscharten bildet es keine Rudel. Beide Geschlechter besetzen Reviere, die durch Duftmarkierungen aus Drüsensekreten abgegrenzt werden. Männchen verteidigen ihre Territorien besonders während der Brunftzeit aggressiv gegenüber Rivalen. Die langen Eckzähne werden dabei als Stichwaffen eingesetzt, was zu ernsthaften Verletzungen führen kann.
Die Aktivitätsphasen verteilen sich über den Tag und die Nacht, wobei die Tiere in Gebieten mit hohem Jagddruck vermehrt dämmerungs- und nachtaktiv werden. Tagsüber ruhen sie in Schilfbeständen oder hohem Gras, wo sie durch ihre Fellfarbe gut getarnt sind. Wasserrehe sind gute Schwimmer und durchqueren bei Bedarf Flüsse und Kanäle – eine Anpassung an ihren gewässernahen Lebensraum.
Bei Gefahr fliehen die Tiere in dichtes Schilf oder ins Wasser. Ihr Fluchtverhalten ähnelt dem von Hasen: Sie drücken sich zunächst flach auf den Boden und springen erst im letzten Moment auf.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit (Brunft) fällt in die Monate November und Dezember. Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und verteidigen den Zugang zu ihnen gegen Konkurrenten. Die Tragzeit beträgt rund 170–210 Tage, also etwa sechs bis sieben Monate. Die Geburten fallen damit in den Zeitraum Mai bis Juli.
Eine Besonderheit unter den Hirschen ist die hohe Wurfgröße. Wasserrehe bringen in der Regel zwei bis vier Jungtiere pro Wurf zur Welt, gelegentlich auch bis zu sieben. Das ist für Hirsche ungewöhnlich – die meisten Arten setzen nur ein, seltener zwei