Weißwedelhirsch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Odocoileus virginianus
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
- Gattung: Odocoileus
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Waldränder, Prärien, landwirtschaftliche Flächen
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 150–200 cm, Schulterhöhe 80–110 cm
- Gewicht: Männchen 60–130 kg, Weibchen 40–90 kg
- Lebenserwartung: 6–14 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Weißwedelhirsch, auch Virginiahirsch genannt, ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie der Hirsche. Sein namensgebendes Merkmal ist die Unterseite des Schwanzes (Wedel), die leuchtend weiß gefärbt ist. Bei Gefahr richtet das Tier den Schwanz auf und präsentiert diese weiße Fläche als Warnsignal für Artgenossen – ein Verhalten, das im Englischen als „flagging" bezeichnet wird.
Das Fell wechselt jahreszeitlich. Im Sommer trägt der Weißwedelhirsch ein rötlich-braunes Haarkleid, das im Herbst durch ein dichteres, graubraunes Winterfell ersetzt wird. Die Unterseite von Bauch, Kehle und die Innenseiten der Beine sind ganzjährig weiß. Kitze tragen in den ersten Lebensmonaten ein charakteristisches Fleckenkleid aus weißen Tupfen auf braunem Grund, das der Tarnung im Unterholz dient.
Männliche Tiere (Hirsche) entwickeln ab dem zweiten Lebensjahr ein Geweih, das jährlich abgeworfen und neu gebildet wird. Das Geweih besteht aus einem Hauptstamm, von dem einzelne Sprossen nach vorn abzweigen – im Gegensatz zu vielen altweltlichen Hirscharten, bei denen die Sprossen nach hinten gerichtet sind. Ein ausgewachsener Hirsch kann je nach Unterart und Ernährungszustand ein Geweih mit bis zu zwölf Enden tragen. Weibliche Tiere (Hirschkühe) sind geweihlos.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Weißwedelhirsches erstreckt sich über weite Teile des amerikanischen Kontinents. Es reicht vom südlichen Kanada über die gesamten USA bis nach Mittelamerika und in den Norden Südamerikas, einschließlich Peru und Bolivien. Damit besiedelt diese Art eines der größten zusammenhängenden Areale aller Hirscharten der Neuen Welt.
Als Habitat bevorzugt der Weißwedelhirsch Übergangslebensräume zwischen Wald und offenem Land. Waldränder, lichte Mischwälder, Flussauen und von Gehölzstreifen durchzogene Agrarlandschaften bieten ihm optimale Bedingungen. In reinen Nadelwäldern oder geschlossenen tropischen Regenwäldern kommt er seltener vor. Die Art hat sich in Nordamerika hervorragend an die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft angepasst und dringt regelmäßig in Vorortsiedlungen und Gärten vor. In einigen Regionen der USA hat die Population in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, was lokal zu Konflikten mit der Landwirtschaft und zu erhöhten Wildunfällen im Straßenverkehr führt.
Es werden je nach Systematik zwischen 26 und 38 Unterarten unterschieden, die sich in Körpergröße und Fellfärbung teils erheblich voneinander unterscheiden. Die nördlichen Unterarten sind gemäß der Bergmannschen Regel deutlich größer als ihre tropischen Verwandten. Der nächste Verwandte innerhalb der Gattung Odocoileus ist der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus), dessen Verbreitungsgebiet sich im Westen Nordamerikas mit dem des Weißwedelhirsches teilweise überlappt.
Ernährung
Der Weißwedelhirsch ist ein reiner Pflanzenfresser und gehört zu den sogenannten Konzentratselektierern. Das bedeutet, er wählt bevorzugt leicht verdauliche, nährstoffreiche Pflanzenteile aus, anstatt große Mengen faserreicher Gräser aufzunehmen. Seine Nahrung umfasst Knospen, junge Triebe, Blätter, Kräuter, Früchte, Pilze und Nüsse. Im Herbst stellen Eicheln und andere Baumfrüchte eine besonders wichtige Energiequelle dar, die den Aufbau von Fettreserven für den Winter ermöglicht.
Im Winter, wenn frische Vegetation knapp wird, weicht die Art auf Rinde, Zweigspitzen und immergrüne Pflanzen aus. Der Weißwedelhirsch besitzt als Wiederkäuer einen vierkammerigen Magen, der die Fermentation und Aufspaltung pflanzlicher Zellwände durch Mikroorganismen ermöglicht. Dennoch ist seine Verdauungseffizienz bei sehr rohfaserreicher Kost begrenzt, was die Selektion nährstoffreicher Nahrungsbestandteile notwendig macht.
Verhalten & Lebensweise
Der Weißwedelhirsch ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei die Aktivitätsmuster je nach Jahreszeit, Jagddruck und Störungsintensität variieren. In Gebieten mit geringer menschlicher Aktivität ist er auch tagsüber zu beobachten.
Außerhalb der Paarungszeit leben Hirschkühe mit ihren Jungtieren in lockeren Familienverbänden, während erwachsene Hirsche kleine Junggesellengruppen bilden oder einzelgängerisch umherstreifen. Feste Rudel im engeren Sinne bildet die Art nicht. Die Streifgebiete sind je nach Habitatqualität unterschiedlich groß und reichen von wenigen Dutzend Hektar bis zu mehreren Quadratkilometern. In den nördlichen Verbreitungsgebieten ziehen Weißwedelhirsche im Winter gelegentlich in sogenannte „Deer Yards" – geschützte Waldgebiete mit dichtem Nadelbaumbestand, die Schutz vor Wind und hohen Schneelagen bieten.
Bei Bedrohung flüchtet der Weißwedelhirsch in hohen Sprüngen, wobei er Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h