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Westlicher Gorilla

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Tierart – Säugetiere > Primaten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Gorilla gorilla
  • Ordnung: Primaten (Primates)
  • Familie: Menschenaffen (Hominidae)
  • Gattung: Gorilla
  • Unterarten: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla), Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli)
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Sumpfwälder und Sekundärwälder Westafrikas
  • Größe: Männchen bis 170 cm (aufrecht), Weibchen bis 150 cm
  • Gewicht: Männchen 140–200 kg, Weibchen 60–100 kg
  • Lebenserwartung: 35–40 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Westliche Gorilla ist nach dem Östlichen Gorilla (Gorilla beringei) die zweite Art der Gattung Gorilla und der kleinere der beiden Vertreter. Dennoch zählt er zu den größten lebenden Primaten. Der Körperbau ist massig und muskulös, wobei der Geschlechtsdimorphismus stark ausgeprägt ist: Ausgewachsene Männchen – sogenannte Silberrücken – bringen etwa das Doppelte des Gewichts eines Weibchens auf die Waage.

Das Fell ist beim Westlichen Gorilla tendenziell graubraun bis bräunlich gefärbt und damit heller als beim Östlichen Gorilla. Die Haare auf dem Scheitel erscheinen häufig rötlich. Geschlechtsreife Männchen entwickeln ab einem Alter von etwa zwölf Jahren die namensgebende silbergraue Sattelzeichnung auf dem Rücken, die sich bis zu den Oberschenkeln erstrecken kann. Das Gesicht ist unbehaart und schwarz pigmentiert. Charakteristisch sind die breiten Nasenlöcher, deren individuell geformte Nasenflügel zur Identifikation einzelner Tiere herangezogen werden – ähnlich einem Fingerabdruck beim Menschen.

Die Arme sind deutlich länger als die Beine, was mit der überwiegenden Fortbewegung im Knöchelgang zusammenhängt. Dabei stützen sich Gorillas beim Gehen auf die mittleren Fingerglieder. Die Hände sind groß und kräftig, der opponierbare Daumen ermöglicht präzises Greifen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Westlichen Gorillas erstreckt sich über mehrere Länder Zentral- und Westafrikas. Der Westliche Flachlandgorilla besiedelt Teile von Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, der Republik Kongo, Gabun, Äquatorialguinea und Angola (Exklave Cabinda). Der Cross-River-Gorilla hingegen kommt nur in einem eng begrenzten Grenzgebiet zwischen Nigeria und Kamerun vor und gilt als die seltenste Gorilla-Unterart überhaupt.

Als Habitat bevorzugt der Westliche Gorilla dichte tropische Tieflandregenwälder, darunter auch Sumpf- und Überschwemmungswälder. Sekundärwälder mit dichtem Unterwuchs und hoher Pflanzendiversität werden ebenfalls besiedelt, da sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot bieten. Das Biotop liegt typischerweise in Höhenlagen unterhalb von 1.600 Metern. Lichtungen und Waldränder mit frischem Pflanzenwachstum ziehen die Tiere besonders an.

Ernährung

Der Westliche Gorilla ernährt sich vorwiegend pflanzlich. Auf seinem Speiseplan stehen Blätter, Mark, Triebe, Rinde und Stängel verschiedener Pflanzen. Im Vergleich zum Östlichen Gorilla – insbesondere zum Berggorilla – nimmt der Westliche Gorilla jedoch einen deutlich höheren Anteil an Früchten zu sich. Saisonal können Früchte bis zu 70 Prozent der Nahrung ausmachen. Bei geringem Fruchtangebot weichen die Tiere verstärkt auf faserige Pflanzenteile und Kräuter aus.

Ergänzend fressen Westliche Gorillas in geringem Umfang Insekten, vor allem Ameisen und Termiten. Gelegentlich wurden Tiere auch beim Aufbrechen von Termitenbauten beobachtet. Mineralreiche Erde und Lehm werden gezielt aufgenommen, was vermutlich der Neutralisierung von Pflanzentoxinen dient.

Verhalten & Lebensweise

Westliche Gorillas sind tagaktiv. Sie beginnen ihre Aktivitätsphase am Morgen mit der Nahrungssuche, ruhen während der Mittagszeit und nehmen am Nachmittag erneut Nahrung auf. Zum Schlafen errichten sie jeden Abend Nester aus Zweigen und Blättern – auf dem Boden oder in Bäumen. Jüngere und leichtere Tiere klettern häufiger als adulte Männchen.

Die soziale Organisation basiert auf Gruppen von durchschnittlich fünf bis zehn Tieren, die in der Regel von einem dominanten Silberrücken angeführt werden. Zur Gruppe gehören mehrere adulte Weibchen mit ihren Jungtieren sowie gelegentlich ein oder zwei untergeordnete Männchen. Der Silberrücken entscheidet über Wanderrouten, Ruheplätze und die Verteidigung der Gruppe gegen Bedrohungen. Ein festes Revier wird nicht verteidigt; die Streifgebiete verschiedener Gruppen können sich überlappen.

Die Kommunikation erfolgt über ein differenziertes Repertoire aus Lautäußerungen, Mimik und Gestik. Bekannt ist das Brusttrommeln der Männchen, das der Einschüchterung von Rivalen, aber auch der Fernkommunikation zwischen Gruppen dient. Trotz ihres imposanten Auftretens verhalten sich Gorillas in der Regel friedfertig und meiden direkte Konfrontationen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Westliche Gorillas haben keine feste Fortpflanzungszeit. Die Weibchen werden etwa mit acht bis neun Jahren geschlechtsreif und bringen nach einer Tragzeit von rund 8,5 Monaten in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind äußerst selten. Das Geburtsgewicht beträgt etwa 1,8 bis 2 Kilogramm.

Das Jungtier klammert sich in den ersten Lebensmonaten an den Bauch der Mutter und wechselt später auf deren Rücken. Es wird drei bis vier Jahre lang gesäugt. Die enge Bindung zwischen Mutter und Jungtier hält auch darüber hinaus