Wiener Nachtpfauenauge
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Saturnia pyri (Denis & Schiffermüller, 1775)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Pfauenspinner (Saturniidae)
- Gattung: Saturnia
- Lebensraum: Warme, offene Landschaften, Streuobstwiesen, lichte Laubwälder, Parks und Gärten
- Flügelspannweite: 100–160 mm (größter europäischer Schmetterling)
- Gewicht: ca. 3–8 g (Weibchen schwerer als Männchen)
- Lebenserwartung: Imagines leben nur etwa 1–2 Wochen; gesamter Lebenszyklus inklusive Raupenstadium ca. 1 Jahr
Aussehen & Merkmale
Das Wiener Nachtpfauenauge ist der größte Schmetterling Europas. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 16 Zentimetern übertrifft es alle anderen einheimischen Arten deutlich. Die Grundfärbung der Flügel variiert zwischen verschiedenen Braun-, Grau- und Ockertönen, wobei die Vorderflügel in der Regel etwas dunkler gefärbt sind als die Hinterflügel. Auffälligstes Merkmal sind die vier großen Augenflecken – je einer auf jedem Flügel –, die an die Augenzeichnung von Pfauenfedern erinnern und dem Tier seinen deutschen Namen eingebracht haben. Diese Ocelli bestehen aus konzentrischen Ringen in Schwarz, Weiß, Rotbraun und Blau und dienen der Abschreckung von Fressfeinden.
Die Flügelränder sind wellenförmig geschwungen und tragen eine helle, schmale Binde. Der Körper ist massig, dicht behaart und von bräunlicher bis grauer Farbe. Männchen lassen sich an ihren stark gefiederten Fühlern (Antennen) erkennen, die als Sinnesorgane für die Wahrnehmung weiblicher Pheromone dienen. Weibchen besitzen schmalere, weniger stark gekämmte Fühler und einen deutlich dickeren Hinterleib, in dem die Eier heranreifen.
Die Raupen durchlaufen mehrere Häutungsstadien (Larvenstadien) und erreichen eine Länge von bis zu 12 Zentimetern. Im letzten Stadium sind sie leuchtend grün gefärbt und tragen auffällige, türkisblaue Warzen (Tubercula), die mit kurzen Borsten besetzt sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Saturnia pyri erstreckt sich über weite Teile Süd- und Mitteleuropas, von der Iberischen Halbinsel über Frankreich, Italien und den Balkan bis nach Kleinasien und in den Nahen Osten. Nordafrika gehört ebenfalls zum natürlichen Areal. In Mitteleuropa erreicht die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze; in Deutschland kommt sie nur noch sehr vereinzelt vor, etwa in klimatisch begünstigten Regionen Süddeutschlands.
In Österreich, insbesondere im Wiener Raum und in den östlichen Bundesländern, war die Art historisch verbreitet – daher der deutsche Trivialname „Wiener Nachtpfauenauge". Als bevorzugtes Habitat dienen warme, offene bis halboffene Landschaften: Streuobstwiesen, Weinberge, lichte Eichen- und Mischwälder, Heckenlandschaften sowie strukturreiche Parks und Gärten. Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Futterpflanzen für die Raupen sowie ein mildes Mikroklima.
Ernährung
Die adulten Falter (Imagines) nehmen keine Nahrung auf. Ihre Mundwerkzeuge sind zurückgebildet; sie zehren ausschließlich von den Fettreserven, die sie als Raupe angelegt haben. Die gesamte Lebensphase als Schmetterling dient daher allein der Fortpflanzung.
Die Raupen hingegen sind polyphag und fressen an einer Vielzahl von Laubgehölzen. Bevorzugte Futterpflanzen sind Obstbäume wie Kirsche, Pflaume, Apfel, Birne und Walnuss sowie Schlehe, Esche und verschiedene Weidenarten. Auch an Mandelbäumen, die in südlichen Teilen des Verbreitungsgebiets wachsen, werden die Raupen regelmäßig angetroffen. Der Fraß erfolgt vorwiegend nachts.
Verhalten & Lebensweise
Saturnia pyri ist streng nachtaktiv. Die Falter schlüpfen in den Abendstunden und beginnen sofort mit der Partnersuche. Tagsüber ruhen sie mit ausgebreiteten Flügeln an Baumstämmen, Mauern oder Zäunen, wo sie dank ihrer rindenähnlichen Färbung gut getarnt sind. Werden sie gestört, spreizen sie die Flügel abrupt und präsentieren die vier Augenflecken – ein Schreckreflex, der potenzielle Fressfeinde wie Vögel irritieren soll.
Männchen sind in der Nacht ausgesprochen flugaktiv und können dabei weite Strecken zurücklegen. Sie orten die Weibchen über deren Pheromone, die sie mit ihren breit gefiederten Antennen über Entfernungen von mehreren Kilometern wahrnehmen können. Weibchen hingegen verhalten sich eher stationär und sitzen an exponierter Stelle, um ihre Duftstoffe in den Nachtwind abzugeben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich je nach Region von April bis Juni. Nach der Paarung, die in den Nachtstunden stattfindet, legt das Weibchen seine Eier in kleinen Gruppen an die Zweige und Blätter der Futterpflanzen. Ein Gelege umfasst insgesamt zwischen 150 und 300 Eier. Diese sind anfangs weißlich und verfärben sich mit zunehmender Entwicklung bräunlich.
Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen und durchlaufen fünf Larvenstadien. Im letzten Stadium erreichen sie ihre volle Größe und beginnen, einen festen, pergamentartigen Kokon zu spinnen, in dem sie sich verpuppen. Dieser Kokon wird meist an Ästen oder im Stammbereich der Futterpflanze befestigt. Die Puppe überwintert, und der Falter schlüpft im darauffolgenden Frühjahr. In seltenen Fällen kann die Puppenruhe auch zwei Winter dauern.