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Wiesenheu

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Futter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich

Definition & Überblick

Wiesenheu ist getrocknetes Gras, das von naturbelassenen oder extensiv bewirtschafteten Wiesen stammt. Es entsteht durch das Mähen von Gräsern, Kräutern und Leguminosen, die anschließend auf dem Feld oder unter Dach auf einen Trockensubstanzgehalt von mindestens 85 Prozent getrocknet werden. Wiesenheu zählt zu den wichtigsten Grundfuttermitteln in der Tierernährung und bildet für zahlreiche Pflanzenfresser die Basis der täglichen Futterration.

Im Unterschied zu reinem Grasheu zeichnet sich Wiesenheu durch seine botanische Vielfalt aus. Je nach Standort, Schnittzeitpunkt und Bewirtschaftungsform enthält es Dutzende verschiedene Gräser, Kräuter und Blütenpflanzen. Diese Diversität macht es nicht nur ernährungsphysiologisch wertvoll, sondern sorgt auch für eine hohe Akzeptanz bei den meisten Pflanzenfressern.

Der erste Schnitt – auch Heuschnitt genannt – erfolgt traditionell im Juni und liefert das ertragreichste und rohfaserreichste Heu. Spätere Schnitte (Grummet) fallen zarter aus, enthalten mehr Protein und weniger Rohfaser. Beide Varianten haben in der Fütterungspraxis ihre Berechtigung.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe

Die genaue Zusammensetzung von Wiesenheu variiert erheblich – abhängig von Pflanzenbestand, Bodenbeschaffenheit, Düngung, Schnittzeitpunkt und Trocknungsverfahren. Als Richtwerte für qualitativ gutes Wiesenheu vom ersten Schnitt gelten:

  • Trockensubstanz: 85–90 %
  • Rohprotein (Protein): 7–12 % in der Trockensubstanz
  • Rohfaser: 25–35 %
  • Rohfett (Fett): 1,5–3 %
  • Rohasche (Mineralstoffe): 6–10 %
  • Verdauliche Energie: ca. 7–9 MJ ME/kg Trockensubstanz

Wiesenheu liefert relevante Mengen an Calcium, Phosphor, Kalium und Magnesium. Der Gehalt an Vitaminen – insbesondere Vitamin A (als Beta-Carotin), Vitamin D und Vitamin E – hängt stark von der Sonneneinstrahlung während der Trocknung und der Lagerdauer ab. Frisch geerntetes, schonend getrocknetes Heu weist deutlich höhere Vitamingehalte auf als überlagerte Ware.

Der hohe Rohfaseranteil macht Wiesenheu zu einem strukturwirksamen Futtermittel, das die Kautätigkeit anregt und eine gesunde Verdauungsfunktion unterstützt. Für Wiederkäuer ist diese Strukturwirksamkeit essenziell für eine stabile Pansenfermentation.

Für welche Tiere geeignet?

Wiesenheu ist für eine breite Palette herbivorer und omnivorer Tierarten geeignet:

  • Pferde: Wiesenheu bildet das wichtigste Grundfuttermittel. Es deckt einen Großteil des Rohfaser- und Energiebedarfs und kann bei leichter bis mittlerer Arbeit als nahezu alleiniges Futtermittel dienen.
  • Kaninchen: Heu ist für Kaninchen unverzichtbar. Es sichert den notwendigen Zahnabrieb, reguliert die Verdauung und sollte rund um die Uhr zur freien Verfügung stehen.
  • Meerschweinchen: Wie bei Kaninchen bildet Wiesenheu die Grundlage der täglichen Ernährung und muss permanent verfügbar sein.
  • Chinchillas und Degus: Beide Arten benötigen rohfaserreiches Heu als Hauptbestandteil ihrer Futterration.
  • Rinder, Schafe, Ziegen: Wiesenheu dient als strukturgebendes Grundfutter, das die Wiederkäuerfunktion aufrechterhält. Es wird häufig als Ergänzungsfuttermittel neben Silage oder Weidegang eingesetzt.
  • Schildkröten (Landschildkröten): Wiesenheu ergänzt die Frischfütterung und wird von vielen europäischen Landschildkrötenarten angenommen.

Nicht geeignet ist Wiesenheu als alleiniges Futter für reine Fleischfresser wie Katzen, Hunde oder Frettchen.

Fütterungsempfehlung

Die empfohlene Futtermenge richtet sich nach Tierart, Körpergewicht und Leistungsanforderung:

  • Pferde: Mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht und Tag. Bei Pferden in leichter Arbeit reichen 1,5–2 kg pro 100 kg als Hauptfutter. Die Fütterung sollte auf mindestens drei Fütterungsintervalle pro Tag verteilt werden, um die kontinuierliche Magensäureproduktion abzupuffern.
  • Kaninchen und Meerschweinchen: Heu ad libitum – also unbegrenzt. Es gilt als Alleinfuttermittel im Bereich der Raufutterversorgung und wird durch Frischfutter und gegebenenfalls geringe Mengen Trockenfutter ergänzt.
  • Wiederkäuer: Mindestens 1–1,5 kg Rohfaser pro 100 kg Lebendmasse täglich, wovon ein wesentlicher Anteil über Heu abgedeckt werden kann.

Grundsätzlich gilt: Frisches Wasser muss bei jeder Heufütterung in ausreichender Menge bereitstehen, da Trockenfutter den Wasserbedarf erhöht.

Vorteile & Nachteile

Vorteile:

  • Hoher Rohfasergehalt fördert eine gesunde Verdauung und natürlichen Zahnabrieb bei Nagern und Kaninchen
  • Botanische Vielfalt liefert ein breites Spektrum an Nährstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Mineralstoffen
  • Ganzjährig verfügbar und gut lagerfähig bei trockener Lagerung