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Wildkaninchen

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Tierart – Säugetiere > Hasenartige

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Oryctolagus cuniculus
  • Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
  • Familie: Hasen (Leporidae)
  • Gattung: Oryctolagus
  • Lebensraum: Offene bis halboffene Landschaften mit grabfähigen Böden – Wiesen, Heiden, Dünen, Waldränder, Parks
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 35–45 cm, Ohrlänge 6–8 cm
  • Gewicht: 1,2–2,2 kg
  • Lebenserwartung: In freier Wildbahn 1–2 Jahre (maximal bis 9 Jahre), in Gefangenschaft deutlich länger

Aussehen & Merkmale

Das Wildkaninchen ist deutlich kleiner und gedrungener als der Feldhase (Lepus europaeus), mit dem es häufig verwechselt wird. Der Körperbau ist kompakt, die Hinterläufe kürzer als beim Feldhasen. Die Ohren (Löffel) sind mit 6 bis 8 cm vergleichsweise kurz und erreichen nach vorn umgelegt nicht die Nasenspitze – ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal zum Feldhasen, dessen Ohren deutlich länger als der Kopf sind.

Das Fell ist oberseits graubraun mit einem warmen, rötlichbraunen Nackenfleck. Die Unterseite ist heller, meist weißlich bis hellgrau. Die Schwanzoberseite (Blume) ist dunkel, die Unterseite weiß – ein auffälliges Warnsignal, wenn das Kaninchen flieht. Die großen, seitlich am Kopf sitzenden Augen ermöglichen ein weites Gesichtsfeld von nahezu 360 Grad, was der frühzeitigen Feindwahrnehmung dient. Wie bei allen Lagomorpha wachsen die Nagezähne zeitlebens nach. Hinter den oberen Schneidezähnen sitzt ein zweites, kleineres Paar sogenannter Stiftzähne – ein Merkmal, das Hasen und Kaninchen von den Nagetieren (Rodentia) unterscheidet.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Wildkaninchens lag auf der Iberischen Halbinsel und in Teilen Nordwestafrikas. Bereits die Römer begannen, das Tier als Fleischlieferant in andere Regionen einzuführen. Im Mittelalter verbreiteten Mönche die Haltung in ganz Europa, und verwilderte Bestände etablierten sich rasch in weiten Teilen West- und Mitteleuropas. Durch menschliche Verschleppung erreichte die Art im 19. und 20. Jahrhundert auch Australien, Neuseeland, Südamerika und zahlreiche Inseln, wo sie teils schwere ökologische Schäden verursachte.

Als Habitat bevorzugt das Wildkaninchen trockene, sandig-lehmige Böden, die das Anlegen von Bauen erlauben. Typische Biotope sind Dünenlandschaften, Heideflächen, lichte Wälder, Feldränder und zunehmend auch urbane Grünflächen wie Friedhöfe, Bahndämme und Parkanlagen. Entscheidend für die Besiedlung eines Gebiets ist die Kombination aus grabfähigem Untergrund, kurzer Vegetation zur Nahrungsaufnahme und ausreichender Deckung vor Beutegreifern.

Ernährung

Wildkaninchen sind reine Pflanzenfresser (Herbivore). Den Hauptanteil der Nahrung bilden Gräser und Kräuter. Je nach Jahreszeit ergänzen Knospen, Rinde, Wurzeln, Getreide und junge Triebe den Speiseplan. In Wintermonaten kann die Rinde von Gehölzen einen erheblichen Anteil der Nahrung ausmachen, was in der Forstwirtschaft zu Schäden führt.

Eine physiologische Besonderheit ist die Caecotrophie: Wildkaninchen produzieren zwei Arten von Kot. Der weiche, vitaminreiche Blinddarmkot (Caecotrophe) wird direkt vom After aufgenommen und erneut verdaut. Auf diese Weise können die Tiere Nährstoffe und B-Vitamine aus der bakteriellen Fermentation im Blinddarm effizient verwerten – ein Vorgang, der funktionell dem Wiederkäuen entspricht.

Verhalten & Lebensweise

Im Gegensatz zum einzelgängerisch lebenden Feldhasen ist das Wildkaninchen ein ausgesprochen soziales Tier. Es lebt in Kolonien von 6 bis 20 Tieren, die ein gemeinsames, unterirdisches Gangsystem bewohnen – den sogenannten Bau oder die Kaninchenburg. Diese Baue können über Generationen genutzt werden und erreichen beachtliche Ausmaße mit zahlreichen Ein- und Ausgängen, Wohnkesseln und Sackgängen.

Innerhalb der Kolonie herrscht eine ausgeprägte Rangordnung bei beiden Geschlechtern. Dominante Rammler beanspruchen bevorzugten Zugang zu den Häsinnen und verteidigen ihr Revier durch Markierung mit Kinn- und Analdrüsensekret sowie durch Urin. Rangkämpfe zwischen Rammlern äußern sich in Verfolgungsjagden, Bissen und Schlägen mit den Hinterläufen.

Wildkaninchen sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie im Bau und verlassen ihn zur Nahrungsaufnahme in den Abend- und frühen Morgenstunden. Bei Gefahr warnen sie Artgenossen durch lautes Aufklopfen der Hinterläufe auf den Boden (Klopfen) und flüchten in schnellen Haken zum nächsten Baueingang. Die Fluchtdistanz ist gering – selten mehr als wenige Dutzend Meter – da die Tiere stets in Baunähe bleiben.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Januar bis August, kann aber unter günstigen Bedingungen fast das gesamte Jahr umfassen. Die Häsin ist etwa 28 bis 33 Tage tragend und bringt pro Wurf 3 bis 7 Jungtiere zur Welt. Jährlich sind bis zu sechs Würfe möglich, was die enorme Reproduktionsrate der Art erklärt.

Anders als die Jungen des Feldhasen, die als Nestflüchter behaart und sehend geboren werden, kommen Kaninchenjunge als typische Nesthocker nackt, blind und hilflos zur Welt. Die Häsin legt für den Wurf eine separate, mit Bauchfell ausgepolst