Windenschwärmer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Agrius convolvuli (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Schwärmer (Sphingidae)
- Unterfamilie: Sphinginae
- Gattung: Agrius
- Flügelspannweite: 80–120 mm
- Körperlänge: ca. 40–50 mm
- Gewicht: ca. 3–6 g
- Lebenserwartung (Imago): ca. 2–4 Wochen
- Lebensraum: Offenlandschaften, Gärten, Agrarflächen, Brachflächen
- Verbreitung: Afrika, Südasien, Australien; als Wanderfalter regelmäßig in Mittel- und Nordeuropa
Aussehen & Merkmale
Der Windenschwärmer gehört zu den größten Schwärmerarten, die in Mitteleuropa beobachtet werden können. Die Vorderflügel sind schmal, langgestreckt und in verschiedenen Grau- und Brauntönen gehalten. Ein komplexes Muster aus dunklen Querlinien, Wellenbändern und helleren Bereichen sorgt für eine effektive Tarnung auf Baumrinde und trockenem Untergrund. Die Hinterflügel sind deutlich kürzer und tragen ein auffälliges Muster aus abwechselnd grauen und schwarzen Bändern.
Besonders markant ist der massive, spindelförmige Hinterleib. Er zeigt eine charakteristische Zeichnung aus rosa bis rötlichen Seitenflecken auf grauem Grund, unterbrochen von schwarzen Querstreifen. Dieses Muster erinnert an den nah verwandten Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos), mit dem der Windenschwärmer gelegentlich verwechselt wird. Im Unterschied zu jenem fehlt dem Windenschwärmer jedoch die namensgebende Totenkopfzeichnung auf dem Thorax.
Der Rüssel des Windenschwärmers ist mit einer Länge von bis zu 100 mm außergewöhnlich lang und ermöglicht es dem Falter, Nektar aus tiefen Blütenkelchen zu saugen. Die Fühler sind keulenförmig verdickt und leicht nach hinten gebogen – ein typisches Merkmal der Familie Sphingidae. Die Augen sind groß und dunkel, angepasst an die dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Windenschwärmers umfasst die tropischen und subtropischen Regionen Afrikas, Süd- und Südostasiens sowie Australiens. In diesen Gebieten pflanzt sich die Art ganzjährig fort und bringt mehrere Generationen pro Jahr hervor.
Als ausgeprägter Wanderfalter erreicht Agrius convolvuli ab Mai bis in den Herbst hinein regelmäßig Mitteleuropa. Die Tiere legen dabei Distanzen von mehreren tausend Kilometern zurück. In Deutschland, Österreich und der Schweiz tauchen die Falter vor allem zwischen Juni und Oktober auf, wobei die Häufigkeit von Jahr zu Jahr stark schwankt. Als bevorzugtes Habitat dienen offene, blütenreiche Landschaften: Gärten, Parkanlagen, Ackerränder, Ruderalflächen und Brachland. Auch landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Kartoffel- oder Süßkartoffelanbau werden aufgesucht, da dort Windengewächse als Beikräuter vorkommen.
In Mitteleuropa ist der Windenschwärmer nicht dauerhaft bodenständig. Die Puppen überleben die mitteleuropäischen Winter in der Regel nicht, sodass die hiesigen Populationen jedes Jahr durch Zuwanderer aus dem Süden neu begründet werden.
Ernährung
Die adulten Falter ernähren sich ausschließlich von Nektar. Mit ihrem extrem langen Saugrüssel besuchen sie bevorzugt Blüten mit tiefen Kronröhren, darunter Petunien, Tabakpflanzen (Nicotiana), Geißblatt (Lonicera) und verschiedene Nachtschattengewächse. Die Nahrungsaufnahme erfolgt im Schwirrflug – der Falter steht dabei wie ein Kolibri vor der Blüte in der Luft, ohne sich zu setzen.
Die Raupen fressen an verschiedenen Windengewächsen (Convolvulaceae), was der Art ihren deutschen Namen eingebracht hat. Zu den bevorzugten Futterpflanzen gehören die Ackerwinde (Convolvulus arvensis), die Zaunwinde (Calystegia sepium) und die Prunkwinde (Ipomoea). Gelegentlich werden auch Süßkartoffelblätter (Ipomoea batatas) befressen, was in tropischen Anbaugebieten zu wirtschaftlichen Schäden führen kann.
Verhalten & Lebensweise
Der Windenschwärmer ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Flugzeit beginnt in der Abenddämmerung und erstreckt sich über die gesamte Nacht. Tagsüber ruhen die Falter mit dachförmig zusammengelegten Flügeln an Baumstämmen, Zäunen oder Mauern, wo ihre Tarnfärbung sie nahezu unsichtbar macht.
Im Flug erreicht der Windenschwärmer Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Sein Schwirrflug erzeugt ein hörbares Brummen, das dem eines Kolibris ähnelt. Die Wanderflüge erfolgen überwiegend in großer Höhe; einzelne Individuen wurden in mehreren tausend Metern Höhe nachgewiesen. Anders als viele andere Schmetterlinge sind Windenschwärmer Einzelgänger – sie bilden weder Schwärme noch Gruppen während der Wanderung.
Künstliche Lichtquellen üben eine starke Anziehung auf die nachtaktiven Falter aus. Lichtfallen sind daher eine gängige Methode zum Nachweis der Art durch Entomologen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Ankunft in den Sommerquartieren paaren sich die Falter, und die Weibchen legen ihre Eier einzeln an die Blattunterseiten von Windengewächsen ab. Ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens mehrere hundert Eier produzieren. Die kugelförmigen, grünlich gefärbten Eier haben einen Durchmesser von etwa 1,5 mm.
Die Raupen durchlaufen