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Wolfsmilchschwärmer

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hyles euphorbiae
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Schwärmer (Sphingidae)
  • Gattung: Hyles
  • Lebensraum: Trockenwarme Offenlandschaften, Ruderalflächen, Sandmagerrasen, Weinberge
  • Flügelspannweite: 55–80 mm
  • Gewicht: ca. 1,5–3 g (Imago)
  • Lebenserwartung: wenige Wochen als Falter; gesamter Lebenszyklus einschließlich Larval- und Puppenstadium etwa ein Jahr

Aussehen & Merkmale

Der Wolfsmilchschwärmer gehört zu den farbenprächtigsten Vertretern der Familie der Schwärmer in Mitteleuropa. Die Vorderflügel zeigen ein komplexes Muster aus olivgrünen, braunen und beigefarbenen Feldern, durchzogen von hellen Bändern und dunklen Flecken. Die Hinterflügel sind auffällig rosarot bis karminrot gefärbt, mit einem schwarzen Basalfeld und einer schmalen schwarzen Randbinde. Diese Färbung dient als Schreckmuster: In Ruhestellung verborgen, werden die Hinterflügel bei Störung blitzartig gespreizt, um potenzielle Fressfeinde zu irritieren.

Der Körper ist robust und stromlinienförmig gebaut, typisch für die Schwärmer. Der Thorax trägt eine olivbraune Behaarung mit hellen Längsstreifen. Der Hinterleib weist eine charakteristische Zeichnung aus abwechselnd hellen und dunklen Segmenten auf, die seitlich von einer rötlichen Linie begrenzt wird. Die Fühler sind bei beiden Geschlechtern fadenförmig und leicht kolbenförmig verdickt – ein Merkmal, das die Schwärmer von vielen anderen Nachtfalterfamilien unterscheidet.

Besonders auffällig ist die Raupe: Sie wird bis zu 80 mm lang und zeigt auf schwarzem oder dunkelgrünem Grund eine dichte Musterung aus weißen, gelben und roten Punkten sowie Flecken. Am Hinterende trägt sie das für Schwärmerraupen typische Analhorn, das bei dieser Art rot bis orange gefärbt ist. Die kontrastreiche Warnfärbung signalisiert Fressfeinden die Ungenießbarkeit, die von der giftigen Nahrungspflanze herrührt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Hyles euphorbiae erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Es reicht von Nordafrika und der Iberischen Halbinsel über Mittel- und Südeuropa bis nach Zentralasien. In Deutschland kommt der Wolfsmilchschwärmer vor allem in klimatisch begünstigten Regionen vor, etwa in den Flusstälern von Rhein, Main und Mosel, in der Oberrheinebene sowie in Teilen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts. Nach Norden hin wird das Vorkommen zunehmend lückenhaft.

Als Habitat bevorzugt die Art trockenwarme, offene bis halboffene Biotope. Typische Lebensräume sind Sandmagerrasen, Trockenhänge, Weinbergsbrachen, Bahndämme, Kiesgruben und Ruderalflächen – stets Standorte, an denen die Raupenfutterpflanzen in ausreichender Dichte wachsen. Die Art ist wärmeliebend und meidet geschlossene Wälder sowie kühl-feuchte Lagen. In den Alpen steigt sie gelegentlich bis auf etwa 2.000 Meter Höhe auf.

Ernährung

Die Raupen des Wolfsmilchschwärmers ernähren sich fast ausschließlich von Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae), insbesondere von der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) und der Esels-Wolfsmilch (Euphorbia esula). Gelegentlich werden auch andere Euphorbia-Arten befressen. Der giftige Milchsaft der Wolfsmilchpflanzen, der Diterpene enthält, wird von den Raupen toleriert und in den Körper eingelagert. Dies macht sowohl die Raupen als auch – in geringerem Maße – die Falter für viele Fressfeinde ungenießbar.

Die erwachsenen Falter nehmen Nahrung in Form von Nektar auf. Mit ihrem langen Saugrüssel besuchen sie bevorzugt Blüten mit tiefen Kronröhren, darunter Lichtnelke, Natternkopf, Geißblatt und verschiedene Nachtkerzengewächse. Der Blütenbesuch erfolgt vorwiegend in der Dämmerung und den ersten Nachtstunden, wobei die Tiere im Schwirrflug vor den Blüten verharren.

Verhalten & Lebensweise

Der Wolfsmilchschwärmer ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruht der Falter an Baumstämmen, Mauern oder in der Vegetation, wobei die kryptische Färbung der Vorderflügel eine gute Tarnung bietet. Bei Störung spreizt er die Hinterflügel und zeigt die rote Warnfärbung. Die Flugzeit liegt in Mitteleuropa je nach Witterung zwischen Mai und September, wobei in günstigen Jahren zwei Generationen auftreten können.

Wie alle Schwärmer sind die Falter ausdauernde und schnelle Flieger. Sie erreichen Fluggeschwindigkeiten von bis zu 50 km/h und können weite Strecken zurücklegen. Gelegentlich tauchen Einzeltiere nördlich des regulären Verbreitungsgebiets auf, was auf Wanderflüge hindeutet, obwohl der Wolfsmilchschwärmer nicht zu den klassischen Wanderfaltern wie dem Windenschwärmer zählt.

Die Raupen leben einzeln oder in lockeren Gruppen an den Futterpflanzen und sind aufgrund ihrer Warnfärbung auch tagsüber aktiv. Bei Bedrohung rollen sie sich zusammen und können einen gelblich-grünen Brei aus dem Vorderdarm hervorwürgen, der abschreckend auf Angreifer wirkt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet in den Nachtstunden statt. Die Weibchen locken die Männchen über Pheromone an. Nach der Kopulation legt das Weibchen die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an der Unterseite von Wolfsmilchblättern ab. Pro Weibchen werden insgesamt 200 bis 400 Eier produziert