Würfelnatter
WTierart – Reptilien > Schlangen – Nattern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Natrix tessellata
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Wassernattern (Natrix)
- Lebensraum: Fließgewässer, Seen, Flussauen mit steinigem Untergrund
- Größe: 60–100 cm, selten bis 130 cm
- Gewicht: 60–200 g
- Lebenserwartung: ca. 10–15 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Würfelnatter ist eine mittelgroße, schlank gebaute Schlange mit einem deutlich vom Rumpf abgesetzten, relativ schmalen Kopf. Die Grundfärbung der Schuppen variiert von graubraun über olivgrün bis gelblich. Namensgebend ist das charakteristische Zeichnungsmuster auf der Oberseite: dunkle, quadratische oder rhombische Flecken, die in mehreren Längsreihen angeordnet sind und an ein Würfel- oder Schachbrettmuster erinnern. Auf der Bauchseite zeigt sich ein kontrastreiches schwarz-weißes bis schwarz-gelbes Fleckenmuster, das bei der Bestimmung hilfreich ist.
Die Pupillen sind rund – ein typisches Merkmal ungiftiger Nattern. Die Schuppen des Rumpfes sind deutlich gekielt, was der Schlange eine raue Oberfläche verleiht und sie von glatteren Arten unterscheidet. Weibchen werden in der Regel etwas größer und kräftiger als Männchen. Gelegentlich treten melanistische Exemplare auf, bei denen die Würfelzeichnung kaum noch erkennbar ist.
Von der nah verwandten Ringelnatter (Natrix natrix) unterscheidet sich die Würfelnatter durch das Fehlen der hellen Halbmondflecken am Hinterkopf sowie durch den insgesamt schlankeren Körperbau und den schmaleren Kopf.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Würfelnatter erstreckt sich von Mitteleuropa über Südosteuropa und Kleinasien bis nach Zentralasien. In Europa kommt sie unter anderem in Italien, auf dem Balkan, in Tschechien, der Slowakei, Österreich und der Schweiz vor. In Deutschland beschränken sich die wenigen verbliebenen Vorkommen auf die Flusstäler von Mosel, Lahn und Nahe in Rheinland-Pfalz – sie zählt hier zu den seltensten Reptilienarten.
Als ausgeprägt gewässergebundene Art besiedelt die Würfelnatter Habitate in unmittelbarer Nähe von Fließgewässern und Seen. Sie bevorzugt Biotope mit klarem, sauerstoffreichem Wasser und fischreichem Bestand. Steinige Ufer, Trockenmauern, Geröllhalden und südexponierte Felspartien in Gewässernähe dienen als Sonnplätze und Verstecke. Warme, strukturreiche Flusstäler mit Weinbergterrassen, wie sie an der Mosel vorkommen, bieten ideale Bedingungen. Die Art ist wärmeliebend und meidet schattige, kühle Gewässerabschnitte.
Ernährung
Die Würfelnatter ist eine spezialisierte Fischfresserin. Kleine Fische bilden den weitaus größten Anteil ihrer Nahrung. Zu den bevorzugten Beutetieren gehören Elritzen, Groppen, Schmerlen und junge Forellen. Gelegentlich werden auch Kaulquappen und kleine Frösche erbeutet.
Die Jagd findet überwiegend im Wasser statt. Die Schlange schwimmt dabei aktiv unter Wasser und stöbert Fische zwischen Steinen und in Uferspalten auf. Der Beutefang erfolgt durch schnelles Zupacken mit dem Maul. Die Beute wird an Land geschleppt und mit dem Kopf voran verschlungen. Dank ihrer hervorragenden Schwimmfähigkeit kann die Würfelnatter auch gegen die Strömung jagen und mehrere Minuten unter Wasser bleiben.
Verhalten & Lebensweise
Die Würfelnatter ist tagaktiv und stark an Gewässer gebunden. Sie verbringt einen großen Teil ihres Lebens im oder am Wasser und entfernt sich selten mehr als wenige hundert Meter vom Ufer. Morgens und am Nachmittag sucht sie exponierte Sonnplätze auf Steinen, Mauern oder Felsen auf, um ihre Körpertemperatur zu regulieren – ein für Reptilien typisches Thermoregulationsverhalten.
Bei Bedrohung flüchtet die Würfelnatter in der Regel ins Wasser. Wird sie ergriffen, kann sie – ähnlich wie die Ringelnatter – ein übelriechendes Sekret aus den Analdrüsen absondern. Manche Individuen stellen sich auch tot, indem sie sich auf den Rücken drehen und das Maul öffnen. Dieses Verhalten wird als Thanatose oder Totstellen bezeichnet. Die Art ist ungiftig und für den Menschen völlig harmlos.
Die Winterruhe dauert in Mitteleuropa von Oktober bis etwa April. Als Winterquartiere dienen Felsspalten, tiefe Mauerfugen, Geröllhalden und Erdlöcher oberhalb der Hochwasserlinie. Häufig überwintern mehrere Tiere gemeinsam an geeigneten, frostsicheren Plätzen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe, in Mitteleuropa meist im April oder Mai. Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und folgen deren Duftspur. Eine ausgeprägte Balz im engeren Sinne findet nicht statt; das Männchen umschlingt das Weibchen und es kommt zur Kopulation.
Die Würfelnatter ist ovipar, legt also Eier. Etwa sechs bis acht Wochen nach der Paarung setzt das Weibchen zwischen 5 und 25 Eier an geeigneten Stellen ab. Bevorzugte Eiablageplätze sind feuchte, warme Substrate wie verrottendes Pflanzenmaterial, Komposthaufen, Mauerfugen oder Hohlräume unter Steinen. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur 40 bis 60 Tage. Die Schlüpflinge messen etwa 15 bis 20 cm und sind von Beginn an selbstständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt. Die Geschlechtsreife wird mit etwa drei bis vier Jahren erreicht.