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Zornnatter

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Tierart – Reptilien > Schlangen – Nattern

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hemorrhois (ehem. Coluber), mehrere Arten, häufigste europäische Vertreterin: Hemorrhois hippocrepis (Hufeisennatter / Europäische Zornnatter)
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
  • Familie: Nattern (Colubridae)
  • Gattung: Hemorrhois
  • Lebensraum: Trockene, felsige Habitate, Macchie, Kulturland, Ruinen
  • Größe: 100–180 cm, selten bis 200 cm
  • Gewicht: 200–800 g je nach Art und Körperlänge
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Zornnattern sind schlanke, langgestreckte Schlangen mit einem klar vom Körper abgesetzten, leicht abgeflachten Kopf und auffallend großen Augen mit runder Pupille. Die Beschuppung ist glatt und glänzend, was den Tieren ein elegantes Erscheinungsbild verleiht. Die dorsale Grundfärbung variiert je nach Art und Population von gelblich-braun über olivgrün bis hin zu kräftigem Grau oder Schwarz. Bei der Hufeisennatter (Hemorrhois hippocrepis) zieht sich ein charakteristisches Muster dunkler, sattelförmiger Flecken über den Rücken, die an Hufeisen erinnern – daher der deutsche Alternativname. Die Bauchseite ist heller und kann gelblich bis weißlich gefärbt sein, oft mit dunklen Punkten oder Flecken.

Die Körperschuppen sind in 25–29 Reihen auf halber Körperlänge angeordnet. Die Analplatte ist geteilt. Jungtiere zeigen in der Regel eine kontrastreichere Zeichnung als adulte Exemplare, bei denen die Muster mit zunehmendem Alter verblassen können. Die Schwanzlänge macht etwa ein Viertel der Gesamtkörperlänge aus und ist dünn zulaufend.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Hemorrhois erstreckt sich über weite Teile des Mittelmeerraums, Nordafrikas, des Nahen Ostens und Zentralasiens. Die Hufeisennatter besiedelt die Iberische Halbinsel, Teile Südfrankreichs, Sardinien sowie den Maghreb. Weitere Arten wie die Coin-Zornnatter (Hemorrhois nummifer) kommen in der Levante und Anatolien vor, während Hemorrhois ravergieri bis nach Zentralasien reicht.

Als Biotop bevorzugen Zornnattern trockene, warme Regionen mit steinigem Untergrund. Typische Habitate sind felsige Hänge, Trockenmauern, Macchie und Garrigue, Olivenhaine, aufgelassenes Kulturland und Ruinengelände. In Nordafrika kommen sie auch in Oasengärten und semiariden Steppen vor. In der Höhenverbreitung reichen die Vorkommen vom Meeresniveau bis auf etwa 1.800 Meter in Gebirgslagen. Die Nähe menschlicher Siedlungen wird nicht gemieden – im Gegenteil nutzen Zornnattern alte Gemäuer und Steinhaufen gern als Versteck und Sonnenplatz.

Ernährung

Zornnattern sind opportunistische Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Die Hauptbeute besteht aus Eidechsen, kleinen Schlangen, Mäusen, Ratten und Jungvögeln. Auch Vogeleier, Frösche und große Insekten wie Heuschrecken werden gelegentlich erbeutet. Die Jagd erfolgt aktiv: Zornnattern durchstreifen ihr Revier auf der Suche nach Beute, die sie durch schnelles Zupacken überwältigen. Die Beute wird nicht durch Gift getötet – Zornnattern sind ungiftig. Stattdessen wird das Beutetier durch Körperschlingen fixiert und lebend verschlungen. Größere Säugetiere werden gelegentlich durch Andrücken an den Boden oder gegen Steine getötet, bevor sie gefressen werden.

Verhalten & Lebensweise

Der deutsche Name „Zornnatter" leitet sich vom Abwehrverhalten dieser Schlangen ab. Bei Bedrohung reagieren sie ausgesprochen aggressiv: Sie richten den Vorderkörper auf, fauchen laut, vibrieren mit dem Schwanz und beißen ohne Zögern wiederholt zu. Obwohl der Biss für Menschen ungefährlich ist, kann er aufgrund der Größe und Kraft der Tiere schmerzhaft sein und bluten.

Zornnattern sind tagaktive Schlangen, die vor allem in den Vormittags- und späten Nachmittagsstunden aktiv werden. Bei sommerlicher Hitze verlagert sich die Aktivität in die Dämmerungszeit und die frühen Nachtstunden. Sie gelten als ausgesprochen schnelle Schlangen und gehören zu den wendigsten europäischen Arten. Ihre Kletterfähigkeit ist beachtlich – sie erklimmen problemlos Mauern, Sträucher und niedrige Bäume auf der Suche nach Vogelnestern.

Die Winterruhe dauert in den nördlichen Verbreitungsgebieten von November bis März. In Nordafrika verkürzt sich diese Phase deutlich oder entfällt bei milden Wintern ganz. Als Winterquartiere dienen Felsspalten, Mauerlücken, Erdlöcher und Hohlräume unter Wurzeln.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, meist im April oder Mai, kurz nach dem Ende der Winterruhe. Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und können dabei größere Strecken zurücklegen. Rivalierende Männchen führen Kommentkämpfe aus, bei denen sie ihre Vorderkörper umeinander winden und versuchen, den Kontrahenten zu Boden zu drücken.

Zornnattern sind ovipar – die Weibchen legen etwa sechs bis acht Wochen nach der Paarung zwischen 5 und 18 Eier ab. Die Gelege werden an geschützten, feuchten Stellen unter Steinen, in Mauerspalten oder lockerem Erdreich platziert. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur 45 bis 70 Tage. Die Schlüpflinge messen 25 bis 35 Zentimeter und