Zwergsäger
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mergellus albellus
- Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
- Familie: Entenvögel (Anatidae)
- Unterfamilie: Säger (Merginae)
- Gattung: Mergellus (monotypisch)
- Lebensraum: Taiga-Gewässer, Seen, Flüsse, im Winter auch Küstengewässer und Binnengewässer Mitteleuropas
- Größe: 38–44 cm Körperlänge, Flügelspannweite 55–69 cm
- Gewicht: 500–900 g
- Lebenserwartung: bis etwa 10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Zwergsäger ist die kleinste europäische Sägerart und zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen im Prachtkleid gehört zu den auffälligsten Erscheinungen unter den heimischen Entenvögeln: Sein Gefieder ist überwiegend weiß mit scharf abgegrenzten schwarzen Zeichnungen. Ein schwarzer Augenfleck, schmale schwarze Linien auf dem Rücken und an den Flanken sowie ein dunkler Nackenstreif kontrastieren mit dem leuchtend weißen Grundton. Die Haube am Hinterkopf verleiht dem Kopf ein markantes, leicht aufgeplustertes Profil.
Das Weibchen und die Jungvögel sind deutlich unauffälliger gefärbt. Ihr Gefieder ist an Rücken und Flanken graubraun, die Unterseite heller. Besonders kennzeichnend ist die rotbraune Kappe, die vom Scheitel bis in den Nacken reicht und scharf gegen die weißen Wangen abgegrenzt ist. Diese Färbung teilen sie mit den Weibchen anderer Sägerarten, wobei die geringere Körpergröße des Zwergsägers ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal darstellt.
Wie alle Säger besitzt der Zwergsäger einen schlanken, seitlich abgeflachten Schnabel mit feinen Sägezähnchen an den Schnabelrändern – eine Anpassung an das Ergreifen glitschiger Beutetiere. Die Beine sitzen weit hinten am Körper, was ihn zu einem hervorragenden Taucher macht, an Land aber zu einem eher unbeholfenen Gang führt. Die Iris ist dunkel, die Füße sind grau.
Lebensraum & Verbreitung
Das Brutgebiet des Zwergsägers erstreckt sich über die boreale Zone Eurasiens, von Skandinavien ostwärts durch Russland bis nach Kamtschatka. Er brütet bevorzugt an fischreichen Seen und ruhigen Flussabschnitten der Taiga, wo alte Baumbestände mit geeigneten Bruthöhlen vorhanden sind. In Finnland und im Baltikum nimmt er auch Nistkästen an, was dort gezielte Schutzprogramme ermöglicht.
In Mitteleuropa tritt der Zwergsäger als regelmäßiger Wintergast auf. Seine Überwinterungsgebiete umfassen die Küsten von Nord- und Ostsee, die großen Binnenseen Süddeutschlands, der Schweiz und Österreichs sowie Stauseen und Flussstaue. Am Bodensee, am Starnberger See und an der Donau lässt er sich zwischen November und März regelmäßig beobachten. Auch die niederländischen IJsselmeer-Gebiete zählen zu den bedeutenden Winterquartieren in Westeuropa. Bruten in Deutschland sind äußerst selten und beschränken sich auf Einzelfälle in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Als Habitat bevorzugt er im Winter ruhige, klare Gewässer mit Sichttiefen, die ihm die visuelle Jagd unter Wasser ermöglichen. Trübe Gewässer werden gemieden. Geschützte Buchten, Altarme und Kiesgruben bieten ideale Bedingungen.
Ernährung
Der Zwergsäger ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen mit einer Körperlänge von etwa 3–8 cm. Im Brutgebiet spielen Barscharten, Elritzen und Stichlinge eine wichtige Rolle. In den Winterquartieren richtet sich das Beutespektrum nach dem lokalen Angebot und umfasst unter anderem Lauben, Rotaugen und andere Kleinfischarten.
Neben Fischen gehören auch wirbellose Wassertiere zur Nahrung: Insektenlarven, Krebstiere und gelegentlich Weichtiere ergänzen den Speiseplan, besonders während der Brutzeit und bei den Küken. Die Nahrungsaufnahme erfolgt tauchend. Der Zwergsäger taucht dabei meist nur wenige Sekunden in geringe Tiefen von ein bis vier Metern. Oft jagen mehrere Tiere in lockeren Gruppen, wobei die synchrone Tauchbewegung ganzer Trupps beobachtet werden kann – vermutlich eine Strategie, um Fischschwärme zusammenzutreiben.
Verhalten & Lebensweise
Der Zwergsäger ist ein tagaktiver Vogel, der den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche auf dem Wasser verbringt. Außerhalb der Brutzeit ist er gesellig und bildet Trupps von wenigen Individuen bis zu mehreren hundert Tieren. Diese Wintertrupps bestehen häufig überwiegend aus Weibchen und Jungvögeln, da die Männchen teilweise in anderen Gebieten überwintern.
Am Schlafplatz versammeln sich die Vögel oft auf offenen Wasserflächen, wo sie vor terrestrischen Prädatoren geschützt sind. Bei Störungen fliegt der Zwergsäger schnell und niedrig über die Wasseroberfläche ab. Sein Flugbild zeigt deutliche weiße Flügelfelder, die auch auf größere Entfernung eine Bestimmung im Flug ermöglichen.
Die Balz beginnt bereits im Winterquartier, typischerweise ab Januar. Die Männchen zeigen dabei charakteristische Kopfbewegungen, ein Zurückwerfen des Kopfes auf den Rücken und leise, knarrende Rufe. Gegenüber anderen Entenvögeln verhält sich der Zwergsäger am Rastplatz eher zurückhaltend und meidet dichte Ansammlungen anderer Arten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Zwergsäger ist ein Höhlenbrüter. Er nutzt natürliche Baumhöhlen, bevorzugt in alten Schwarzspechthöhlen, aber auch in hohlen Stämmen von Birken