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Zwergscharbe

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Taucher & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Microcarbo pygmaeus (Pallas, 1773)
  • Ordnung: Suliformes (Tölpelartige)
  • Familie: Phalacrocoracidae (Kormorane)
  • Gattung: Microcarbo
  • Lebensraum: Süß- und Brackwassergewässer mit dichter Ufervegetation
  • Größe: 45–55 cm Körperlänge, Flügelspannweite 75–90 cm
  • Gewicht: 500–900 g
  • Lebenserwartung: ca. 10–15 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Zwergscharbe ist der kleinste Vertreter der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) in Europa. Mit einer Körperlänge von 45 bis 55 Zentimetern und einem Gewicht von selten mehr als 900 Gramm wirkt sie gegenüber dem nahe verwandten Kormoran (Phalacrocorax carbo) geradezu zierlich – dieser bringt es auf fast die dreifache Körpermasse.

Im Prachtkleid zeigt das Gefieder eine überwiegend schwarzbraune bis schwärzliche Färbung mit einem deutlichen grünlichen oder bronzefarbenen Glanz auf den Flügeldecken. Auffällig sind zahlreiche kleine weiße Federflecken, die über Kopf, Hals und Körper verstreut sind und dem Vogel ein getüpfeltes Erscheinungsbild verleihen. Im Schlichtkleid ist die Färbung insgesamt matter, die weißen Flecken fehlen weitgehend, und die Unterseite wirkt bräunlicher. Der Schnabel ist relativ kurz und dunkel, die Iris braun. Die Beine und Schwimmhäute sind schwarz.

Der verhältnismäßig lange, abgestufte Schwanz dient als Steuerruder beim Tauchen und wird beim Schwimmen oft schräg nach oben gehalten – ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Kormoranarten. Jungvögel sind insgesamt heller gefärbt, mit einer weißlichen bis cremefarbenen Unterseite und bräunlichem Obergefieder.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Zwergscharbe erstreckt sich von Südosteuropa über Kleinasien und den Kaukasus bis nach Zentralasien. Bedeutende Brutvorkommen bestehen in Rumänien (insbesondere im Donaudelta), Griechenland, der Türkei, Aserbaidschan und dem Iran. In Westeuropa tritt die Art nur unregelmäßig auf, wobei in den letzten Jahrzehnten eine langsame Ausbreitung nach Nordwesten zu beobachten ist. Vereinzelte Bruten wurden bereits in Ungarn, Bulgarien und vereinzelt auch in Italien nachgewiesen.

Als bevorzugtes Habitat dienen flache, nährstoffreiche Süßwassergewässer mit ausgedehnter Ufervegetation. Seen, Altarme, Flussdeltas, Schilfzonen und Überschwemmungsgebiete bilden das typische Biotop der Zwergscharbe. Brackwasserlagunen und Fischteiche werden ebenfalls genutzt. Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Sitzwarten – Bäume, Büsche oder Schilfbestände – in Gewässernähe, die zum Trocknen des Gefieders benötigt werden. Offene Meeresküsten werden im Gegensatz zum Kormoran weitgehend gemieden.

Ein Teil der Population ist Standvogel, insbesondere in den südlichen Bereichen des Verbreitungsgebiets. Nördlichere Populationen ziehen im Winter in wärmere Regionen, etwa an die östliche Mittelmeerküste oder in den Nahen Osten.

Ernährung

Die Zwergscharbe ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen mit einer Körperlänge von drei bis acht Zentimetern. Zu den bevorzugten Beutefischen zählen Grundeln, Karpfenartige und andere Kleinfische der Uferzone. Ergänzend stehen Wasserinsekten, Krebstiere, Amphibienlarven und gelegentlich kleine Frösche auf dem Speiseplan.

Die Nahrungssuche erfolgt tauchend. Dabei stößt der Vogel von der Wasseroberfläche ab und schwimmt aktiv unter Wasser, wobei die Füße als Antrieb dienen. Die Tauchgänge dauern in der Regel 15 bis 30 Sekunden und erreichen Tiefen von ein bis drei Metern. Bevorzugt wird in flachen, vegetationsreichen Uferzonen gejagt, wo die Fischdichte hoch ist. Im Gegensatz zum Kormoran jagt die Zwergscharbe meist einzeln oder in kleinen Gruppen und nicht in koordinierten Schwärmen.

Verhalten & Lebensweise

Die Zwergscharbe ist tagaktiv und verbringt einen erheblichen Teil des Tages mit dem Trocknen ihres Gefieders. Wie alle Kormorane besitzt sie kein vollständig wasserabweisendes Gefieder, was zwar das Tauchen erleichtert, aber regelmäßiges Ausbreiten der Flügel an der Luft erfordert. Dieses charakteristische Verhalten – das sogenannte „Flügeltrocknen" – ist ein typisches Bild an den Rastplätzen der Art.

Außerhalb der Brutzeit lebt die Zwergscharbe gesellig und bildet an günstigen Gewässern Schlafgemeinschaften von mehreren Dutzend bis einigen hundert Individuen. Die Schlafplätze befinden sich meist in Bäumen oder dichten Schilfbeständen über dem Wasser. Ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigt die Art vor allem am Brutplatz, wo die unmittelbare Nestumgebung gegen Artgenossen verteidigt wird.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt je nach Region zwischen März und Mai. Die Zwergscharbe brütet in Kolonien, häufig vergesellschaftet mit Reihern, Löfflern oder anderen Kormoranen. Die Nester werden aus Zweigen, Schilfhalmen und Wasserpflanzen errichtet, bevorzugt in niedrigen Büschen, Bäumen oder dichten Schilfbeständen über dem Wasser.

Das Gelege umfasst in der Regel drei bis sechs blass-bläuliche Eier, die von beiden Elternvögeln über einen Zeitraum von 27 bis 30 Tagen bebrütet werden. Die Balz beinhaltet rituelle Kopfbewegungen, Flügelstrecken und das Präsentieren von Nist