T Tierlexikon.net
← Lexikon

Zwergtaucher

Z

Tierart – Vögel > Wasservögel – Taucher & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tachybaptus ruficollis
  • Ordnung: Lappentaucherartige (Podicipediformes)
  • Familie: Lappentaucher (Podicipedidae)
  • Gattung: Tachybaptus
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer mit dichter Ufervegetation
  • Größe: 25–29 cm (Körperlänge)
  • Gewicht: 100–220 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 13 Jahre in freier Wildbahn, durchschnittlich 5–6 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Zwergtaucher ist der kleinste europäische Vertreter der Familie der Lappentaucher und kaum größer als ein Rotkehlchen. Sein Körperbau ist kompakt und gedrungen, der Hals kurz, der Kopf rundlich. Einen sichtbaren Schwanz besitzt er praktisch nicht – das Körperende wirkt stumpf abgerundet, was ihm auf dem Wasser eine charakteristische kugelige Silhouette verleiht.

Im Prachtkleid während der Brutzeit zeigt das Gefieder an Wangen, Halsseiten und Kehle eine satte kastanienbraune Färbung. Die Oberseite ist dunkelbraun bis schwarzbraun, die Unterseite heller, mit einem seidigen Glanz. An der Schnabelbasis fällt ein kleiner, gelblich-grüner Fleck auf, der im Prachtkleid besonders leuchtend hervortritt. Im Schlichtkleid nach der Brutzeit verblassen die rotbraunen Partien zu einem matten Beigebraun, und das gesamte Gefieder wirkt insgesamt blasser und unscheinbarer.

Die Beine sind weit hinten am Körper angesetzt – eine typische Anpassung an das Leben im Wasser, die an Land jedoch zu einem unbeholfenen, aufrechten Gang führt. An den Zehen befinden sich keine Schwimmhäute, sondern seitliche Hautlappen, sogenannte Schwimmlappen, die als effiziente Ruderorgane unter Wasser dienen. Die Augen sind dunkelbraun bis rötlich, der kurze, spitze Schnabel schwärzlich mit heller Spitze.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Zwergtauchers erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Asiens bis nach Japan und Südostasien. In Mitteleuropa ist er ein verbreiteter Brutvogel, der vom Tiefland bis in mittlere Höhenlagen vorkommt. In Deutschland brüten schätzungsweise 12.000 bis 18.000 Paare.

Als bevorzugtes Habitat dienen dem Zwergtaucher stehende oder langsam fließende Gewässer mit üppiger Ufer- und Schwimmblattvegetation. Flache Teiche, Weiher, Altwasser, Gräben, Klärteiche und schilfbestandene Seeufer bieten ihm ideale Bedingungen. Entscheidend ist eine ausreichende Deckung durch Röhricht, Schilf, Rohrkolben oder überhängende Ufervegetation. Offene, vegetationsarme Seen meidet er weitgehend.

In Mitteleuropa ist der Zwergtaucher überwiegend Standvogel oder Kurzstreckenzieher. Bei strengen Wintern weichen Vögel aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet nach Süden und Westen aus und überwintern an eisfreien Flüssen, Seen oder Küstengewässern. Die nördlichen und östlichen Populationen sind stärker zugverdächtig als die westeuropäischen.

Ernährung

Der Zwergtaucher ernährt sich überwiegend von kleinen Wassertieren. Den Hauptanteil seiner Nahrung bilden Wasserinsekten und deren Larven – darunter Libellen-, Eintags- und Köcherfliegenlarven –, kleine Krebstiere, Wasserschnecken sowie kleine Fische von wenigen Zentimetern Länge. Kaulquappen und Froschlaich ergänzen das Nahrungsspektrum saisonal.

Seine Beute erjagt er durch kurze Tauchgänge, die in der Regel 10 bis 25 Sekunden dauern. Die maximale Tauchtiefe liegt meist unter zwei Metern, was dem flachen Charakter seiner bevorzugten Gewässer entspricht. Zwischen den einzelnen Tauchgängen ruht er kurz auf der Wasseroberfläche. Gelegentlich schnappt er auch Insekten von der Wasseroberfläche oder aus der Luft.

Verhalten & Lebensweise

Der Zwergtaucher ist vorwiegend tagaktiv, zeigt aber auch in der Dämmerung rege Aktivität. Er lebt während der Brutzeit territorial und verteidigt sein Revier gegenüber Artgenossen energisch mit Drohgebärden, Verfolgungsjagden und seinem durchdringenden Trillern – einem lauten, absteigenden „bi-bi-bi-bi-bi-bi", das zu den auffälligsten Lautäußerungen an Binnengewässern zählt.

Außerhalb der Brutzeit ist die Art geselliger und bildet an günstigen Nahrungsplätzen lockere Ansammlungen von bis zu mehreren Dutzend Individuen. Bei Gefahr taucht der Zwergtaucher blitzschnell ab, anstatt aufzufliegen. Er kann seinen Körper so tief ins Wasser drücken, dass nur noch der Kopf über die Oberfläche ragt. Der Flug wirkt mit den schnellen Flügelschlägen und dem gestreckten Hals etwas unbeholfen; er fliegt meist niedrig und nur über kurze Distanzen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt in Mitteleuropa ab März. Beide Partner vollführen dabei synchrone Balzrituale, die lautes Trillern, gegenseitiges Füttern und paralleles Schwimmen umfassen. Das Paar baut gemeinsam ein schwimmendes Nest aus verrottenden Pflanzenteilen, Schilf und Wasserpflanzen, das an Schilfhalmen, Ästen oder Schwimmblattvegetation verankert wird. Das Nest ragt nur wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche und ist durch die umliegende Vegetation gut getarnt.

Das Gelege umfasst vier bis sechs Eier, die anfangs weiß sind, sich aber durch den Kontakt mit dem feuchten Nistmaterial rasch bräunlich verfärben. Beide Altvögel bebrüten die Eier im Wechsel über einen Zeitraum von 20 bis 21 Tagen. Verlässt ein Elternteil das Nest, deckt es die