Adonislibelle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pyrrhosoma nymphula (Sulzer, 1776)
- Ordnung: Libellen (Odonata)
- Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
- Familie: Schlanklibellen (Coenagrionidae)
- Gattung: Pyrrhosoma
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Moorgewässer, Gräben, Gartenteiche
- Körperlänge: 33–36 mm
- Flügelspannweite: ca. 38–48 mm
- Gewicht: ca. 0,2–0,4 g
- Lebenserwartung Imago: ca. 2–6 Wochen
- Gesamte Entwicklungsdauer (inkl. Larve): 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Frühe Adonislibelle gehört zu den auffälligsten einheimischen Kleinlibellen. Ihr Name verweist auf die leuchtend rote Körperfärbung der Männchen, die an die mythologische Figur des Adonis erinnert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vertretern der Schlanklibellen, die überwiegend blaue oder grüne Farbtöne tragen, ist Pyrrhosoma nymphula durch ihre Rotfärbung nahezu unverwechselbar.
Die Männchen zeigen eine intensiv rote Grundfarbe an Thorax und Hinterleib (Abdomen). Auf den mittleren und hinteren Abdominalsegmenten finden sich schwarze Zeichnungen, deren Ausdehnung individuell variiert. Die Beine sind überwiegend schwarz gefärbt. Die Augen erscheinen von oben dunkelrot bis schwarzbraun. Die durchsichtigen Flügel besitzen ein dunkles Flügelmal (Pterostigma).
Die Weibchen sind deutlich variabler in der Färbung. Neben einer roten Grundform existieren Farbvarianten, die von gelblich über grünlich bis hin zu fast vollständig schwarz melanistischen Tieren reichen. Diese Variabilität wird in der Literatur häufig in verschiedene Farbtypen (f. typica, f. melanotum, f. fulvipes) untergliedert. Die schwarze Zeichnung auf dem Abdomen ist bei Weibchen in der Regel ausgedehnter als bei den Männchen.
Der Körperbau entspricht dem typischen Bauplan der Kleinlibellen: ein schlanker, langgestreckter Hinterleib, ein kompakter Thorax mit zwei Paar gleich großen, in Ruhestellung über dem Hinterleib zusammengelegten Flügeln sowie ein breiter Kopf mit großen Facettenaugen, die seitlich stehen und sich – im Unterschied zu den Großlibellen – nicht berühren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Frühen Adonislibelle erstreckt sich über weite Teile Europas sowie Teile Westasiens und Nordafrikas. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und von den Britischen Inseln bis zum Ural vor. In Mitteleuropa ist sie nahezu flächendeckend vertreten und zählt zu den häufigsten Libellenarten.
Als Habitat nutzt Pyrrhosoma nymphula ein breites Spektrum an Gewässertypen. Bevorzugt werden stehende oder langsam fließende Gewässer mit dichter Ufervegetation. Dazu gehören Weiher, Teiche, Moorgewässer, Gräben, Quellbäche und Waldtümpel. Auch an künstlichen Biotopen wie Gartenteichen ist die Art regelmäßig anzutreffen. Gegenüber leicht sauren Wasserverhältnissen zeigt sie eine höhere Toleranz als viele verwandte Arten, weshalb sie an Moorgewässern oft dominiert.
Ernährung
Sowohl die Larven als auch die adulten Tiere (Imagines) leben räuberisch. Die Larven ernähren sich im Gewässer von Kleinstlebewesen wie Wasserflöhen, Mückenlarven, kleinen Würmern und anderen Wirbellosen. Sie sind Lauerjäger, die zwischen Wasserpflanzen auf Beute warten und diese mit der vorschnellbaren Fangmaske – einem umgebildeten Mundwerkzeug – ergreifen.
Die erwachsenen Adonislibellen jagen kleine Fluginsekten wie Blattläuse, Mücken und andere Zweiflügler. Die Beute wird im Flug oder von einer Sitzwarte aus erbeutet und mit den zu einem Fangkorb geformten Beinen gegriffen. Die Mundwerkzeuge der Imagines sind kauend und ermöglichen das Zerkleinern der Beutetiere.
Verhalten & Lebensweise
Die Frühe Adonislibelle ist tagaktiv und gehört zu den ersten Libellenarten, die im Frühjahr erscheinen. Die Flugzeit beginnt in Mitteleuropa bereits ab Ende April und reicht bis in den August, mit einem Schwerpunkt im Mai und Juni – daher der Namenszusatz „Frühe".
Die Männchen besetzen kleine Reviere an geeigneten Gewässerabschnitten und verteidigen diese gegen Rivalen mit kurzen Drohflügen. Im Vergleich zu vielen Großlibellen ist das Territorialverhalten jedoch weniger aggressiv ausgeprägt. An sonnenexponierten Stellen über der Ufervegetation lassen sich häufig mehrere Männchen gleichzeitig beobachten, die in geringem Abstand zueinander patrouillieren.
Wie alle Kleinlibellen ruhen Adonislibellen mit über dem Körper zusammengelegten Flügeln. Sie sind weniger ausdauernde Flieger als Großlibellen und halten sich meist in Gewässernähe auf, obwohl unreife Tiere während der Reifungsphase auch weiter entfernte Habitate wie Waldlichtungen und Wiesen aufsuchen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung beginnt mit dem Ergreifen des Weibchens durch das Männchen, das mit seinen Hinterleibsanhängen (Cerci) den Prothorax des Weibchens fixiert. Es entsteht das für Libellen typische Paarungsrad (Kopulationsrad), bei dem das Weibchen seinen Hinterleib zum sekundären Kopulationsorgan des Männchens am zweiten Abdominalsegment biegt. Die Kopulation dauert etwa 15–30 Minuten.