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Flussjungfer

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Tierart – Insekten > Libellen & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Gomphidae (Familie)
  • Ordnung: Libellen (Odonata)
  • Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
  • Familie: Flussjungfern (Gomphidae)
  • Lebensraum: Fließgewässer, seltener Stillgewässer mit sandigem oder kiesigem Grund
  • Größe: 40–60 mm Körperlänge, Flügelspannweite bis 70 mm (je nach Art)
  • Gewicht: ca. 0,3–1,5 g
  • Lebenserwartung: 2–5 Jahre (davon 1–4 Jahre als Larve), Imagines leben wenige Wochen bis Monate

Aussehen & Merkmale

Flussjungfern unterscheiden sich von anderen Großlibellen durch ein zentrales Merkmal: Ihre Augen berühren sich auf der Kopfoberseite nicht, sondern sind deutlich voneinander getrennt. Dieses Unterscheidungsmerkmal teilen sie mit den Kleinlibellen (Zygoptera), gehören aber aufgrund ihres Flügelbaus eindeutig zu den Großlibellen. Die Hinterflügel sind an der Basis breiter als die Vorderflügel – ein typisches Merkmal der Anisoptera.

Der Körperbau ist kräftig und gedrungen. Das Abdomen ist bei vielen Arten leicht keulenförmig verdickt, besonders bei den Männchen. Die Grundfärbung ist überwiegend schwarz mit gelben oder grünlichen Zeichnungselementen, die artspezifisch variieren. Die Flügel sind in der Regel glasklar und tragen kein auffälliges Flügelmal (Pterostigma) von diagnostischer Bedeutung. Die Beine sind relativ kurz, was mit der bevorzugten Sitzposition auf dem Boden oder auf flachen Steinen zusammenhängt – im Gegensatz zu vielen anderen Großlibellen, die sich an Vegetation klammern.

In Mitteleuropa kommen mehrere Gattungen und Arten vor, darunter die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus), die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia), die Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes) und die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus). Die Gattungszugehörigkeit lässt sich oft an der Form der Hinterleibsanhänge (Cerci) der Männchen und an der Zeichnung des Thorax bestimmen.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Gomphidae ist weltweit verbreitet und umfasst rund 1.000 Arten. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen und Subtropen, doch auch in der Paläarktis sind zahlreiche Vertreter heimisch. In Deutschland, Österreich und der Schweiz leben etwa zehn Arten.

Das bevorzugte Habitat sind naturnahe Fließgewässer – von kleinen Bächen bis zu großen Flüssen. Entscheidend ist die Beschaffenheit des Gewässergrunds: Die Larven benötigen sandige, kiesige oder schlammige Substrate, in die sie sich eingraben. Einige Arten wie die Grüne Flussjungfer besiedeln bevorzugt saubere Flüsse mit sandigem Grund, während andere Arten auch an stehenden Gewässern vorkommen können. Die Imagines halten sich häufig in Ufernähe auf, nutzen aber auch angrenzende Offenlandbiotope wie Waldlichtungen, Wiesen und Wege als Jagdrevier.

Die Gewässergüte spielt eine große Rolle für das Vorkommen vieler Flussjungfern-Arten. Ophiogomphus cecilia gilt als Indikatorart für saubere, strukturreiche Fließgewässer und ist in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU gelistet.

Ernährung

Adulte Flussjungfern sind Ansitzjäger und erbeuten kleine Fluginsekten wie Mücken, Eintagsfliegen und andere Kleininsekten im Flug. Dabei starten sie von ihrem Sitzplatz auf dem Boden, einem flachen Stein oder einem niedrig gelegenen Ast und kehren nach erfolgreicher Jagd häufig an denselben Platz zurück. Die Beute wird im Flug mit den zu einem Fangkorb geformten Beinen gegriffen und im Sitzen verzehrt.

Die Larven leben als räuberische Lauerjäger im Gewässergrund. Sie ernähren sich von Zuckmückenlarven, Würmern, kleinen Krebstieren und anderen Wirbellosen des Benthos. Ihre Fangmaske – eine spezialisierte, vorschnellbare Unterlippe – dient dem blitzschnellen Zupacken. Da die Larven teilweise im Substrat vergraben leben, erbeuten sie vorwiegend Organismen, die in unmittelbarer Reichweite vorbeiwandern.

Verhalten & Lebensweise

Flussjungfern sind tagaktive Insekten mit einer Flugzeit, die je nach Art von Mai bis September reicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Großlibellen wie den Edellibellen (Aeshnidae) patrouillieren die Männchen der meisten Gomphidae-Arten nicht permanent über dem Gewässer. Stattdessen sitzen sie am Ufer oder auf ufernahen Strukturen und warten auf vorbeifliegende Weibchen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist zwar vorhanden, aber weniger aggressiv als bei den Edellibellen.

Nach dem Schlupf aus der Larvenhaut (Emergenz) entfernen sich die Imagines oft mehrere Kilometer vom Gewässer. Diese Reifungsphase dauert ein bis drei Wochen, in denen die Tiere ihre endgültige Körperfärbung ausbilden. Erst danach kehren die geschlechtsreifen Tiere zur Fortpflanzung an die Gewässer zurück.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt im Flug oder auf einer Unterlage sitzend im sogenannten Paarungsrad – einer für Libellen typischen Kopulationsstellung. Die Männchen ergreifen das Weibchen mit ihren Hinterleibsanhängen am Hinterkopf (Tandemstellung), woraufhin das Weibchen sein Abdomen zum sekundären Kopulationsorgan des Männchens biegt.

Die Eiablage erfolgt bei den meisten Flussjungfern-Arten ohne Begleitung des Männchens.