Azurjungfer
ATierart – Insekten > Libellen & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Coenagrion puella (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Libellen (Odonata)
- Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
- Familie: Schlanklibellen (Coenagrionidae)
- Gattung: Coenagrion
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer mit reicher Ufervegetation
- Körperlänge: 33–35 mm
- Flügelspannweite: ca. 36–44 mm
- Gewicht: ca. 0,2–0,4 g
- Lebenserwartung (Imago): ca. 2–6 Wochen
- Gesamte Lebensdauer (inkl. Larvalstadium): ca. 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Hufeisen-Azurjungfer gehört zu den zierlichsten einheimischen Libellen. Der Körperbau entspricht dem typischen Bauplan der Kleinlibellen: ein schlanker, stäbchenförmiger Hinterleib (Abdomen), ein breiter Kopf mit großen Facettenaugen, die seitlich am Kopf stehen und sich – anders als bei Großlibellen – nicht berühren, sowie zwei Paar nahezu gleich große, transparente Flügel, die in Ruhestellung zusammengelegt über dem Hinterleib getragen werden.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich in der Färbung. Die Männchen zeigen eine leuchtend himmelblaue Grundfarbe mit schwarzer Zeichnung auf den Abdominalsegmenten. Das namensgebende Merkmal der Gattung ist eine charakteristische schwarze Zeichnung auf dem zweiten Hinterleibssegment, die bei Coenagrion puella einem liegenden „U" oder Hufeisen ähnelt – daher der deutsche Name Hufeisen-Azurjungfer. Die Weibchen sind deutlich unauffälliger gefärbt: Ihre Grundfarbe variiert zwischen grünlich und bläulich, wobei der Schwarzanteil auf den Abdominalsegmenten erheblich größer ist als bei den Männchen. Es kommen zudem verschiedene Farbformen vor, darunter eine seltene androchrome Variante, bei der Weibchen die blaue Färbung der Männchen nachahmen.
Die Artbestimmung innerhalb der Gattung Coenagrion ist anspruchsvoll, da mehrere Arten – etwa die Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum) oder die Mond-Azurjungfer (Coenagrion lunulatum) – sehr ähnlich aussehen. Zur sicheren Determination ist häufig die Betrachtung der Hinterleibsanhänge (Cerci) der Männchen oder der Pronotumhinterkante der Weibchen unter der Lupe erforderlich.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Hufeisen-Azurjungfer erstreckt sich über weite Teile der westlichen Paläarktis. Die Art kommt von Irland und der Iberischen Halbinsel im Westen bis nach Zentralasien im Osten vor, nördlich bis nach Skandinavien und südlich bis nach Nordafrika. In Mitteleuropa zählt sie zu den häufigsten Kleinlibellen überhaupt.
Als Habitat bevorzugt Coenagrion puella stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit ausgedehnter Ufer- und Unterwasservegetation. Typische Biotope sind Weiher, Teiche, Altarme, Gräben, flache Seeufer und Gartenteiche. Die Art ist ausgesprochen euryök, also hinsichtlich ihrer Standortansprüche wenig wählerisch. Sie besiedelt sowohl nährstoffarme als auch eutrophe Gewässer und toleriert leichte Beschattung. Diese geringe Spezialisierung ist einer der Gründe für ihre weite Verbreitung und hohe Individuendichte in geeigneten Lebensräumen.
Ernährung
Sowohl die Larven als auch die adulten Tiere (Imagines) sind Prädatoren. Die im Wasser lebenden Larven erbeuten mit ihrer als Fangmaske umgewandelten Unterlippe (Labium) kleine Wasserorganismen wie Wasserflöhe, Mückenlarven, Würmer und andere Kleinstlebewesen. Die erwachsenen Azurjungfern jagen im Flug oder von Sitzwarten aus kleine fliegende Insekten – vorwiegend Blattläuse, Mücken und andere Zweiflügler. Die Beute wird mit den zu einem Fangkorb geformten Beinen ergriffen und im Flug oder im Sitzen verzehrt.
Verhalten & Lebensweise
Die Hufeisen-Azurjungfer ist tagaktiv. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis August, mit einem Schwerpunkt im Juni und Juli. Die Tiere halten sich überwiegend in unmittelbarer Gewässernähe auf, wobei die Männchen häufig an sonnigen Uferabschnitten patrouillieren und dort Sitzplätze auf Halmen und Blättern besetzen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten, wie es bei vielen Großlibellen zu beobachten ist, fehlt den Männchen weitgehend. Stattdessen suchen sie aktiv fliegend nach Weibchen und reagieren auf jede vorbeifliegende Kleinlibelle mit Annäherungsversuchen.
Bei kühlem oder bedecktem Wetter ziehen sich die Tiere in die ufernahe Vegetation zurück und verharren dort bewegungslos. Aufgrund ihrer geringen Körpermasse sind Azurjungfern in hohem Maße auf Sonnenwärme angewiesen und fliegen bevorzugt bei Temperaturen über 17 °C.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung beginnt mit dem Ergreifen des Weibchens durch das Männchen, das seine Hinterleibsanhänge hinter dem Kopf (Prothorax) des Weibchens verankert – die sogenannte Tandemstellung. Vor der eigentlichen Kopulation überträgt das Männchen Spermien in sein sekundäres Kopulationsorgan am zweiten Abdominalsegment. Anschließend bildet das Paar das für Libellen typische Paarungsrad, eine einzigartige Fortpflanzungsstellung unter den Insekten.
Nach der Paarung erfolgt die Eiablage (Oviposition) meist im Tandem