Diadem-Seeigel
DTierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Diadema setosum (Leske, 1778)
- Stamm: Stachelhäuter (Echinodermata)
- Klasse: Seeigel (Echinoidea)
- Ordnung: Diadematoida
- Familie: Diadematidae
- Gattung: Diadema
- Lebensraum: Tropische und subtropische Korallenriffe, Felsküsten, Seegraswiesen
- Größe: Gehäusedurchmesser 6–10 cm, Stachellänge bis 30 cm
- Gewicht: ca. 30–80 g (ohne Stacheln)
- Lebenserwartung: ca. 5–10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Diadem-Seeigel zählt zu den auffälligsten Vertretern der Klasse Echinoidea. Sein kugelförmiges Kalkskelett, das sogenannte Corona, ist von einer dünnen Hautschicht überzogen und erreicht einen Durchmesser von sechs bis zehn Zentimetern. Das namensgebende Merkmal sind die extrem langen, dünnen Stacheln, die in alle Richtungen abstehen und eine Länge von bis zu 30 Zentimetern erreichen können. Diese Stacheln sind hohl, spröde und tiefschwarz gefärbt. Ihre Oberfläche ist mit feinen Widerhaken besetzt, die beim Eindringen in Gewebe abbrechen und schwer zu entfernen sind.
Am Scheitel des Gehäuses befindet sich ein auffälliger, leuchtend orangefarbener bis rötlicher Analkonus, der als sicheres Erkennungsmerkmal gegenüber verwandten Arten dient. Um den Analkonus herum sind bei Diadema setosum zudem fünf weiße oder bläulich schimmernde Punkte sichtbar – die sogenannten Iridophoren, lichtreflektierende Zellen, die möglicherweise der Lichterkennung dienen. Die Ambulakralfüßchen ragen zwischen den Stacheln hervor und dienen der Fortbewegung, der Haftung am Substrat sowie der Nahrungsaufnahme. An der Unterseite liegt die Mundöffnung mit dem Aristoteles-Laterne genannten Kauapparat, einem komplexen System aus fünf kalkhaltigen Zähnen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Diadem-Seeigels erstreckt sich über den gesamten tropischen Indopazifik – vom Roten Meer und der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis nach Südostasien, Nordaustralien und zu den Inseln des westlichen Pazifiks. In jüngerer Zeit wurden auch Vorkommen im östlichen Mittelmeer dokumentiert, die auf eine Einwanderung durch den Suezkanal (lessepssche Migration) zurückgehen.
Typische Habitate sind flache Korallenriffe, Rifflagunen, felsige Küstenabschnitte und Seegraswiesen in Tiefen von einem bis etwa 20 Metern. Diadem-Seeigel bevorzugen Bereiche mit ausreichend Spalten und Überhängen, in denen sie sich tagsüber verbergen können. Auf Riffplatten und in Gezeitenzonen treten sie oft in hohen Dichten auf und bilden lose Aggregationen von mehreren Dutzend bis Hunderten von Individuen.
Eine nahe verwandte Art ist der Atlantische Diadem-Seeigel (Diadema antillarum), der die Karibik und den tropischen Ostatlantik besiedelt und eine vergleichbare ökologische Rolle einnimmt.
Ernährung
Diadem-Seeigel sind überwiegend Herbivoren. Mit ihrer Aristoteles-Laterne schaben sie Algenaufwuchs von Fels- und Korallenoberflächen ab. Dabei nehmen sie sowohl Grün-, Rot- als auch Braunalgen auf. Neben filamentösen Algen und Algenkrusten fressen sie gelegentlich auch abgestorbenes organisches Material (Detritus) und inkrustierende Organismen. Diese Ernährungsweise macht sie zu bedeutenden Bioturbatoren im Riffökosystem: Durch kontinuierliches Abweiden verhindern sie eine Überwucherung des Korallensubstrats durch Algen und schaffen Siedlungsflächen für Korallenlarven. In gesunden Riffen tragen sie damit erheblich zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Korallenwachstum und Algenbestand bei.
Verhalten & Lebensweise
Der Diadem-Seeigel ist vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber verharrt er in Felsspalten, unter Korallenüberhängen oder in Riffhöhlen, wobei nur die langen Stacheln aus dem Versteck herausragen. Nach Einbruch der Dunkelheit verlässt er sein Tagesversteck und wandert langsam über das Riff, um Algenflächen abzuweiden. Gegen Morgen kehrt er häufig zu demselben oder einem nahegelegenen Versteckplatz zurück. Diese Standorttreue ist ein typisches Merkmal der Gattung Diadema.
Die Stacheln dienen primär der Verteidigung. Bei Annäherung eines potenziellen Fressfeides richten sich die Stacheln in Richtung der Bedrohung aus – der Seeigel kann Schattenwurf und Wasserbewegungen über Lichtsinnesorgane und Mechanorezeptoren wahrnehmen. Der Stich eines Diadem-Seeigels ist für Menschen schmerzhaft, in der Regel aber nicht lebensbedrohlich. Die abgebrochenen Stachelspitzen können sich allerdings im Gewebe entzünden.
In den Stachelwäldern der Diadem-Seeigel finden zahlreiche Kommensalen Schutz, darunter Kardinalfische (Apogonidae), Partnergarnelen und Jungtiere verschiedener Riffarten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Diadem-Seeigel sind getrenntgeschlechtlich, ein äußerer Geschlechtsdimorphismus fehlt. Die Fortpflanzung erfolgt durch synchrones Ablaichen ins freie Wasser – ein bei Seeigeln verbreitetes Verfahren, das als Broadcast-Spawning bezeichnet wird. Auslöser für das Laichgeschehen sind vermutlich Mondphasen, Wassertemperaturschwankungen und chemische Signalstoffe, die von laichenden Artgenossen freigesetzt werden.