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Hydra

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Tierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hydra (Gattung)
  • Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
  • Klasse: Hydrozoa (Hydrozoen)
  • Ordnung: Anthoathecata
  • Familie: Hydridae
  • Lebensraum: Süßgewässer – stehende und langsam fließende Gewässer weltweit
  • Größe: 1–30 mm (je nach Art und Kontraktionszustand)
  • Gewicht: vernachlässigbar gering (wenige Mikrogramm)
  • Lebenserwartung: theoretisch unbegrenzt (biologische Unsterblichkeit durch permanente Zellerneuerung)

Aussehen & Merkmale

Der Süßwasserpolyp Hydra besitzt einen schlauchförmigen Körper mit radialer Symmetrie. Am oberen Ende sitzt eine kegelförmige Mundöffnung, die von einem Kranz aus vier bis zwölf Tentakeln umgeben ist. Das untere Ende bildet eine Fußscheibe, mit der sich das Tier am Substrat festheftet. Die Körperwand besteht – wie bei allen Nesseltieren – aus zwei Zellschichten: dem äußeren Ektoderm (Epidermis) und dem inneren Entoderm (Gastrodermis), getrennt durch eine dünne, gallertartige Stützschicht, die Mesogloea.

In den Tentakeln und der Körperoberfläche sitzen zahlreiche Nesselzellen (Cnidozyten), die bei Berührung schlagartig Nesselkapseln (Nematozysten) ausstoßen. Diese sind mit einem aufrollbaren Schlauch ausgestattet, der Gift injiziert oder als Fangleine dient. Die Nesselzellen gehören zu den schnellsten bekannten Zellmechanismen im Tierreich – die Entladung erfolgt in weniger als drei Millisekunden.

Die bekanntesten mitteleuropäischen Arten sind die Grüne Hydra (Hydra viridissima), die durch eingelagerte Symbiose-Algen (Zoochlorellen) grünlich gefärbt ist, sowie die Gemeine Hydra (Hydra vulgaris) und die Braune Hydra (Hydra oligactis), die beide bräunlich bis gelblich erscheinen.

Lebensraum & Verbreitung

Hydren bewohnen ausschließlich Süßgewässer und kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst stehende und langsam fließende Gewässer: Teiche, Seen, Gräben, Weiher und ruhige Bachabschnitte. Als bevorzugtes Habitat dienen die Unterseiten von Schwimmpflanzen, Steine, Totholz und Wasserpflanzen in der Uferzone (Litoral). Die Tiere benötigen sauerstoffreiches, sauberes Wasser und gelten deshalb als Indikatoren für gute Wasserqualität. Verschmutzte oder stark eutrophierte Biotope werden gemieden.

Da Hydren sehr klein und unauffällig sind, wird ihre tatsächliche Verbreitung vermutlich unterschätzt. In gemäßigten Breiten sind sie ganzjährig anzutreffen, wobei die Populationsdichten im Frühjahr und Sommer deutlich höher liegen als im Winter.

Ernährung

Hydren sind Räuber. Sie ernähren sich überwiegend von kleinen Krebstieren wie Wasserflöhen (Daphnien), Hüpferlingen (Copepoden) und Muschelkrebsen (Ostracoden), aber auch von Mückenlarven und anderen wirbellosen Kleintieren. Die Beute wird mit den Tentakeln gefangen und durch die Nesselzellen gelähmt. Anschließend wird sie zur Mundöffnung geführt und in den Gastralraum (Hohlraum des Körpers) befördert, wo die extrazelluläre Verdauung durch Enzyme stattfindet. Unverdauliche Reste werden über dieselbe Mundöffnung wieder ausgestoßen, da Hydren keinen separaten After besitzen.

Bei Hydra viridissima tragen die symbiotischen Grünalgen im Entoderm zusätzlich zur Ernährung bei, indem sie Photosynthese betreiben und organische Verbindungen an den Wirt abgeben. Diese Art kann daher auch bei reduziertem Nahrungsangebot überleben.

Verhalten & Lebensweise

Hydren leben solitär und bilden keine Kolonien – eine Ausnahme unter den Hydrozoen, die sonst häufig koloniale Lebensformen zeigen. Die Tiere sind sessil, können sich jedoch langsam fortbewegen: Durch eine Art Purzelbaumbewegung, bei der sie sich abwechselnd mit Fußscheibe und Tentakelkranz am Untergrund festhalten und den Körper überschlagen, legen sie kurze Strecken zurück. Auch ein Gleiten auf der Fußscheibe ist möglich.

Hydren reagieren auf Lichtreize: Einige Arten zeigen positive Phototaxis und bewegen sich in Richtung Lichtquellen, was ihnen hilft, beutereichere Gewässerzonen aufzusuchen. Bei mechanischen Reizen oder Störungen kontrahieren sie den gesamten Körper zu einer kompakten Kugel – ein einfacher Schutzreflex, der ohne zentrales Nervensystem über ein diffuses Nervennetz gesteuert wird.

Fortpflanzung & Aufzucht

Hydren vermehren sich sowohl ungeschlechtlich als auch geschlechtlich. Die häufigste Form ist die Knospung: Am Körperstamm bildet sich eine Ausstülpung, die zu einem vollständigen kleinen Polypen heranwächst und sich nach wenigen Tagen vom Muttertier ablöst. Unter günstigen Bedingungen kann eine Hydra alle zwei bis drei Tage eine Knospe hervorbringen, was zu einer raschen Populationszunahme führt.

Geschlechtliche Fortpflanzung tritt vor allem unter ungünstigen Umweltbedingungen auf – etwa bei sinkenden Temperaturen im Herbst oder bei Nahrungsmangel. Die meisten Arten sind getrenntgeschlechtlich, einige jedoch zwittrig. An der Körperwand entstehen Gonaden: Hoden (Spermienhügel) im oberen und Eierstöcke (Ovarien) im unteren Bereich des Körperstamms. Nach der Befruchtung bildet sich ein hartschaliges Dauerstadium, das widrige Bedingungen wie Austrocknung und Frost überstehen kann. Aus diesen Dauereiern schlüpfen bei günstigen Bedingungen neue Polypen.