Haarstern
HTierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Comatulida (Ordnung); zahlreiche Familien und Gattungen
- Stamm: Stachelhäuter (Echinodermata)
- Klasse: Seelilien und Haarsterne (Crinoidea)
- Ordnung: Comatulida
- Familien: u. a. Comasteridae, Antedonidae, Tropiometridae
- Lebensraum: Meeresgrund tropischer, subtropischer und gemäßigter Ozeane; Korallenriffe, Felsküsten, Weichböden
- Größe: Armdurchmesser je nach Art 10–60 cm, einzelne Arten bis über 70 cm
- Gewicht: wenige Gramm bis etwa 100 g
- Lebenserwartung: geschätzt 5–15 Jahre, bei einigen Arten vermutlich deutlich länger
Aussehen & Merkmale
Haarsterne gehören zur Klasse der Crinoiden und zählen damit zu den Stachelhäutern. Ihr Körperbau weicht stark von dem der bekannteren Seesterne oder Seeigel ab. Der Zentralkörper – die sogenannte Calyx – ist vergleichsweise klein und scheibenförmig. Von ihr gehen fünf Hauptarme aus, die sich bei den meisten Arten ein- oder mehrfach gabeln, sodass ein einzelnes Tier zehn, zwanzig oder sogar bis zu zweihundert federartig verzweigte Arme tragen kann. Diese Arme sind mit kurzen Seitenästen, den Pinnulae, besetzt, die dem Tier sein charakteristisches haariges oder federartiges Erscheinungsbild verleihen – daher der deutsche Name Haarstern, im Englischen oft als „feather star" bezeichnet.
An der Unterseite der Calyx befinden sich kurze, klauenförmige Anhänge, die Cirren. Mit ihnen klammert sich der Haarstern an Hartsubstrate wie Korallenstöcke, Felsen oder Schwämme. Im Gegensatz zu den festsitzenden Seelilien (Isocrinida), mit denen sie eng verwandt sind, besitzen Haarsterne keinen dauerhaften Stiel und sind daher frei beweglich.
Die Farbvielfalt ist enorm: Es gibt Arten in leuchtendem Gelb, Rot, Orange, tiefem Schwarz, gestreift oder mehrfarbig. Diese Farben dienen teils der Tarnung, teils möglicherweise als Warnsignal gegenüber Fressfeinden, da Haarsterne in Haut und Pinnulae chemische Abwehrstoffe einlagern können.
Lebensraum & Verbreitung
Haarsterne kommen in allen Weltmeeren vor, ihr Verbreitungsgebiet reicht von den flachen Lagunen tropischer Korallenriffe bis in die Tiefsee. Die größte Artenvielfalt findet sich im Indopazifik, insbesondere im Korallendreieck zwischen Indonesien, den Philippinen und Papua-Neuguinea. In gemäßigten Breiten leben deutlich weniger Arten; im Mittelmeer ist etwa der Rote Haarstern (Antedon mediterranea) heimisch, in der Nordsee der Nördliche Haarstern (Antedon bifida).
Das bevorzugte Habitat sind strömungsreiche Bereiche, in denen ausreichend Plankton vorbeischwimmt. Typische Biotope umfassen Korallenriffe, Felskanten, Steilwände und Gorgonienwälder. Manche Arten besiedeln auch Weichböden in größeren Tiefen. Die Tiefenverbreitung reicht von wenigen Metern unter der Wasseroberfläche bis zu mehreren Tausend Metern.
Ernährung
Haarsterne sind passive Filtrierer. Sie breiten ihre Arme fächerartig in die Strömung aus und fangen mit den klebrigen Ambulakralfüßchen auf den Pinnulae Plankton, Detritus und feine organische Partikel ab. Die aufgefangene Nahrung wird über bewimperte Rinnen entlang der Arme zum zentralen Mund auf der Oberseite der Calyx transportiert. Die Nahrungsaufnahme erfolgt kontinuierlich, solange ausreichend Strömung vorhanden ist. Viele Arten richten ihre Arme aktiv nach der vorherrschenden Strömungsrichtung aus, um die Filtrierfläche zu maximieren.
Verhalten & Lebensweise
Obwohl Haarsterne häufig als sessil wahrgenommen werden, sind sie durchaus mobil. Sie können sich durch koordiniertes Schlagen ihrer Arme schwimmend fortbewegen – ein Anblick, der an einen eleganten Unterwasser-Schmetterling erinnert. Diese Schwimmbewegung nutzen sie, um Fressfeinden zu entkommen oder einen günstigeren Standort mit besserer Strömung aufzusuchen. Am Boden bewegen sie sich kriechend mithilfe der Cirren fort.
Viele Arten sind vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten und Nischen im Riff, die Arme eng an den Körper gelegt. Mit Einbruch der Dunkelheit klettern sie auf exponierte Positionen – auf Gorgonien, Schwämme oder Riffkanten – und entfalten ihre Arme zur Nahrungsaufnahme. In strömungsreichen Gebieten sind einzelne Arten allerdings auch tagaktiv.
Haarsterne bilden keine sozialen Verbände, können aber in hoher Dichte vorkommen, wenn die Lebensbedingungen günstig sind. Zwischen den Armen vieler Haarsterne leben kommensale Organismen wie kleine Garnelen, Schlangensterne und Schnecken, die von den Nahrungsresten profitieren und sich durch ihre Farbe an den Wirt anpassen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Haarsterne sind in der Regel getrenntgeschlechtlich, ein äußerer Geschlechtsdimorphismus fehlt jedoch. Die Geschlechtsprodukte – Eizellen und Spermien – reifen in den Pinnulae heran. Die Fortpflanzung erfolgt durch synchrones Ausstoßen der Gameten ins freie Wasser, wo die Befruchtung stattfindet. Bei einigen Arten werden die befruchteten Eier an den Pinnulae geheftet und dort bis zum Larvenstadium bewacht.
Aus dem befruchteten Ei entwickelt sich eine planktonische Larve, die Vitellaria genannt wird. Diese Larve ist frei schwimmend und setzt sich nach einigen Tagen am Meeresboden fest, wo sie zunächst ein gestieltes Jugendstadium durchläuft – die sogenannte Pentacrinoid-Larve. Dieses Stadium ähnelt einer kleinen