Koralle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anthozoa (Klasse der Blumentiere)
- Stamm: Cnidaria (Nesseltiere)
- Klasse: Anthozoa
- Wichtige Ordnungen: Scleractinia (Steinkorallen), Alcyonacea (Weichkorallen), Antipatharia (Schwarze Korallen)
- Lebensraum: Überwiegend marine Habitate, vorwiegend tropische und subtropische Meere; einige Arten in der Tiefsee und in gemäßigten Gewässern
- Größe: Einzelpolypen wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter; Kolonien von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern Durchmesser
- Gewicht: Stark variierend je nach Koloniegröße; massive Steinkorallenstöcke können mehrere Hundert Kilogramm erreichen
- Lebenserwartung: Einzelpolypen wenige Jahre bis Jahrzehnte; Korallenkolonien mehrere Hundert bis über 4.000 Jahre (z. B. Tiefwasserkorallen der Gattung Gerardia)
Aussehen & Merkmale
Korallen sind keine Einzeltiere im klassischen Sinn, sondern koloniebildende Nesseltiere, die aus zahlreichen genetisch identischen Polypen bestehen. Ein einzelner Korallenpolyp besitzt einen einfachen, sackförmigen Körperbau mit einer zentralen Mundöffnung, die von einem Kranz aus Tentakeln umgeben ist. Diese Tentakel tragen Nesselzellen (Cnidozyten), die dem Beutefang und der Verteidigung dienen.
Bei Steinkorallen (Ordnung Scleractinia) scheidet jeder Polyp ein Kalkskelett aus Aragonit aus, das als Corallum bezeichnet wird. Durch die fortlaufende Kalkproduktion über Generationen entstehen massive, dreidimensionale Strukturen – die eigentlichen Korallenriffe. Weichkorallen (Ordnung Alcyonacea) besitzen kein durchgehendes Hartskelett, sondern stützen ihren Körper durch eingelagerte Kalknadeln, sogenannte Sklerite. Hornkorallen, darunter die Gorgonien, bilden ein flexibles Achsenskelett aus dem Protein Gorgonin.
Die Farbgebung von Korallen ist außerordentlich vielfältig und reicht von Braun- und Grüntönen bis hin zu kräftigem Gelb, Rosa, Violett und Blau. Für die Färbung sind einerseits Pigmente des Tiergewebes verantwortlich, andererseits die in den Zellen lebenden symbiotischen Algen (Zooxanthellen), die den Korallen ihre typischen warmen Farbtöne verleihen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet riffbildender Steinkorallen konzentriert sich auf den tropischen Gürtel zwischen dem 30. nördlichen und 30. südlichen Breitengrad. Sie benötigen Wassertemperaturen zwischen 23 und 29 °C, klares, nährstoffarmes (oligotrophes) Wasser sowie ausreichend Lichteinfall, da ihre Zooxanthellen auf Photosynthese angewiesen sind. Die größten Korallenriff-Systeme finden sich im Indopazifik – allen voran das Great Barrier Reef vor der australischen Küste – sowie in der Karibik und im Roten Meer.
Neben tropischen Flachwasserriffen existieren auch Kaltwasserkorallen, etwa der Gattung Lophelia, die in Tiefen von 200 bis über 1.000 Metern vorkommen. Diese Korallen leben ohne Zooxanthellen und bilden in den lichtlosen Zonen der Ozeane ausgedehnte Riffstrukturen. Ihr Biotop erstreckt sich von den skandinavischen Fjorden über den Nordostatlantik bis in den Golf von Mexiko.
Ernährung
Korallen nutzen zwei Hauptstrategien der Nahrungsaufnahme. Tropische riffbildende Arten decken bis zu 90 % ihres Energiebedarfs durch die Photosynthese ihrer endosymbiotischen Zooxanthellen (Dinoflagellaten der Gattung Symbiodinium). Die Algen liefern dabei Zucker, Aminosäuren und Fettsäuren direkt an den Wirt.
Daneben betreiben alle Korallenpolypen heterotrophe Ernährung: Sie fangen mit ihren Tentakeln Zooplankton, Bakterien und gelöste organische Partikel aus dem Wasser. Die Nesselzellen lähmen die Beute, die anschließend zur Mundöffnung transportiert und im Gastralraum verdaut wird. Viele Arten sind vorwiegend nachtaktiv und strecken ihre Tentakel erst nach Einbruch der Dunkelheit vollständig aus, wenn das Zooplankton aus tieferen Wasserschichten aufsteigt.
Verhalten & Lebensweise
Als sessile Organismen sind Korallen nach der Larvensiedlung ortsfest. Innerhalb einer Kolonie können Polypen jedoch durch spezialisierte Gewebebrücken (Coenosarc) Nährstoffe und Signalstoffe austauschen. Dies ermöglicht eine koordinierte Reaktion auf Umweltreize.
Zwischen benachbarten Kolonien verschiedener Arten kommt es regelmäßig zu Konkurrenz um Siedlungsraum. Einige Arten setzen sogenannte Sweeper-Tentakel ein – verlängerte, stark mit Nesselzellen besetzte Tentakel – um Nachbarkolonien gezielt abzutöten. Andere Arten scheiden toxische Schleimstoffe aus oder überwachsen konkurrierende Kolonien.
Korallen gehen vielfältige Symbiosen ein, nicht nur mit Zooxanthellen. Zahlreiche Fischarten, Krebstiere und Würmer leben in und auf Korallenkolonien. Diese Riffgemeinschaften zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde.
Fortpflanzung & Aufzucht
Korallen pflanzen sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich fort. Die ungeschlechtliche Vermehrung erfolgt durch Knospung: Ein bestehender Polyp teilt sich und erzeugt genetisch identische Tochterpolypen, wodurch die Kolonie wächst. Auch Fragmentierung – das Abbrechen und Neuanwachsen von Koloniestücken – dient der Ausbreitung.
Die geschlechtliche Fortpflanzung findet bei vielen Steinkorallenarten in Form synchroner Massenlaichereignisse statt. In bestimmten Nächten des Jahres, oft wenige Tage nach Vollmond, geben Millionen von Kolonien gleichzeitig