Lederkoralle
LTierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sarcophyton spp. (häufigste Gattung), daneben auch Sinularia, Lobophytum, Alcyonium u. a.
- Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
- Klasse: Blumentiere (Anthozoa)
- Unterklasse: Achtstrahlige Blumentiere (Octocorallia)
- Ordnung: Alcyonacea (Weichkorallen)
- Familie: Alcyoniidae
- Lebensraum: Tropische und subtropische Korallenriffe, Flachwasserzonen bis etwa 40 m Tiefe
- Größe: Kolonien von wenigen Zentimetern bis über 1 m Durchmesser
- Gewicht: Stark variabel; große Kolonien können mehrere Kilogramm erreichen
- Lebenserwartung: Mehrere Jahrzehnte, unter günstigen Bedingungen vermutlich über 50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Lederkorallen verdanken ihren deutschen Trivialnamen der lederartigen, zähen Oberfläche ihres Gewebes. Im Unterschied zu Steinkorallen (Scleractinia) bilden sie kein massives Kalkskelett aus. Stattdessen wird der Körper durch im Gewebe eingelagerte Kalknadeln – sogenannte Sklerite – gestützt. Diese winzigen Strukturen verleihen der Kolonie Festigkeit, ohne sie starr werden zu lassen. Die Form der Sklerite ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal auf Gattungs- und Artebene.
Die Wuchsform variiert je nach Gattung erheblich. Sarcophyton-Arten bilden typischerweise pilzförmige Kolonien mit einem kräftigen Stiel und einer breiten, gewellten Kappe, auf deren Oberfläche dicht an dicht die Polypen sitzen. Sinularia-Kolonien wachsen dagegen eher fingerförmig oder lappig verzweigt, während Lobophytum häufig flache, gelappte Krusten bildet. Die Farbpalette reicht von Cremegelb über Braun und Grau bis hin zu kräftigem Grün – die Grünfärbung geht oft auf symbiotische Algen zurück.
Jeder einzelne Polyp besitzt acht gefiederte Tentakel, ein Merkmal, das alle Octocorallia verbindet und sie von den sechsstrahligen Steinkorallen unterscheidet. Die Polypen können bei Störung vollständig in das Gewebe zurückgezogen werden, wodurch die Oberfläche der Kolonie zeitweise glatt und polypenlos erscheint.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Lederkorallen erstreckt sich über den gesamten tropischen Indopazifik – vom Roten Meer über den Indischen Ozean bis zu den Riffen Südostasiens, Australiens und der westpazifischen Inselwelt. Einige Gattungen wie Alcyonium besiedeln darüber hinaus auch gemäßigte Gewässer, etwa das Mittelmeer und den Nordostatlantik, und kommen dort in tieferen Zonen oder an strömungsreichen Felsriffen vor.
Innerhalb eines Korallenriffs bevorzugen Lederkorallen gut durchströmte Bereiche im Flachwasser, häufig an Riffkanten oder in Lagunen. Sie tolerieren dabei ein breiteres Spektrum an Lichtverhältnissen und Wasserströmungen als viele Steinkorallen. Das Habitat muss jedoch stabile Temperaturen zwischen 23 und 28 °C sowie eine Salinität im Bereich von etwa 34–36 ‰ aufweisen. In manchen Biotopen dominieren Lederkorallen die Riffgemeinschaft und verdrängen Steinkorallen, insbesondere auf gestörten oder nährstoffreicheren Riffflächen.
Ernährung
Lederkorallen nutzen zwei Ernährungswege. Zum einen leben in ihrem Gewebe einzellige Algen der Gattung Symbiodinium (Zooxanthellen), die über Photosynthese organische Verbindungen produzieren und an den Wirt abgeben. Dieser autotrophe Anteil deckt bei guter Beleuchtung den Großteil des Energiebedarfs. Zum anderen fangen die Polypen mit ihren Tentakeln Plankton und gelöste organische Partikel aus dem umgebenden Wasser – ein heterotropher Ernährungsweg, der vor allem bei geringer Lichteinstrahlung oder in nährstoffreichen Strömungen an Bedeutung gewinnt. Das Zusammenspiel beider Strategien macht Lederkorallen zu ausgesprochen anpassungsfähigen Organismen.
Verhalten & Lebensweise
Als sessile Koloniebildner zeigen Lederkorallen kein Ortsbewegungsverhalten im eigentlichen Sinne. Dennoch verfügen sie über ein bemerkenswertes Repertoire an Reaktionen. Bei Berührung, starker Strömung oder Fressfeindkontakt ziehen sie ihre Polypen rasch ein. In regelmäßigen Abständen – oft alle paar Wochen – stößt die Kolonie eine dünne Schleimschicht von ihrer Oberfläche ab, um Aufwuchs durch Algen und Sediment zu entfernen. Während dieser Häutungsphase bleiben die Polypen über mehrere Tage eingezogen.
Im Wettbewerb um Riffsubstrat setzen Lederkorallen chemische Kampfstoffe ein: Sie produzieren Terpenoide und andere sekundäre Metaboliten, die ins Wasser abgegeben werden und das Wachstum benachbarter Steinkorallen hemmen können. Dieses als Allelopathie bezeichnete Phänomen verschafft ihnen einen Konkurrenzvorteil, besonders wenn Umweltstress die Steinkorallen bereits schwächt. Der Polypenrhythmus vieler Arten folgt einem Tag-Nacht-Muster: Tagsüber sind die Polypen häufig teilweise ausgefahren, um Licht an die Zooxanthellen zu lassen, während sie nachts verstärkt dem Partikelfang dienen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Lederkorallen vermehren sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich. Bei der sexuellen Fortpflanzung entlassen die Kolonien Eizellen und Spermien ins freie Wasser, wo die Befruchtung stattfindet (Broadcast Spawning). Die Abgabe erfolgt oft synchron mit Mondphasen und Wassertemperaturschwankungen. Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich eine bewimperte Planula-Larve, die einige Tage im Plankton treibt, bevor sie sich