Europäische Sumpfschildkröte
ETierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Emys orbicularis
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
- Gattung: Emys
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer mit dichter Ufervegetation
- Größe: Carapaxlänge 12–20 cm, selten bis 23 cm
- Gewicht: 400–700 g, maximal etwa 1,5 kg
- Lebenserwartung: 40–60 Jahre, in Einzelfällen über 100 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Europäische Sumpfschildkröte ist eine mittelgroße Süßwasserschildkröte mit einem ovalen, leicht abgeflachten Rückenpanzer (Carapax). Die Grundfärbung des Carapax variiert von dunkelbraun über olivgrün bis nahezu schwarz, durchsetzt mit einem Muster aus feinen gelben Punkten oder strahlenförmigen Linien. Dieses Muster ist individuell verschieden und dient in Forschungsprojekten zur Identifikation einzelner Tiere.
Der Bauchpanzer (Plastron) ist gelblich bis bräunlich gefärbt und weist häufig dunkle Flecken auf. Er ist über eine flexible Knochenbrücke mit dem Carapax verbunden. Die Hornschilde (Scuta) beider Panzerteile zeigen konzentrische Wachstumsringe, anhand derer sich das Alter grob abschätzen lässt – allerdings mit zunehmender Abnutzung ungenauer.
Kopf, Hals und Gliedmaßen sind dunkel gefärbt und mit gelben Flecken oder Streifen versehen. Die Haut ist mit kleinen Schuppen bedeckt. Die Füße tragen kräftige Krallen und sind mit Schwimmhäuten ausgestattet, die eine effiziente Fortbewegung im Wasser ermöglichen. Der Schwanz ist bei Jungtieren relativ lang und kann bei adulten Tieren bis zu einem Drittel der Panzerlänge erreichen. Männchen lassen sich von Weibchen durch einen leicht konkaven Bauchpanzer, einen längeren und dickeren Schwanz sowie meist geringere Körpergröße unterscheiden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Europäischen Sumpfschildkröte erstreckt sich von Nordafrika über die Iberische Halbinsel und Südfrankreich durch weite Teile Mittel- und Osteuropas bis nach Zentralasien. In Europa kommt sie von Portugal bis zum Aralsee vor. Innerhalb dieses großen Areals werden zahlreiche Unterarten unterschieden, darunter Emys orbicularis orbicularis, E. o. hellenica und E. o. galloitalica.
In Deutschland gilt die Art als extrem selten. Autochthone Vorkommen existieren nur noch in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und vereinzelt in anderen Bundesländern. Viele mitteleuropäische Populationen sind erloschen oder gehen auf Wiederansiedlungsprojekte zurück.
Als Habitat bevorzugt Emys orbicularis stehende oder langsam fließende Gewässer mit schlammigem Grund und reichlich Unterwasservegetation. Typische Biotope sind Altarme, Teiche, Weiher, Sumpfgebiete und Auen. Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Sonnenplätze – etwa Totholz, Steine oder Uferböschungen – sowie trockener, besonnter Flächen zur Eiablage in unmittelbarer Gewässernähe.
Ernährung
Die Europäische Sumpfschildkröte ist überwiegend carnivor, nimmt aber auch pflanzliche Kost zu sich und wird daher als omnivor eingestuft. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Wasserinsekten und deren Larven, Schnecken, Würmern, kleinen Fischen, Amphibienlarven und Krebstieren. Gelegentlich werden auch Aas und pflanzliche Bestandteile wie Wasserpflanzen und Algen gefressen.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt ausschließlich im Wasser. Die Schildkröte erbeutet ihre Nahrung durch langsames Heranpirschen oder lauert am Gewässergrund auf vorbeiziehende Beutetiere. Mit einem schnellen Vorstoß des Kopfes wird die Beute erfasst und durch den entstehenden Unterdruck eingesogen. Größere Beutestücke werden mit den Vorderkrallen zerkleinert.
Verhalten & Lebensweise
Die Europäische Sumpfschildkröte ist tagaktiv mit Aktivitätsschwerpunkten in den Morgen- und späten Nachmittagsstunden. Ein wesentlicher Teil des Tagesablaufs besteht aus dem Sonnenbaden, dem sogenannten Basking. Dieses Verhalten dient der Thermoregulation, da Schildkröten als ectotherme (wechselwarme) Tiere ihre Körpertemperatur nicht selbst erzeugen können. Auf Sonnenplätzen lassen sich oft mehrere Individuen gleichzeitig beobachten, wobei kein ausgeprägtes Sozialverhalten vorliegt – die Tiere leben einzelgängerisch.
Die Art ist sehr scheu und flüchtet bei der geringsten Störung ins Wasser, wo sie sich im Schlamm oder zwischen Pflanzen verbirgt. Im Herbst, wenn die Wassertemperaturen dauerhaft unter 10 °C sinken, zieht sich Emys orbicularis zur Winterruhe zurück. Die Tiere graben sich in den Gewässergrund ein oder überwintern in Erdlöchern an Land. Die Winterstarre dauert je nach Region von Oktober bis März oder April.
Die Reviergrößen variieren stark. Einzelne Individuen nutzen ein Areal von wenigen hundert Metern Uferlänge, unternehmen aber gelegentlich Wanderungen von mehreren Kilometern – insbesondere Weibchen auf der Suche nach geeigneten Eiablageplätzen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe, meist im April oder Mai. Die Balz findet im Wasser statt: Das Männchen nähert sich dem Weibchen, umkreist es und beißt es leicht in Kopf, Hals und Gliedmaßen. Die Kopulation erfolgt ebenfalls im Wasser, wobei das Männchen auf den Rückenpanzer des Weibchens klettert und sich mit den Krallen