Gelbwangen-Schmuckschildkröte
GTierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Trachemys scripta scripta
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
- Gattung: Schmuckschildkröten (Trachemys)
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer im Südosten der USA
- Größe: Carapaxlänge 20–30 cm (Weibchen größer als Männchen)
- Gewicht: 1–3 kg, ausgewachsene Weibchen bis etwa 4 kg
- Lebenserwartung: 25–40 Jahre, in Gefangenschaft vereinzelt über 40 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte ist eine mittelgroße Wasserschildkröte mit einem ovalen, leicht gewölbten Rückenpanzer (Carapax). Dessen Grundfärbung reicht von olivgrün bis dunkelbraun und zeigt auf jedem Hornschild (Scutum) gelbliche Streifen und Linien, die bei Jungtieren besonders kontrastreich ausgeprägt sind und mit zunehmendem Alter verblassen können. Der Bauchpanzer (Plastron) ist überwiegend gelb und weist auf den vorderen Schildern runde, dunkle Flecken auf – ein verlässliches Bestimmungsmerkmal gegenüber anderen Unterarten.
Das namensgebende Merkmal ist ein breiter, leuchtend gelber Fleck hinter jedem Auge, der sich deutlich von den übrigen gelben Kopfstreifen abhebt. Kopf, Hals und Gliedmaßen sind dunkelgrün bis schwärzlich und von feinen gelben Längsstreifen durchzogen. Die Haut zwischen den Zehen ist mit gut ausgebildeten Schwimmhäuten versehen. Die Schuppen an den Vorder- und Hinterbeinen sind kräftig und dienen dem Schutz der Extremitäten.
Ein Geschlechtsdimorphismus zeigt sich ab der Geschlechtsreife: Männchen bleiben kleiner, besitzen deutlich verlängerte Krallen an den Vorderbeinen und einen längeren, dickeren Schwanz mit weiter distal gelegener Kloakenöffnung. Weibchen erreichen insgesamt eine größere Panzerlänge und ein höheres Körpergewicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gelbwangen-Schmuckschildkröte erstreckt sich über den Südosten der Vereinigten Staaten, von Virginia südwärts durch die Carolinas und Georgia bis nach Florida und westwärts bis nach Alabama und Mississippi. Als Habitat bevorzugt sie stehende oder langsam fließende Süßgewässer – Seen, Teiche, Sumpfgebiete, Altarme und ruhige Flussabschnitte mit schlammigem Grund und dichter Ufervegetation. Entscheidend für die Biotopwahl sind ein ausreichendes Angebot an Sonnenplätzen wie Baumstämme, Steine oder Uferböschungen sowie eine üppige Unterwasserflora.
Durch den internationalen Heimtierhandel wurde die Gelbwangen-Schmuckschildkröte in zahlreiche Regionen außerhalb ihres ursprünglichen Areals verbracht. Verwilderte Populationen existieren mittlerweile in Teilen Europas, Asiens und Südamerikas. In einigen europäischen Ländern, darunter Spanien, Frankreich und Italien, hat sich die Art in geeigneten Gewässern etabliert und gilt dort als invasive Art (Neozoon), die einheimische Schildkrötenarten – insbesondere die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) – durch Konkurrenz um Nahrung und Sonnenplätze verdrängen kann.
Ernährung
Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte ist omnivor, wobei sich das Nahrungsspektrum im Laufe des Lebens verschiebt. Jungtiere ernähren sich überwiegend carnivor und nehmen Wasserinsekten, Insektenlarven, kleine Krebstiere, Schnecken, Kaulquappen und gelegentlich kleine Fische zu sich. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil pflanzlicher Kost: Erwachsene Tiere fressen in erheblichem Umfang Wasserpflanzen, Algen und ins Wasser gefallene Früchte. Dieses ontogenetische Wechseln der Ernährungsweise ist typisch für viele Arten der Gattung Trachemys und verringert die innerartliche Nahrungskonkurrenz zwischen Jung- und Alttieren.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt ausschließlich im Wasser, da die Tiere zum Schlucken auf das umgebende Medium angewiesen sind. Wie alle Schildkröten besitzt die Art keine Zähne, sondern scharfkantige Hornleisten am Ober- und Unterkiefer, mit denen sie Nahrung abreißt und zerkleinert.
Verhalten & Lebensweise
Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte ist tagaktiv und verbringt einen großen Teil des Tages mit Sonnenbaden (Basking). Dieses Verhalten dient der Thermoregulation, der Vitamin-D-Synthese und der Kontrolle von Ektoparasiten und Algenbewuchs auf dem Panzer. Die Tiere nutzen dabei bevorzugt exponierte Stellen wie aus dem Wasser ragende Baumstämme, auf denen sich oft mehrere Individuen gleichzeitig aufhalten. Bei Störung flüchten sie schnell ins Wasser.
Ein Revierverhalten im eigentlichen Sinne ist nicht ausgeprägt. Die Art lebt nicht in festen Sozialverbänden, zeigt jedoch an günstigen Sonnenplätzen eine gewisse Rangordnung – größere Tiere beanspruchen die besten Plätze. In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebiets hält die Gelbwangen-Schmuckschildkröte eine Winterruhe am Gewässergrund, eingegraben im Schlamm. Während dieser Phase sinkt die Stoffwechselrate stark ab, und die Tiere nehmen Sauerstoff teilweise über die Haut und die Kloakenschleimhaut auf.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Frühjahrs- und Herbstmonate. Die Balz der Männchen ist charakteristisch: Sie schwimmen rückwärts vor dem Weibchen her und vibrieren dabei mit den verlängerten Vorderkrallen dicht vor dessen Gesicht. Dieses als „Krallenzittern" bezeichnete Werbeverhalten ist typisch für die gesamte Gattung Trachemys. Ze