Matamata
MTierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chelus fimbriata (sowie Chelus orinocensis)
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Unterordnung: Halswender-Schildkröten (Pleurodira)
- Familie: Schlangenhalsschildkröten (Chelidae)
- Gattung: Chelus
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer Südamerikas
- Größe: Carapaxlänge bis 45 cm, in Ausnahmefällen bis 53 cm
- Gewicht: 10–15 kg
- Lebenserwartung: 40–75 Jahre (in Gefangenschaft bis über 30 Jahre dokumentiert, in freier Wildbahn vermutlich deutlich länger)
Aussehen & Merkmale
Die Matamata gehört zu den ungewöhnlichsten Schildkrötenarten weltweit. Ihr gesamter Körperbau ist auf Tarnung im Gewässergrund ausgerichtet. Der stark abgeflachte, dreieckige Kopf trägt zahlreiche lappen- und fransenartige Hautanhänge, die an Algen oder zerfallende Pflanzenreste erinnern. Die Schnauze ist zu einem langen, rüsselartigen Fortsatz ausgezogen, an dessen Spitze die Nasenlöcher sitzen – eine Anpassung, die es dem Tier erlaubt, knapp unter der Wasseroberfläche zu atmen, ohne den Körper bewegen zu müssen.
Der Carapax (Rückenpanzer) ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt und weist drei markante Längskiele auf, deren einzelne Schildplatten (Scuta) kegelförmig erhöht sind. Diese raue, unregelmäßige Oberfläche verstärkt die Ähnlichkeit mit einem Stück Borke oder einem flachen Stein. Der Plastron (Bauchpanzer) ist vergleichsweise schmal und hell gefärbt. Die Haut an Hals und Gliedmaßen ist graubraun und ebenfalls mit zahlreichen Hautlappen und Fransen besetzt. Die Augen sind klein und seitlich am Kopf positioniert.
Die Matamata besitzt einen extrem langen, breiten Hals, den sie seitlich unter den Panzer falten kann – ein typisches Merkmal der Pleurodira. Anders als viele andere Schildkröten hat sie einen sehr schwachen Kiefer; Kauen ist ihr nicht möglich, was mit ihrer spezialisierten Jagdmethode zusammenhängt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Matamata erstreckt sich über weite Teile des nördlichen und zentralen Südamerika. Chelus fimbriata besiedelt das Einzugsgebiet des Amazonas und seiner Zuflüsse in Brasilien, Peru, Ecuador, Kolumbien und den Guyanas. Die 2020 als eigenständige Art beschriebene Chelus orinocensis bewohnt das Orinoco-Becken in Venezuela und Kolumbien sowie Flusssysteme, die in die Karibik entwässern.
Als Habitat bevorzugt die Matamata flache, schlammige Gewässer mit geringer Strömung: Altarme, Überschwemmungswälder (Várzea und Igapó), Sumpfgebiete und stehende Tümpel. Klare, schnell fließende Flüsse werden gemieden. Der bevorzugte Untergrund besteht aus Schlamm, Fallaub und Detritus, in dem die Tiere nahezu unsichtbar verharren. Dieses Biotop bietet sowohl optimale Tarnung als auch ein reiches Nahrungsangebot.
Ernährung
Die Matamata ist ein reiner Lauerjäger und ernährt sich ausschließlich von Fischen. Ihre Jagdtechnik gehört zu den spezialisiertesten unter allen Schildkröten: Sie verharrt regungslos auf dem Gewässergrund und wartet, bis sich ein Beutefisch in Reichweite bewegt. Die Hautfransen an Kopf und Hals dienen dabei vermutlich als Sensororgane, die Wasserbewegungen registrieren, und möglicherweise auch als Lockmittel, da sie an Würmer oder Insektenlarven erinnern können.
Nähert sich ein Fisch, reißt die Matamata blitzschnell das Maul auf und erzeugt dabei einen starken Unterdruck. Zusammen mit einem gewaltigen Wasservolumen wird die Beute in die Mundhöhle gesaugt – ein Vorgang, der nur wenige Millisekunden dauert. Das überschüssige Wasser wird anschließend durch leichtes Schließen des Mauls wieder herausgepresst, der Fisch wird im Ganzen heruntergeschluckt. Diese sogenannte Saugschnapp-Technik macht kräftige Kiefer überflüssig.
In Gefangenschaft werden neben verschiedenen Süßwasserfischarten gelegentlich auch kleine Wirbellose als Futter angenommen, doch die natürliche Nahrung besteht fast ausschließlich aus Fischen.
Verhalten & Lebensweise
Die Matamata führt ein ausgesprochen sedentäres Leben. Sie verbringt den Großteil des Tages und der Nacht regungslos am Grund flacher Gewässer. Aktivitätsphasen lassen sich nicht eindeutig einer Tageszeit zuordnen; die Art gilt als überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, jagt aber opportunistisch auch tagsüber.
An Land bewegt sich die Matamata äußerst unbeholfen. Sie ist eine schlechte Schwimmerin und läuft stattdessen eher über den Gewässergrund. Zum Atmen streckt sie lediglich die Rüsselspitze über die Wasseroberfläche. Die Art ist einzelgängerisch und zeigt kein ausgeprägtes Territorialverhalten, obwohl in geeigneten Habitaten mehrere Individuen in räumlicher Nähe vorkommen können.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über das Fortpflanzungsverhalten in freier Wildbahn ist vergleichsweise wenig bekannt. In Gefangenschaft wurde beobachtet, dass die Balz des Männchens aus ruckartigen Kopfbewegungen und einem Strecken des Halses in Richtung des Weibchens besteht. Die Paarung findet im Wasser statt.
Das Weibchen legt einmal jährlich ein Gelege von 12 bis 28 hartschaligen, kugelrunden Eiern. Die Ablage erfolgt an Land, typischerweise in lockeren Boden oder Laubstreu in Ufernähe. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur etwa