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Geierschildkröte

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Tierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Macrochelys temminckii
  • Ordnung: Testudines (Schildkröten)
  • Familie: Chelydridae (Alligatorschildkröten)
  • Gattung: Macrochelys
  • Lebensraum: Süßgewässer im Südosten der USA
  • Größe: Carapaxlänge bis 80 cm, in Ausnahmefällen über 100 cm
  • Gewicht: 70–100 kg, Maximalgewichte über 130 kg dokumentiert
  • Lebenserwartung: 50–100 Jahre, in Gefangenschaft teils darüber hinaus

Aussehen & Merkmale

Die Geierschildkröte ist die größte Süßwasserschildkröte Nordamerikas und eine der schwersten weltweit. Ihr massiger Körperbau, der wuchtige Kopf und der lange, gezackte Schwanz verleihen ihr ein urtümliches Erscheinungsbild, das oft mit dem von Dinosauriern verglichen wird. Der Rückenpanzer (Carapax) trägt drei ausgeprägte Längskiele mit markanten, höckerartigen Erhebungen, die bei älteren Tieren stärker abgenutzt sein können. Die Farbe des Panzers variiert von dunkelbraun über olivgrün bis fast schwarz und ist häufig von Algenaufwuchs bedeckt, was der Tarnung im Gewässergrund dient.

Der Bauchpanzer (Plastron) ist auffallend klein und lässt große Teile der Weichteile unbedeckt – ein Merkmal, das die Geierschildkröte mit ihrer näheren Verwandten, der Schnappschildkröte (Chelydra serpentina), teilt. Die Haut ist graubraun und mit zahlreichen warzenartigen Tuberkeln besetzt. Am Kopf fallen die kräftigen, hakenförmig gebogenen Kiefer auf, die eine enorme Beißkraft entwickeln. Die Augen sind seitlich positioniert und von sternförmigen, fleischigen Hautfortsätzen umgeben, die das Profil des Kopfes optisch auflösen und so zur Tarnung beitragen.

Ein taxonomisch bedeutsames Merkmal ist der wurmförmige Zungenfortsatz, ein rötlicher Hautlappen auf der Zungenspitze, der aktiv bewegt werden kann und als Köder für Beutetiere dient (siehe Ernährung). Dieses Organ unterscheidet die Geierschildkröte deutlich von allen anderen Chelydridae.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Geierschildkröte erstreckt sich über den Südosten der Vereinigten Staaten. Der Schwerpunkt liegt im Einzugsgebiet des Mississippi und seiner Nebenflüsse sowie in den Flusssystemen, die in den Golf von Mexiko münden – von Nordwest-Florida über Alabama, Mississippi und Louisiana bis nach Ost-Texas. Isolierte Populationen existieren in Georgia, Kansas, Missouri und Illinois.

Als Habitat bevorzugt die Art tiefe, langsam fließende Flüsse, Altarme, Seen, Stauseen und Sumpfgebiete mit schlammigem Grund und reichlich Unterwasservegetation. Entscheidend ist das Vorhandensein von Strukturen wie versunkenen Baumstämmen, Wurzelgeflechten oder Felsvorsprüngen, die als Deckung dienen. Im Gegensatz zur Schnappschildkröte meidet die Geierschildkröte flache, stark durchströmte Gewässerabschnitte und hält sich bevorzugt in Wassertiefen von mehreren Metern auf. Landgänge sind selten und beschränken sich bei Weibchen auf die Eiablage.

Ernährung

Die Geierschildkröte ist ein opportunistischer Prädator mit einer überwiegend fleischbasierten Ernährung. Fische machen den größten Anteil der Nahrung aus, ergänzt durch Krebstiere, Muscheln, Schnecken, andere Schildkröten, Schlangen, Frösche, kleine Alligatoren und gelegentlich Wasservögel. Auch Aas wird regelmäßig aufgenommen. Bei Jungtieren und subadulten Exemplaren spielt pflanzliche Kost – darunter Eicheln, Nüsse und Wasserpflanzen – eine größere Rolle als bei ausgewachsenen Tieren.

Die Jagdstrategie der Geierschildkröte beruht auf einer hochspezialisierten Form der Lauerjagd. Das Tier liegt regungslos auf dem Gewässergrund, den Rachen weit geöffnet. Der wurmförmige Zungenfortsatz wird rhythmisch bewegt und imitiert dabei täuschend echt einen lebenden Wurm oder eine Insektenlarve. Nähert sich ein Fisch diesem vermeintlichen Köder, schnappt der Kiefer mit außerordentlicher Geschwindigkeit zu. Messungen haben Beißkräfte von über 650 Newton ergeben. Diese als aggressive Mimikry bezeichnete Jagdmethode erlaubt es der Geierschildkröte, bei minimalem Energieaufwand Beute zu machen.

Verhalten & Lebensweise

Geierschildkröten sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, verbringen aber auch tagsüber lange Perioden regungslos am Gewässergrund. Sie sind Einzelgänger ohne festes Revier im engeren Sinne, zeigen aber eine gewisse Standorttreue gegenüber bevorzugten Ruheplätzen. Die Tiere können erstaunlich lange unter Wasser verharren – bis zu 50 Minuten ohne aufzutauchen – und nutzen dabei auch eine gewisse kutane Gasaustauschfähigkeit über die gut durchbluteten Schleimhäute im Rachenraum.

An Land bewegen sich Geierschildkröten schwerfällig und langsam. Bei Bedrohung reagieren sie mit blitzschnellem Zuschnappen; anders als die Schnappschildkröte zeigen sie jedoch kaum aktives Angriffsverhalten und versuchen nicht, Angreifer zu verfolgen. In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebiets halten die Tiere eine Winterruhe am Gewässergrund, während Populationen in Florida und Louisiana ganzjährig aktiv sein können.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Geschlechtsreife erreichen Geierschildkröten erst mit etwa 11–13 Jahren. Die Paarung findet je nach Region zwischen Februar und Mai statt. Das Männchen besteigt das Weibchen im Wasser; eine eigentliche Balz mit ritualisierten Verhaltenssequenzen ist kaum ausgeprägt.

Etwa zwei Monate nach der Paarung sucht das Weibchen einen sandigen oder