T Tierlexikon.net
← Lexikon

Klappschildkröte

K

Tierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Kinosternon spp. (Gattung); bekannteste Art: Kinosternon subrubrum (Gewöhnliche Klappschildkröte)
  • Ordnung: Schildkröten (Testudines)
  • Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
  • Familie: Schlammschildkröten (Kinosternidae)
  • Gattung: Kinosternon
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer in Nord-, Mittel- und Südamerika
  • Größe: 8–18 cm Carapaxlänge (je nach Art)
  • Gewicht: 100–500 g
  • Lebenserwartung: 20–40 Jahre, in Gefangenschaft bis über 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Klappschildkröten sind kleine bis mittelgroße Süßwasserschildkröten mit einem hochgewölbten, ovalen Rückenpanzer (Carapax). Die Panzerfarbe variiert je nach Art von olivbraun über dunkelbraun bis nahezu schwarz, wobei die Oberfläche glatt oder leicht gekielt sein kann. Der Bauchpanzer (Plastron) ist das namensgebende Merkmal: Er besitzt an seinem vorderen und hinteren Abschnitt jeweils ein bewegliches Scharnier aus Bindegewebe, das es dem Tier ermöglicht, den Plastron teilweise gegen den Carapax zu klappen und so Kopf, Gliedmaßen und Schwanz weitgehend zu schützen. Dieser Verschlussmechanismus unterscheidet die Klappschildkröten deutlich von den eng verwandten Moschusschildkröten (Sternotherus), deren Plastron zwar ebenfalls ein Scharnier aufweist, das jedoch weniger beweglich ist.

Der Kopf ist relativ groß und breit mit einem leicht zugespitzten Schnabel. An Kinn und Kehle tragen viele Arten auffällige Barbeln – fleischige, kurze Hautanhänge, die eine sensorische Funktion besitzen. Die Haut ist graubraun bis dunkelgrau, die Extremitäten kräftig und mit Schwimmhäuten versehen. Die Hinterbeine sind etwas stärker als die Vorderbeine, was den Tieren sowohl beim Schwimmen als auch beim Laufen am Gewässergrund zugutekommt. Männchen lassen sich anhand ihres längeren, dickeren Schwanzes und eines Dorns an der Schwanzspitze von den Weibchen unterscheiden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Kinosternon erstreckt sich von den östlichen und südlichen Vereinigten Staaten über Mexiko und Mittelamerika bis in den Norden Südamerikas. Die Gewöhnliche Klappschildkröte (K. subrubrum) besiedelt den Südosten der USA von Connecticut bis Florida und westwärts bis Texas. Weitere Arten wie die Gelbliche Klappschildkröte (K. flavescens) oder die Weißlippige Klappschildkröte (K. leucostomum) bewohnen teils überlappende, teils eigenständige Areale.

Als bevorzugtes Habitat dienen flache, stehende oder langsam fließende Gewässer mit weichem, schlammigem Untergrund: Teiche, Sümpfe, Überschwemmungsflächen, Gräben, langsame Bäche und Seeufer. Dichte Unterwasservegetation und Falllaub am Gewässergrund sind typisch für die Biotope, in denen Klappschildkröten vorkommen. In saisonalen Gewässern, die periodisch austrocknen, graben sich die Tiere in den feuchten Schlamm ein und verfallen in eine Trockenruhe (Ästivation).

Ernährung

Klappschildkröten sind Allesfresser (Omnivoren) mit einem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Ihre Nahrung besteht aus Wasserinsekten und deren Larven, kleinen Schnecken, Würmern, Kaulquappen, Aas und gelegentlich kleinen Fischen. Ergänzt wird der Speiseplan durch Wasserpflanzen, Algen, Samen und herabgefallene Früchte. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Gewässergrund, wo die Tiere mit ihren Barbeln und ihrem ausgeprägten Geruchssinn Beute aufspüren. Jungfiere ernähren sich stärker karnivor, während adulte Tiere einen höheren Pflanzenanteil aufnehmen.

Verhalten & Lebensweise

Klappschildkröten sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie verborgen unter Laub, Wurzeln oder im Schlamm des Gewässergrundes. Im Gegensatz zu vielen anderen Süßwasserschildkröten zeigen sie kein ausgeprägtes Sonnenbadeverhalten (Basking), obwohl einzelne Individuen gelegentlich auf herausragenden Ästen oder Steinen angetroffen werden.

Die Tiere sind Einzelgänger ohne feste Revierstruktur. Kommt es zu Begegnungen zwischen Artgenossen, verlaufen diese in der Regel ohne aggressive Auseinandersetzungen, es sei denn, es handelt sich um Männchen während der Paarungszeit. Bei Bedrohung verlassen sich Klappschildkröten auf ihren Verschlussmechanismus. Zusätzlich können sie aus Drüsen an den Flanken, den sogenannten Rathke-Drüsen, ein stark übelriechendes Sekret absondern – ein Verhalten, das ihnen im Englischen den Namen „Stinkpot" eingebracht hat, wenngleich dieser eher für die verwandte Gattung Sternotherus gebräuchlich ist.

In den nördlichen Teilen ihres Verbreitungsgebiets halten Klappschildkröten eine Winterruhe (Hibernation), bei der sie sich in den Schlamm am Gewässergrund eingraben und ihren Stoffwechsel stark herabsenken.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in den gemäßigten Breiten auf das Frühjahr, in tropischen Regionen kann sie ganzjährig stattfinden. Die Balz ist vergleichsweise schlicht: Das Männchen nähert sich dem Weibchen, berührt es mit der Schnauze an Kopf und Schwanz und versucht aufzureiten. Die Paarung findet im Wasser statt.