Königslibelle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anax imperator (Leach, 1815)
- Ordnung: Libellen (Odonata)
- Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
- Familie: Edellibellen (Aeshnidae)
- Gattung: Anax
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Teiche, Seen, Gartenteiche
- Körperlänge: 66–84 mm
- Flügelspannweite: bis 110 mm
- Gewicht: ca. 0,8–1,2 g
- Lebenserwartung: als Imago ca. 6–8 Wochen; gesamter Lebenszyklus inkl. Larvalstadium 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Große Königslibelle gehört zu den größten und auffälligsten Libellenarten Mitteleuropas. Ihr kräftig gebauter Körper, die großen Facettenaugen und die langen, durchsichtigen Flügel machen sie im Flug unverwechselbar. Der Thorax ist grün gefärbt und mit feinen dunklen Nähten durchzogen. Das Abdomen zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus: Beim Männchen ist es leuchtend blau mit einem durchgehenden schwarzen Längsband auf der Oberseite, beim Weibchen überwiegend grün bis blaugrün mit einem breiteren dunklen Band.
Die Flügel sind glasklar mit einem feinen Adernetz, die Flügelspannweite erreicht bis zu 110 Millimeter. Die Augen sind groß und berühren sich auf dem Scheitel – ein typisches Merkmal der Großlibellen (Anisoptera), das sie von den Kleinlibellen (Zygoptera) unterscheidet, deren Augen seitlich am Kopf stehen und deutlich voneinander getrennt sind. Die Beine sind mit feinen Dornen besetzt und dienen als Fangkorb bei der Jagd im Flug.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Anax imperator erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas, des Nahen Ostens und Zentralasiens. In Europa reicht das Areal von der Iberischen Halbinsel und dem Mittelmeerraum bis nach Südskandinavien. In Mitteleuropa ist die Art weit verbreitet und häufig.
Als Habitat bevorzugt die Königslibelle stehende oder langsam fließende Gewässer mit reicher Ufervegetation. Typische Biotope sind Weiher, Teiche, Baggerseen, Altarme und Gartenteiche. Entscheidend ist das Vorhandensein von Schwimm- und Tauchblattvegetation, in die das Weibchen seine Eier ablegt. Auch an größeren Seen ist die Art anzutreffen, sofern geschützte Flachwasserzonen mit Pflanzenbewuchs vorhanden sind. In den letzten Jahrzehnten hat die Königslibelle ihr Verbreitungsgebiet nordwärts ausgedehnt, was mit der Klimaerwärmung in Zusammenhang gebracht wird.
Ernährung
Die Große Königslibelle ist ein ausgesprochener Luftjäger. Adulte Tiere erbeuten im Flug andere Insekten, darunter Fliegen, Mücken, Schmetterlinge, kleinere Libellenarten und sogar andere Großlibellen. Die Beute wird mit dem aus den bedornten Beinen geformten Fangkorb ergriffen und meist noch im Flug verzehrt. Bei größerer Beute setzt sich die Libelle auf einen Ansitz und zerkleinert das Opfer mit ihren kräftigen Mandibeln.
Die Larven leben räuberisch im Wasser. Sie ernähren sich von Wasserflöhen, Mückenlarven, Würmern, Kaulquappen und kleinen Fischen. Zum Beutefang nutzen sie eine spezielle Fangmaske – eine umgewandelte Unterlippe (Labium), die blitzschnell vorgeschleudert wird, um Beutetiere zu packen.
Verhalten & Lebensweise
Königslibellen sind tagaktiv und bei warmem, sonnigem Wetter besonders flugfreudig. Die Männchen sind ausgeprägt territorial und patrouillieren unermüdlich über ihrem Revier am Gewässer. Dabei fliegen sie in gleichmäßigen Bahnen die Uferlinie ab und vertreiben konkurrierende Männchen in teils heftigen Luftkämpfen. Ein Revier wird über Stunden gegen Artgenossen und andere Libellenarten verteidigt.
Abseits des Gewässers jagen Königslibellen auch entlang von Waldrändern, Hecken und über Wiesen. Ihre Fluggeschwindigkeit kann über 30 km/h betragen; sie sind in der Lage, auf der Stelle zu schweben, abrupte Richtungswechsel auszuführen und sogar rückwärts zu fliegen. Diese Manövrierfähigkeit verdanken sie der unabhängigen Steuerung von Vorder- und Hinterflügeln.
In kühleren Perioden oder bei schlechtem Wetter ruhen die Tiere an geschützten Stellen in der Vegetation. Nachts sind sie inaktiv.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung beginnt mit dem Ergreifen des Weibchens durch das Männchen im Flug. Das Männchen klammert sich mit seinen Hinterleibsanhängen (Cerci) am Hinterkopf des Weibchens fest – es entsteht das sogenannte Paarungsrad, eine für Libellen typische Kopulationsstellung. Die eigentliche Kopula findet häufig im Sitzen statt und dauert wenige Minuten.
Anschließend legt das Weibchen die Eier allein ab, anders als bei manchen verwandten Arten der Gattung Anax, bei denen das Männchen das Weibchen im Tandemflug begleitet. Das Weibchen sticht die Eier einzeln in schwimmende oder untergetauchte Pflanzenteile ein (Endophytische Eiablage). Geeignete Substrate sind Stängel von Seerosen, Laichkraut oder Binsen.
Die Larvalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur und Nahrungsangebot ein bis zwei Jahre. Die Larve durchläuft dabei zehn bis fünfzehn Häutungsstadien. Im letzten Larvenstadium verlässt sie das Wasser, klettert an einem Pflanzenstängel empor und häutet sich ein