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Listspinne

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Tierart – Spinnentiere > Webspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Pisaura mirabilis
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Raubspinnen (Pisauridae)
  • Gattung: Pisaura
  • Lebensraum: Wiesen, Waldränder, Hecken, Gärten, Ufervegetation
  • Größe: Weibchen 12–15 mm Körperlänge, Männchen 10–13 mm
  • Gewicht: ca. 0,2–0,5 g
  • Lebenserwartung: etwa 1–2 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Listspinne besitzt einen schlanken, langgestreckten Körper mit deutlich längeren Beinen als viele andere heimische Spinnenarten vergleichbarer Größe. Die Grundfärbung des Prosomas (Vorderkörper) und des Opisthosomas (Hinterkörper) variiert von hellbraun über graubraun bis hin zu einem warmen Rotbraun. Auffälligstes Erkennungsmerkmal ist ein heller, gelblich-weißer Längsstreifen, der über das gesamte Prosoma und häufig auch über das Opisthosoma verläuft. Dieser Streifen wird beidseitig von dunkleren Bändern eingefasst, was dem Tier ein charakteristisches Streifenmuster verleiht.

Das Opisthosoma zeigt oft eine zarte, blattartige Zeichnung mit dunklen Winkelflecken. Die acht Augen sind in zwei Reihen angeordnet, wobei die hintere Reihe breiter ist als die vordere – ein typisches Merkmal der Familie Pisauridae. Die Beine tragen feine Härchen und sind einfarbig bis schwach geringelt. Männchen sind in der Regel etwas kleiner und schlanker als Weibchen und weisen häufig eine kontrastreichere Zeichnung auf. Die Pedipalpen der Männchen sind als Kopulationsorgane verdickt und bei adulten Tieren deutlich erkennbar.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Listspinne erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Sie kommt in nahezu ganz Europa vor, von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und ostwärts bis nach Zentralasien. In Mitteleuropa gehört sie zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Spinnenarten.

Als Habitat bevorzugt Pisaura mirabilis offene bis halboffene Biotope. Typische Fundorte sind sonnige Wiesen, Wegränder, Heckenstrukturen, Waldlichtungen, Waldränder und naturnahe Gärten. Die Art besiedelt vorwiegend die Kraut- und Strauchschicht, wo sie sich auf Blättern und Halmen aufhält. Obwohl sie zur Familie der Raubspinnen zählt, die auch die wassergebundene Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) umfasst, ist die Listspinne selbst nicht an Gewässer gebunden. Gelegentlich trifft man sie jedoch in feuchter Ufervegetation an.

Ernährung

Die Listspinne baut kein Fangnetz, sondern jagt als freilebende Lauerjägerin. Sie sitzt meist regungslos auf Blättern oder Blütenständen und wartet auf vorbeikommende Beutetiere, die sie in einem schnellen Vorstoß überwältigt. Zum Beutespektrum gehören vor allem Fliegen, kleine Käfer, Blattläuse, Zikaden und andere Gliederfüßer passender Größe. Die Beute wird mit den Cheliceren (Kieferklauen) gepackt und durch ein Giftbiss getötet. Anschließend wird sie extraintestinal verdaut: Die Spinne injiziert Verdauungsenzyme in das Beutetier und saugt die verflüssigte Nahrung auf.

Trotz ihrer Zugehörigkeit zu den Webspinnen nutzt Pisaura mirabilis Spinnseide nicht zum Beutefang, sondern ausschließlich für den Bau des Eikokons und des sogenannten Gespinstsacks für die Jungtiere.

Verhalten & Lebensweise

Die Listspinne ist überwiegend tagaktiv und lässt sich an warmen Tagen häufig beim Sonnenbaden auf Blättern beobachten. Bei Annäherung eines potenziellen Feindes drückt sie sich flach auf das Substrat und spreizt die Beine seitlich aus, wodurch sie optisch mit der Blattoberfläche verschmilzt. Diese Tarnhaltung ist namensgebend: Die „List" bezieht sich auf das täuschende Verhalten gegenüber Fressfeinden.

Die Art ist einzelgängerisch und verteidigt kein festes Revier. Adulte Tiere sind vor allem von Mai bis August anzutreffen. In der kühleren Jahreszeit überwintern Jungtiere in der Bodenstreu oder unter Rinde.

Fortpflanzung & Aufzucht

Das Paarungsverhalten der Listspinne zählt zu den am besten untersuchten unter allen Webspinnen. Die Balz des Männchens ist ungewöhnlich: Es fängt ein Beutetier, umwickelt es mit Spinnseide zu einem Brautgeschenk und präsentiert dieses Paket dem Weibchen. Während das Weibchen das Geschenk annimmt und sich mit dem Fressen beschäftigt, vollzieht das Männchen die Kopulation. Dieses Brautgeschenk erhöht die Paarungsdauer und damit den Fortpflanzungserfolg des Männchens erheblich.

In manchen Fällen greifen Männchen zu einer Täuschung: Sie verpacken wertlose Objekte wie ausgesaugte Beutereste oder Pflanzenmaterial und bieten diese als vermeintliches Geschenk an. Wird der Betrug vom Weibchen entdeckt, bricht dieses die Paarung in der Regel ab. Gelegentlich stellt sich das Männchen nach der Übergabe tot (Thanatose), um bei einem Fluchtversuch des Weibchens erneut die Paarung einzuleiten.

Nach der Befruchtung fertigt das Weibchen einen kugelförmigen Eikokon an, den es mit den Cheliceren unter dem Körper trägt. Kurz vor dem Schlupf der Jungspinnen befestigt das Weibchen den Kokon an Pflanzenteilen und spinnt darüber ein schützendes Gespinst – den sogenannten Kinderstubenbau. Die Mutter bewacht dieses Gespinst, bis die Jungtiere geschlüpft sind und sich nach wenigen Tagen selbstständig machen. Pro Ko