T Tierlexikon.net
← Lexikon

Sektorspinne

S

Tierart – Spinnentiere > Webspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Zygiella x-notata
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Araneidae (Radnetzspinnen), teils in die Familie Zygiellidae gestellt
  • Gattung: Zygiella
  • Lebensraum: Gebäude, Mauern, Zäune, Fensternischen; synanthrop und in naturnahen Habitaten
  • Körperlänge: Weibchen 6–11 mm, Männchen 4–7 mm (ohne Beine)
  • Gewicht: circa 20–80 mg
  • Lebenserwartung: etwa 1–2 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Sektorspinne besitzt den typischen Körperbau der Radnetzspinnen mit einem deutlich zweigeteilten Körper aus Prosoma (Vorderkörper) und Opisthosoma (Hinterkörper). Das Prosoma ist gelblich-braun bis dunkelbraun gefärbt und trägt acht Augen, die in zwei Reihen angeordnet sind. Die Beine sind hellbraun mit dunkleren Ringeln an den Gelenken, was der Art ein gebändertes Erscheinungsbild verleiht.

Das Opisthosoma weist eine charakteristische Blattzeichnung auf der Oberseite auf. Diese silbrig-graue bis gelbliche Zeichnung wird von einem dunklen, wellenförmigen Muster eingerahmt und ist das verlässlichste Erkennungsmerkmal der Art. Die Grundfarbe des Hinterleibs variiert von graubraun bis rötlich-braun. Die Cuticula (Außenhaut) ist fein behaart. Weibchen sind deutlich größer und massiger als Männchen – ein bei Webspinnen weitverbreiteter Geschlechtsdimorphismus.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Zygiella x-notata erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Die Art kommt in ganz Europa vor, von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien, ebenso in Teilen Nordafrikas und Westasiens. Durch menschliche Verschleppung hat sie sich darüber hinaus in Nordamerika, Südamerika und Australien etabliert.

Als ausgesprochen synanthrope Art zeigt die Sektorspinne eine starke Bindung an menschliche Siedlungen. Ihr bevorzugtes Biotop sind geschützte Stellen an Gebäudefassaden, Fensterrahmen, Mauernischen, Zaunpfosten und Brücken. In naturnahen Lebensräumen besiedelt sie Felsvorsprünge, Baumrinde und Sträucher. Die Nähe zu Lichtquellen, die nachts Insekten anziehen, scheint ein wesentlicher Faktor bei der Habitatwahl zu sein. In höheren Lagen kommt die Art bis etwa 1.500 Meter über dem Meeresspiegel vor.

Ernährung

Die Sektorspinne ernährt sich ausschließlich räuberisch von kleinen Arthropoden. Zu ihrer Beute zählen Fliegen, Mücken, Blattläuse, kleine Falter und andere Fluginsekten, die sich in ihrem Netz verfangen. Die Spinne registriert Erschütterungen des Netzes über einen Signalfaden, der von der Nabe zu ihrem Schlupfwinkel führt. Sobald ein Beutetier ins Netz gerät, eilt sie hervor, umwickelt die Beute mit Seide und injiziert ein Verdauungssekret. Wie bei allen Webspinnen erfolgt die Verdauung extraintestinal: Die Enzyme verflüssigen das Körperinnere der Beute, das anschließend aufgesaugt wird.

In beuteärmeren Perioden kann die Sektorspinne längere Hungerphasen überstehen. Sie nimmt dann auch eigenes, beschädigtes Netzgewebe wieder auf, um die darin enthaltenen Proteine zu recyceln.

Verhalten & Lebensweise

Die Sektorspinne ist überwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruht sie in einem Schlupfwinkel in unmittelbarer Nähe ihres Netzes – häufig in einer Mauerritze, unter einem Fenstersims oder in einer Rindenfalte. Ein Signalfaden verbindet den Schlupfwinkel mit der Nabe des Netzes und erlaubt es der Spinne, Vibrationen sofort wahrzunehmen.

Das namensgebende Merkmal der Sektorspinne ist die besondere Konstruktion ihres Radnetzes. Im Gegensatz zu den vollständigen Radnetzen anderer Arten wie der Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) fehlen in einem keilförmigen Sektor des Netzes die Fangfäden. Dieser offene Sektor befindet sich stets dort, wo der Signalfaden zum Schlupfwinkel verläuft. Die Spinne kann so ungehindert zwischen Versteck und Netzmitte wechseln. Das Netz hat in der Regel einen Durchmesser von 5 bis 15 Zentimetern und wird regelmäßig erneuert oder ausgebessert. Die Fangfäden sind mit feinen Leimtröpfchen besetzt, an denen Beutetiere haften bleiben.

Die Art lebt solitär. Jede Spinne verteidigt ihr Netz als individuelles Revier. Begegnungen zwischen Artgenossen außerhalb der Paarungszeit führen häufig zu Ausweichverhalten oder Aggression.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit der Sektorspinne erstreckt sich in Mitteleuropa von August bis Oktober. Das Männchen nähert sich dem Netz des Weibchens und signalisiert seine Anwesenheit durch rhythmisches Zupfen an Fäden – eine Form der Balz, die das Weibchen von einem Beutetier unterscheiden soll. Bei erfolgreicher Annäherung überträgt das Männchen mit seinen Pedipalpen ein Spermienpaket in die Geschlechtsöffnung (Epigyne) des Weibchens. Nach der Kopulation zieht sich das Männchen rasch zurück; sexueller Kannibalismus kommt vor, ist jedoch nicht die Regel.

Das Weibchen legt einige Wochen nach der Paarung einen oder mehrere Eikokons ab, die jeweils 30 bis 80 Eier enthalten. Die Kokons werden in geschützten Nischen abgelegt und mit Seide umhüllt. Die Jungspinnen schlüpfen je nach Temperatur im Spätherbst oder überwintern im Kokon und erscheinen im Frühjahr. Nach dem Schlupf durchlaufen sie mehrere Häutungsst