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Rote Röhrenspinne

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Tierart – Spinnentiere > Webspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Eresus kollari (früher häufig als Eresus cinnaberinus geführt)
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Röhrenspinnen (Eresidae)
  • Gattung: Eresus
  • Lebensraum: Trockenwarme Magerrasen, Heiden, Steppengebiete, sonnige Hänge
  • Größe: Weibchen 10–16 mm Körperlänge, Männchen 8–11 mm
  • Gewicht: ca. 0,5–1,5 g
  • Lebenserwartung: Weibchen bis zu 4–5 Jahre, Männchen meist nur 1–2 Jahre nach der Reifehäutung

Aussehen & Merkmale

Die Rote Röhrenspinne gehört zu den auffälligsten einheimischen Spinnenarten und zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Die Männchen tragen auf dem Opisthosoma (Hinterleib) eine leuchtend rote bis orangerote Zeichnung mit vier bis sechs schwarzen Punkten, die an einen Marienkäfer erinnert. Der Prosoma (Vorderkörper) ist schwarz und dicht mit kurzen, samtartigen Haaren bedeckt. Die Beine zeigen eine schwarz-weiße Ringelung.

Weibchen sind deutlich unscheinbarer. Ihr gesamter Körper ist schwarz gefärbt und dicht mit samtigen Haaren überzogen. Sie sind gedrungen gebaut und besitzen kräftige, kurze Beine. Der Körperbau beider Geschlechter ist kompakt und robust, was typisch für die Familie der Eresidae ist. Die acht Augen sind in zwei Reihen angeordnet, wobei die vorderen Mittelaugen die größten sind. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind kräftig und ermöglichen das Überwältigen relativ großer Beutetiere.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Roten Röhrenspinne erstreckt sich von Südeuropa über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. In Deutschland kommt die Art vor allem in den wärmebegünstigten Regionen vor – etwa in Teilen von Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft durch Norddeutschland und Südskandinavien.

Als Habitat bevorzugt Eresus kollari trockenwarme, offene Biotope mit lückiger Vegetation. Typische Standorte sind Kalkmagerrasen, sandige Heiden, Trockenrasen, Binnendünen und sonnexponierte Böschungen. Entscheidend ist ein lockerer, grabbarer Boden, in dem die Spinne ihre namensgebende Wohnröhre anlegen kann. Dichte, geschlossene Vegetation wird gemieden, da die Art auf Sonneneinstrahlung und Bodenwärme angewiesen ist.

Ernährung

Die Rote Röhrenspinne ernährt sich ausschließlich von Gliedertieren. Ihre Beute besteht hauptsächlich aus bodenlebenden Insekten wie Käfern, Ameisen, Heuschrecken und Wanzen, gelegentlich auch aus anderen Spinnen und Asseln. Die Jagdstrategie basiert auf einem Fangnetz, das die Spinne vor dem Eingang ihrer Erdröhre ausspannt. Dieses flach am Boden liegende Gespinst aus cribellater Fangseide besteht aus feinen, kräuseligen Fäden, die durch eine spezielle Spinnplatte (Cribellum) erzeugt werden. Insekten, die über dieses Netz laufen, verfangen sich in der klebrigen Struktur. Die Spinne registriert die Vibrationen aus der Tiefe ihrer Röhre heraus und stürzt zum Beutefang hervor.

Verhalten & Lebensweise

Weibchen der Roten Röhrenspinne leben extrem standorttreu und verbringen fast ihr gesamtes Leben in einer selbst gegrabenen Erdröhre. Diese Wohnröhre reicht 5–10 cm tief in den Boden und ist innen mit Spinnseide ausgekleidet. Der Eingang wird mit einem trichterförmigen Gespinst versehen, das als Fangvorrichtung und Signalempfänger dient. Die Weibchen verlassen ihre Röhre nur selten und sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv.

Die Männchen hingegen verlassen nach der Reifehäutung im Spätsommer oder Herbst ihre eigenen Röhren und wandern aktiv auf der Suche nach Weibchen umher. Dabei sind sie an warmen, sonnigen Tagen auch tagsüber zu beobachten – ihre auffällige rote Färbung ist in dieser Phase besonders gut sichtbar. Außerhalb der Fortpflanzungszeit leben Rote Röhrenspinnen solitär. Ein eigentliches Revier im engeren Sinne wird nicht verteidigt, jedoch halten die Weibchen ihren Röhrenplatz über Jahre besetzt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit liegt im Spätsommer bis Frühherbst, typischerweise zwischen August und Oktober. Die Balz ist vergleichsweise einfach: Das Männchen nähert sich der Röhre des Weibchens und signalisiert durch vorsichtiges Zupfen an den Fangfäden seine Anwesenheit. Nach erfolgreicher Paarung bleibt das Männchen häufig noch einige Zeit in der Röhre des Weibchens, bevor es diese verlässt oder vom Weibchen getötet und verzehrt wird.

Im Frühjahr des folgenden Jahres legt das Weibchen einen Eikokon in der Wohnröhre ab, der 30 bis 80 Eier enthält. Die Jungspinnen schlüpfen nach einigen Wochen und verbleiben zunächst bei der Mutter. Die Brutpflege bei Eresus kollari ist unter Spinnen ungewöhnlich ausgeprägt: Das Weibchen füttert die Jungspinnen durch Hervorwürgen vorverdauter Nahrung. In der Endphase der Aufzucht dient der Körper der Mutter selbst als Nahrungsquelle – die Jungspinnen verzehren das absterbende Muttertier (Matriphagie). Nach dem Verlassen der mütterlichen Röhre verteilen sich die Jungspinnen und graben eigene, zunächst sehr kleine Röhren. Die Geschlechtsreife wird nach mehreren Häutungen im zweiten bis dritten Lebensjahr erreicht.

Bedroh