Sackspinne
STierart – Spinnentiere > Webspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cheiracanthium (Gattung), häufigste mitteleuropäische Art: Cheiracanthium punctorium (Dornfinger-Sackspinne)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Familie: Sackspinnen (Cheiracanthiidae, früher Clubionidae oder Miturgidae)
- Lebensraum: Wiesen, Brachflächen, Waldränder, Gebüsche, teils auch Gebäude
- Größe: Körperlänge 7–15 mm (Weibchen), 5–12 mm (Männchen), je nach Art
- Gewicht: ca. 0,2–0,5 g
- Lebenserwartung: etwa 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Sackspinnen besitzen einen länglichen, vergleichsweise schlanken Körperbau. Der Vorderkörper (Prosoma) ist gelblich bis orange-braun gefärbt, der Hinterleib (Opisthosoma) zeigt je nach Art ein helles Gelb, Grün oder ein blasses Beige, oft ohne auffällige Zeichnung. Die Cuticula – die äußere Körperhülle – ist fein behaart, jedoch nicht mit dichtem Haarkleid versehen wie bei manchen Vogelspinnenarten. Ein markantes Merkmal der Gattung Cheiracanthium sind die kräftigen, deutlich sichtbaren Chelizeren (Kieferklauen), die bei Cheiracanthium punctorium dunkel gefärbt und vergleichsweise lang sind. Die acht Augen sind in zwei Reihen angeordnet und annähernd gleich groß. Die Beine sind lang und dünn, wobei das erste Beinpaar in der Regel die größte Länge aufweist. Anders als bei vielen anderen Webspinnen fehlen Sackspinnen typische Radnetz-Strukturen – sie gehören zu den Jagdspinnen, die kein Fangnetz errichten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Sackspinnen erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Mitteleuropa sind mehrere Arten heimisch, darunter Cheiracanthium punctorium, Cheiracanthium erraticum und Cheiracanthium mildei. Letztere hat sich als Kulturfolger auch in Gebäuden und menschlichen Siedlungen etabliert. Die bevorzugten Habitate von C. punctorium sind extensiv bewirtschaftete Wiesen, Brachflächen, sonnige Böschungen und Waldränder mit hoher Kraut- und Grasvegetation. In diesen Biotopen finden die Tiere sowohl ausreichend Beutetiere als auch geeignete Strukturen für ihren Wohngespinst-Bau. Die Art kommt von Südeuropa bis nach Mittelasien vor, wobei sich die nördliche Verbreitungsgrenze in den letzten Jahrzehnten – möglicherweise klimabedingt – nach Norden verschoben hat. In Deutschland gilt C. punctorium vor allem in wärmebegünstigten Regionen wie dem Oberrheingraben, Brandenburg und dem Rhein-Main-Gebiet als etabliert.
Ernährung
Sackspinnen sind ausschließlich carnivor. Sie ernähren sich von Insekten und anderen kleinen Gliederfüßern, die sie aktiv erjagen. Zu ihrem Beutespektrum gehören Fliegen, kleine Käfer, Blattläuse, Zikaden, Schmetterlingsraupen und gelegentlich auch andere Spinnen. Anders als netzwebende Spinnen lauern Sackspinnen nicht in einem Fangnetz, sondern streifen nachts durch die Vegetation und überwältigen Beutetiere durch einen schnellen Biss mit ihren Chelizeren. Das dabei injizierte Gift wirkt neurotoxisch auf die Beute und leitet zugleich die Vorverdauung ein. Tagsüber halten sich die Spinnen in ihrem Wohnsack auf und sind inaktiv.
Verhalten & Lebensweise
Sackspinnen sind streng nachtaktiv. Ihr namensgebendes Merkmal ist der aus Spinnseide gefertigte Ruhesack – ein röhren- oder sackartiges Gespinst, das die Spinne tagsüber als Unterschlupf nutzt. Dieser Wohnsack wird in der Krautschicht, zwischen zusammengesponnenen Grashalmen oder Blättern angelegt und täglich erneuert oder erweitert. Die Tiere leben solitär und verteidigen kein festes Revier, wechseln jedoch regelmäßig ihren Aufenthaltsort. Bei Bedrohung nehmen Sackspinnen – insbesondere Weibchen, die einen Eikokon bewachen – eine Drohstellung ein und können zubeißen. Cheiracanthium punctorium ist eine der wenigen mitteleuropäischen Spinnenarten, deren Biss die menschliche Haut durchdringen kann. Der Biss wird als schmerzhaft beschrieben und kann lokale Schwellungen, Rötungen und gelegentlich leichte Allgemeinsymptome wie Unwohlsein oder Schüttelfrost auslösen. Schwere medizinische Komplikationen sind jedoch nicht dokumentiert, und eine ärztliche Behandlung ist nur selten erforderlich.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit von Cheiracanthium punctorium liegt im Hochsommer, typischerweise zwischen Juni und August. Das Männchen sucht aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und nähert sich vorsichtig dem Wohnsack des Weibchens. Eine eigentliche Balz im engeren Sinne ist nur in Ansätzen ausgeprägt: Das Männchen signalisiert seine Anwesenheit durch Vibrationsmuster am Gespinst. Nach der Kopulation, bei der die Spermien über die Pedipalpen auf das Weibchen übertragen werden, stirbt das Männchen häufig innerhalb weniger Wochen. Das Weibchen baut nach der Befruchtung einen auffälligen, kugelförmigen Brutkokon, der aus zusammengesponnenen Grashalmen oder Blättern besteht und etwa die Größe einer Walnuss erreicht. In diesem Kokon legt das Weibchen 80 bis 200 Eier ab und bewacht den Nachwuchs bis zum Schlupf der Jungspinnen. Während dieser Brutpflege – einer für Webspinnen ungewöhnlich intensiven Verhaltensweise – nimmt das Weibchen keine Nahrung auf und reagiert besonders aggressiv auf Störungen. Die Jungspinnen durchlaufen nach dem Schlupf mehrere Häutungen und überwintern als