Plattbauch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Libellula depressa
- Ordnung: Libellen (Odonata)
- Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
- Familie: Segellibellen (Libellulidae)
- Gattung: Libellula
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, bevorzugt Pioniergewässer
- Körperlänge: 40–48 mm
- Flügelspannweite: 70–80 mm
- Gewicht: ca. 0,5–1 g
- Lebenserwartung: Larvenstadium 1–2 Jahre; Imagines (erwachsene Libellen) ca. 2–4 Monate
Aussehen & Merkmale
Der Plattbauch verdankt seinen deutschen Namen dem auffällig breiten, dorsoventral abgeflachten Hinterleib (Abdomen), der ihn von den meisten anderen heimischen Großlibellen auf den ersten Blick unterscheidet. Das Abdomen ist deutlich breiter als bei verwandten Arten der Gattung Libellula, etwa dem Vierfleck (Libellula quadrimaculata), und wirkt von oben betrachtet fast blattförmig.
Die Geschlechter lassen sich anhand der Färbung gut unterscheiden. Ausgefärbte Männchen tragen auf der Oberseite des Abdomens eine hellblaue Wachsbereifung, die den Hinterleib pudrig-blau erscheinen lässt. Seitlich am Abdomen bleiben gelblich-braune Flecken sichtbar. Weibchen und junge Männchen zeigen dagegen eine olivbraune bis gelbbraune Grundfärbung mit hellen Seitenflecken auf jedem Hinterleibssegment. Der Thorax ist bei beiden Geschlechtern kräftig gebaut und dicht behaart, mit einer bräunlichen bis olivfarbenen Grundfärbung.
Die Flügel sind transparent, weisen jedoch an der Basis beider Flügelpaare charakteristische dunkle, dreieckige Flecken auf – ein Merkmal, das den Plattbauch auch im Flug kenntlich macht. Die Augen sind bei Männchen grünlich-blau, bei Weibchen eher grünlich-braun gefärbt. Die Beine sind schwarz.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Libellula depressa erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Die Art kommt von Westeuropa über Mitteleuropa und den Mittelmeerraum bis nach Zentralasien vor. In Deutschland ist der Plattbauch nahezu flächendeckend verbreitet und zählt zu den häufigeren Großlibellenarten.
Als Habitat bevorzugt der Plattbauch stehende und langsam fließende Gewässer mit sonnenexponierten, vegetationsarmen Uferbereichen. Typische Biotope sind frisch angelegte Gartenteiche, Kiesgrubengewässer, Tümpel, temporäre Überschwemmungsflächen und Lehmgruben. Die Art gilt als ausgesprochene Pionierart, da sie neu entstandene Gewässer oft als eine der ersten Libellenarten besiedelt. Stark zugewachsene oder beschattete Gewässer werden hingegen gemieden. Sobald ein Gewässer zunehmend durch Vegetation verlandet, wandert die Art in der Regel ab und sucht offenere Habitate auf.
Ernährung
Wie alle Großlibellen ernährt sich der Plattbauch räuberisch. Die Imagines jagen kleine Fluginsekten wie Mücken, Fliegen, Blattläuse und kleinere Schmetterlinge. Die Beute wird im Flug mit den zu einem Fangkorb geformten Beinen ergriffen und häufig noch in der Luft verzehrt. Größere Beutetiere werden auf einem Ansitz – einem Ast, Stein oder Pflanzenstängel – zerkleinert und gefressen.
Die aquatisch lebenden Larven (Nymphen) ernähren sich von Wasserflöhen, Mückenlarven, Würmern und anderen Kleintieren des Gewässerbodens. Größere Larven erbeuten gelegentlich auch Kaulquappen oder kleine Fischlarven. Die Larven sind Lauerjäger: Sie verharren regungslos auf dem Substrat und schnellen bei Annäherung eines Beutetiers ihre zu einem Greifwerkzeug umgebildete Unterlippe (Fangmaske) blitzschnell nach vorn.
Verhalten & Lebensweise
Der Plattbauch ist eine tagaktive Art. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis August, mit einem Schwerpunkt im Juni. Männchen besetzen Reviere an geeigneten Gewässerabschnitten und verteidigen diese energisch gegen Artgenossen und andere Libellen. Dabei sitzen sie bevorzugt auf erhöhten Ansitzwarten in Ufernähe, von denen aus sie sowohl ihr Territorium überblicken als auch Jagdflüge unternehmen.
Die Revierkämpfe zwischen Männchen sind kurz und heftig: Die Kontrahenten umkreisen einander im Flug, wobei der territoriale Inhaber den Eindringling in der Regel vertreibt. Der Plattbauch zeigt dabei eine hohe Ortstreue – einzelne Männchen kehren über Tage hinweg immer wieder zum selben Ansitzpunkt zurück.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit jagen Plattbäuche auch fernab von Gewässern, etwa an Waldrändern, auf Lichtungen oder entlang von Hecken. Ihre Flugweise ist schnell und wendig, was sie zu effizienten Luftjägern macht.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird vom Männchen eingeleitet, das ein in sein Revier einfliegendes Weibchen im Flug ergreift. Wie bei allen Libellen bildet das Paar dabei das sogenannte Paarungsrad: Das Männchen hält das Weibchen mit seinen Hinterleibsanhängen am Kopf fest, während das Weibchen sein Abdomen zum sekundären Kopulationsorgan des Männchens an dessen vorderen Hinterleibssegmenten biegt.
Nach der Kopulation legt das Weibchen die Eier im Alleingang ab. Es fliegt tippend über die Wasseroberfläche und schleudert bei jedem Eintauchen der Hinterleibsspitze kleine Eipakete ins Wasser (Eiablage durch Abstreifen). Das Männchen bewacht das Weibchen dabei aus der Luft und vertreibt konkurrierende Männchen.
Die Larvalentwicklung erstreckt sich