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Portugiesische Galeere

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Tierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Physalia physalis
  • Ordnung: Siphonophorae (Staatsquallen)
  • Familie: Physaliidae
  • Gattung: Physalia
  • Lebensraum: Offener Ozean (pelagisch), subtropische und tropische Meeresgebiete
  • Größe: Gasblase bis 30 cm lang; Tentakel bis zu 50 m (durchschnittlich 10–30 m)
  • Gewicht: Keine verlässlichen Angaben, da die Kolonie überwiegend aus Wasser besteht
  • Lebenserwartung: Wenige Monate bis etwa ein Jahr (einzelne Kolonien)

Aussehen & Merkmale

Die Portugiesische Galeere wird häufig für eine einzelne Qualle gehalten, ist aber tatsächlich eine Kolonie aus spezialisierten Einzelorganismen, sogenannten Polypen und Medusoiden. Diese Einzelindividuen – Zooide genannt – sind so stark aufeinander angewiesen, dass keines von ihnen allein überleben kann. Die Kolonie bildet damit einen sogenannten Superorganismus.

Das auffälligste Merkmal ist der Pneumatophor, eine mit Gas gefüllte Blase, die als Segel und Schwimmkörper dient. Sie ist durchscheinend bläulich-violett gefärbt und ragt als asymmetrischer Kamm über die Wasseroberfläche hinaus. Die Blase kann eine Länge von bis zu 30 cm erreichen und ist mit einem Gasgemisch gefüllt, das hauptsächlich aus Stickstoff, Sauerstoff und Argon besteht.

Unterhalb der Gasblase hängen mehrere Typen von Zooiden: Gastrozoide sind für die Verdauung zuständig, Dactylozoide bilden die langen Fangtentakel, und Gonozoide übernehmen die Fortpflanzung. Die Tentakel sind dicht mit Nesselzellen (Cnidozyten) besetzt und können bei großen Exemplaren eine Länge von bis zu 50 Metern erreichen, wobei Längen zwischen 10 und 30 Metern häufiger vorkommen. Im kontrahierten Zustand sind sie deutlich kürzer.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Portugiesischen Galeere umfasst die subtropischen und tropischen Regionen des Atlantiks, des Pazifiks und des Indischen Ozeans. Besonders häufig ist sie im Golf von Mexiko, in der Karibik, vor der Küste Westaustraliens und im Bereich der Kanarischen Inseln anzutreffen. Gelegentlich werden Exemplare durch Strömungen und Winde auch an europäische Atlantikküsten und in die westliche Mittelmeerregion verdriftet.

Das Habitat der Portugiesischen Galeere ist die offene Hochsee. Sie lebt pelagisch an der Wasseroberfläche und ist vollständig von Wind und Meeresströmungen abhängig, da sie über keinen eigenen Antrieb verfügt. Die asymmetrische Form des Pneumatophors führt dazu, dass innerhalb einer Population manche Kolonien nach links, andere nach rechts „segeln". Dieser Dimorphismus verteilt die Population über größere Meeresgebiete und verhindert, dass bei einem ungünstigen Windrichtungswechsel alle Kolonien gleichzeitig an Land stranden.

Ernährung

Die Portugiesische Galeere ist ein Raubtier, das sich vorwiegend von kleinen Fischen, Fischlarven, Garnelen und anderen planktischen Organismen ernährt. Die langen Fangtentakel treiben passiv im Wasser und bilden einen großflächigen Vorhang aus Nesselfäden. Berührt ein Beutetier die Tentakel, entladen sich tausende Nesselkapseln (Nematocysten) schlagartig. Das injizierte Toxin – ein komplexes Gemisch aus Proteinen und Peptiden – lähmt die Beute innerhalb von Sekunden. Anschließend ziehen die Dactylozoide die Beute zu den Gastrozoiden, die sie enzymatisch zersetzen und die Nährstoffe an die gesamte Kolonie verteilen.

Verhalten & Lebensweise

Die Portugiesische Galeere ist kein aktiver Schwimmer. Ihre Fortbewegung wird nahezu ausschließlich durch den Wind bestimmt, der auf den Pneumatophor einwirkt. Bei Gefahr – etwa bei starkem Seegang oder Fressfeindkontakt – kann die Kolonie die Gasblase kurzzeitig entleeren und unter die Wasseroberfläche abtauchen. Die Blase wird danach durch Gassekretion wieder aufgefüllt.

Portugiesische Galeeren treten häufig in großen Ansammlungen auf, die tausende Individuen umfassen können. Diese Aggregationen entstehen nicht durch soziales Verhalten, sondern durch gemeinsame Wind- und Strömungsverhältnisse. Trotz ihrer starken Nesselwirkung hat die Portugiesische Galeere einige Fressfeinde: Die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) frisst sie regelmäßig, ebenso bestimmte Nacktschneckenarten wie die Blaue Ozeanschnecke (Glaucus atlanticus), die die Nesselzellen der Galeere sogar aufnimmt und für die eigene Verteidigung weiterverwendet. Auch der Veilchenschnecke (Janthina janthina) dient sie als Nahrung.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung der Portugiesischen Galeere ist bisher nicht vollständig erforscht. Bekannt ist, dass die Gonozoide – die für die Reproduktion spezialisierten Zooide – sowohl Eizellen als auch Spermien freisetzen können. Die Befruchtung findet im freien Wasser statt. Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich eine Larve, die durch asexuelle Knospung die verschiedenen Zooide hervorbringt und so schrittweise eine neue Kolonie aufbaut. Jede Kolonie entsteht also aus einem einzigen befruchteten Ei, wobei die unterschiedlichen Zooide durch Arbeitsteilung jeweils nur eine Funktion übernehmen. Die Lebensdauer einer einzelnen Kolonie wird auf wenige Monate bis maximal etwa ein Jahr geschätzt.

Bedrohung & Schutzstatus

Die Portugiesische Galeere wird von der IUCN derzeit nicht bewertet und besitzt keinen formalen Schutzstatus. Die Art gilt weltweit als nicht gefährdet. In manchen Regionen werden steigende Wassertemperaturen und veränderte Strömungsmuster mit einer Zunahme von Sichtungen in Verbindung gebracht. An den