Prachtlibelle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Calopteryx (Gattung)
- Ordnung: Libellen (Odonata)
- Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
- Familie: Prachtlibellen (Calopterygidae)
- Verbreitungsgebiet: Europa, Nordafrika, gemäßigtes Asien
- Größe: Körperlänge 45–50 mm, Flügelspannweite 55–70 mm
- Gewicht: ca. 0,2–0,4 g
- Lebenserwartung: Imago ca. 4–6 Wochen; gesamter Lebenszyklus einschließlich Larvalstadium 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Prachtlibellen gehören zu den auffälligsten Vertretern der Kleinlibellen in Mitteleuropa. Im Gegensatz zu den meisten anderen Zygoptera besitzen sie breite, gerundete Flügel ohne deutliches Flügelmal (Pterostigma). In Ruhestellung werden die Flügel wie bei allen Kleinlibellen über dem Hinterleib zusammengeklappt.
In Mitteleuropa kommen zwei Arten vor: die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) und die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo). Bei beiden Arten zeigen die Männchen eine metallisch-blaue bis blaugrüne Körperfärbung. Die Männchen von C. virgo tragen nahezu vollständig dunkelblau gefärbte Flügel, während die Männchen von C. splendens nur ein breites, dunkles Band auf der Flügelmitte aufweisen. Die Weibchen beider Arten sind unauffälliger gefärbt – ihr Körper schimmert grünlich-bronze, und die Flügel sind bräunlich-transparent bis leicht grünlich getönt.
Der langgestreckte, schlanke Körperbau ist typisch für Kleinlibellen. Die großen Facettenaugen stehen – anders als bei Großlibellen (Anisoptera) – deutlich voneinander getrennt seitlich am Kopf. Die sechs Beine tragen feine Dornen, die beim Fang kleiner Beutetiere als Fangkorb dienen.
Lebensraum & Verbreitung
Prachtlibellen sind eng an fließende Gewässer gebunden. Ihr bevorzugtes Habitat sind saubere, mäßig bis langsam fließende Bäche und kleine Flüsse mit sandigem oder kiesigem Grund und reichem Uferbewuchs. Calopteryx virgo bevorzugt dabei etwas schneller fließende, kühlere und schattigere Gewässerabschnitte als C. splendens, die auch an breiteren, sonnigen Flussläufen vorkommt.
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Calopteryx erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Europa reicht es von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und ostwärts bis nach Japan, wo weitere Arten wie Calopteryx japonica vorkommen. Insgesamt umfasst die Gattung weltweit rund 20 beschriebene Arten. In Nordafrika kommt unter anderem Calopteryx haemorrhoidalis vor, die auch im westlichen Mittelmeerraum verbreitet ist.
Das Vorkommen von Prachtlibellen gilt als Indikator für eine gute Gewässerqualität. An stark verschmutzten oder begradigten Fließgewässern fehlen sie in der Regel vollständig.
Ernährung
Prachtlibellen sind wie alle Libellen räuberische Insekten. Die adulten Tiere (Imagines) jagen kleine Fluginsekten wie Mücken, Eintagsfliegen und Blattläuse. Sie fangen ihre Beute im Flug, indem sie die dornenbewehrten Beine zu einem Fangkorb formen. Dabei nutzen sie häufig eine Ansitzjagd-Strategie: Sie lauern auf Uferpflanzen oder überhängenden Halmen und starten bei Sichtung einer Beute zu kurzen, wendigen Jagdflügen.
Die im Wasser lebenden Larven (Nymphen) ernähren sich von Kleinstlebewesen wie Wasserflöhen, Insektenlarven und Würmern. Sie sind mit einer ausstülpbaren Fangmaske ausgestattet – einem umgebildeten Mundwerkzeug (Labium), das blitzschnell nach vorn geschleudert wird, um Beutetiere zu ergreifen.
Verhalten & Lebensweise
Prachtlibellen sind tagaktive Insekten, die bei warmem, sonnigem Wetter besonders lebhaft fliegen. Ihr Flug unterscheidet sich deutlich von dem anderer Kleinlibellen: Statt des typischen taumelnden Flatterns zeigen Prachtlibellen einen schmetterlingsähnlichen, gaukelnden Flug mit langsamen Flügelschlägen. Dieser auffällige Flugstil spielt vor allem bei der Balz und der Revierverteidigung eine zentrale Rolle.
Männchen besetzen Reviere entlang der Gewässerufer, die sie gegen Artgenossen verteidigen. Die Territorialkämpfe bestehen aus ritualisierten Verfolgungsflügen und Drohgebärden, bei denen die farbig schillernden Flügel als optische Signale eingesetzt werden. Die Reviergröße beträgt typischerweise wenige Meter Uferlänge und umfasst geeignete Eiablageplätze für die Weibchen.
Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis September, wobei der Höhepunkt der Aktivität im Juni und Juli liegt. Außerhalb der Flugzeit ruhen die Tiere an geschützten Stellen in der Ufervegetation.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Paarungsverhalten der Prachtlibellen folgt einem komplexen Balzritual. Die Männchen präsentieren den Weibchen ihre Reviere durch einen auffälligen Balzflug, bei dem sie die farbigen Flügel rhythmisch spreizen und den Hinterleib nach oben krümmen. Zeigt ein Weibchen Interesse, nähert es sich dem Männchen, woraufhin dieses das Weibchen zu einem geeigneten Eiablageplatz geleitet.
Wie bei allen Libellen erfolgt die Paarung in der charakteristischen Paarungsradstellung (Kopulationsrad): Das Männchen ergreift das Weibchen mit seinen Hinter