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Quelljungfer

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Tierart – Insekten > Libellen & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cordulegaster (Gattung); bekannteste mitteleuropäische Arten: Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) und Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata)
  • Ordnung: Libellen (Odonata)
  • Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
  • Familie: Quelljungfern (Cordulegastridae)
  • Gattung: Cordulegaster
  • Lebensraum: Quellbäche, Waldbäche, Sickerquellen, quellige Hangmoore
  • Größe: Körperlänge 70–85 mm, Flügelspannweite bis 105 mm
  • Gewicht: ca. 1–2 g (Imagines)
  • Lebenserwartung: Larvalentwicklung 3–6 Jahre; Imagines leben wenige Wochen bis maximal zwei Monate

Aussehen & Merkmale

Quelljungfern gehören zu den größten einheimischen Libellen. Ihr Körperbau ist kräftig und langgestreckt. Auffällig ist die Zeichnung des Hinterleibs (Abdomen): Auf schwarzem Grund tragen beide mitteleuropäischen Arten gelbe Querstreifen oder Fleckenpaare, die je nach Art unterschiedlich ausgeprägt sind. Bei der Zweigestreiften Quelljungfer (C. boltonii) verschmelzen die gelben Flecken auf den einzelnen Segmenten häufig zu durchgehenden Querringen, während sie bei der Gestreiften Quelljungfer (C. bidentata) stärker in einzelne Fleckenpaare aufgelöst bleiben.

Die Augen sind groß und berühren sich am Scheitel nur in einem einzigen Punkt – ein diagnostisches Merkmal der Familie Cordulegastridae, das sie von den Edellibellen (Aeshnidae) unterscheidet, bei denen die Augen auf einer längeren Strecke zusammenstoßen. Die Augen sind im Leben leuchtend grün. Die Flügel sind glasklar mit schwarzer Aderung; ein gelbes bis bräunliches Flügelmal (Pterostigma) sitzt nahe der Flügelspitze. Der Thorax zeigt auf schwarzem Grund zwei breite gelbe Seitenstreifen.

Weibchen besitzen einen auffälligen, langen Legebohrer (Ovipositor), der am Ende des Abdomens deutlich über die Hinterleibsspitze hinausragt. Dieses Merkmal ist bei keiner anderen mitteleuropäischen Großlibellengattung derart stark ausgeprägt und dient der artspezifischen Eiablage im Bachsediment.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Cordulegaster erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. C. boltonii kommt von Nordafrika über West- und Mitteleuropa bis nach Westasien vor. C. bidentata ist stärker auf Mittel- und Südosteuropa beschränkt und besiedelt vor allem montane und submontane Lagen.

Das bevorzugte Habitat beider Arten sind kühle, sauerstoffreiche Quellbäche und Waldbäche mit sandig-kiesigem oder schlammigem Substrat. Entscheidend ist ein gleichmäßiger, nicht zu starker Abfluss und eine geringe Gewässerbreite. C. bidentata bewohnt dabei noch stärker quellnahe Bereiche – Sickerquellen, Quellsümpfe und quellige Rinnsale in Wäldern – während C. boltonii auch etwas größere Bachläufe besiedelt. Beide Arten gelten als ausgesprochene Biotopspezialisten und sind auf naturnahe, unverbaute Gewässerabschnitte angewiesen.

Ernährung

Adulte Quelljungfern jagen im Flug nach kleinen bis mittelgroßen Insekten wie Mücken, Fliegen und Kleinschmetterlingen. Sie patrouillieren dabei oft entlang von Schneisen und Waldwegen in Gewässernähe und ergreifen die Beute mit ihren zu einem Fangkorb geformten Beinen.

Die Larven leben als Lauerjäger im Substrat der Bachsohle. Sie graben sich in Sand, feinen Kies oder Schlamm ein und liegen dort teilweise über Stunden reglos. Nähert sich ein Beutetier – kleine Bachflohkrebse (Gammariden), Zuckmückenlarven, Eintagsfliegenlarven oder andere Wirbellose –, schießt die Fangmaske (Labium) blitzschnell hervor und packt die Beute. Größere Larven können gelegentlich auch Kaulquappen oder Bachflohkrebse beträchtlicher Größe überwältigen.

Verhalten & Lebensweise

Quelljungfern sind tagaktive Insekten. Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten: Sie patrouillieren in langsamem, schwebendem Flug dicht über der Wasseroberfläche ihres Bachabschnitts. Das Revier wird gegen Artgenossen und teils auch gegen andere Großlibellen verteidigt. Der Patrouillenflug folgt meist einem festen Kurs, der wiederholt abgeflogen wird. Zwischen den Patrouillenflügen setzen sich die Männchen gelegentlich an Vegetation oder auf den Boden in Ufernähe.

Weibchen erscheinen nur zur Paarung und Eiablage am Gewässer und halten sich sonst in umliegenden Waldbeständen auf, wo sie auf Lichtungen und an Waldrändern jagen. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in Mitteleuropa von Ende Mai bis September, mit einem Schwerpunkt im Juni und Juli.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung wird vom Männchen eingeleitet, das ein vorbeifliegendes Weibchen im Flug ergreift. Wie bei allen Libellen bildet das Paar ein Paarungsrad; die Kopulation dauert nur wenige Minuten und findet meist in der ufernahen Vegetation statt.

Das Weibchen legt die Eier anschließend allein ab. Dabei schwebt es senkrecht über der Bachsohle und sticht mit dem kräftigen Ovipositor rhythmisch in das Sediment. Dieser sogenannte Stechflug ist ein charakteristisches Verhaltensmuster der Gattung. Die Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen ins Substrat versenkt.