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Scheibenanemone

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Tierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Discosoma spp. (sowie verwandte Gattungen wie Rhodactis, Ricordea, Amplexidiscus)
  • Ordnung: Scheibenanemonen (Corallimorpharia)
  • Familie: Discosomidae, Ricordeidae, Sideractiidae u. a.
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Korallenriffe, Felsküsten, Lagunen
  • Größe: Je nach Art 2–30 cm Scheibendurchmesser, Einzelfälle bis 50 cm (Amplexidiscus fenestrafer)
  • Gewicht: Wenige Gramm bis ca. 50 g (artabhängig)
  • Lebenserwartung: Mehrere Jahrzehnte bei günstigen Bedingungen; in Aquarienhaltung über 20 Jahre dokumentiert

Aussehen & Merkmale

Scheibenanemonen gehören zur Ordnung Corallimorpharia und nehmen innerhalb der Klasse der Blumentiere (Anthozoa) eine taxonomische Sonderstellung ein. Sie ähneln sowohl Seeanemonen (Actiniaria) als auch Steinkorallen (Scleractinia), besitzen jedoch kein Kalkskelett. Ihr Körper besteht aus einer flachen, scheibenförmigen Mundscheibe, die auf einem kurzen, muskulösen Fuß sitzt. Dieser Fuß dient der Anheftung am Substrat.

Die Mundscheibe ist das auffälligste Merkmal. Sie ist rund bis oval und trägt bei vielen Arten kurze, warzenförmige oder tentakelartige Auswüchse, die je nach Gattung unterschiedlich ausgeprägt sind. Bei Discosoma-Arten sind die Tentakel oft stark reduziert und erscheinen als kleine Knötchen, während Rhodactis-Arten deutlich längere, verzweigte Tentakel aufweisen. Ricordea-Arten tragen dicht stehende, kugelförmige Pseudotentakel, die der Oberfläche ein traubenartiges Aussehen verleihen.

Die Farbpalette ist außerordentlich vielfältig: Sie reicht von Braun, Grün und Blau über leuchtendes Rot, Orange und Pink bis hin zu metallisch schimmernden Varianten. Die Färbung hängt sowohl von der genetischen Ausstattung als auch von der Dichte der symbiontischen Zooxanthellen und der Lichtintensität im Habitat ab. Fluoreszierende Proteine tragen bei einigen Arten zu intensiven Farbtönen bei.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Scheibenanemonen erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Meere weltweit, mit einem Schwerpunkt im Indopazifik. Arten der Gattung Ricordea florida kommen hingegen ausschließlich in der Karibik vor. Die Tiere besiedeln unterschiedliche Biotope: flache Riffzonen, Lagunen, Riffhänge und geschützte Felsbereiche in Tiefen zwischen 1 und 40 Metern.

Im Gegensatz zu vielen Steinkorallen bevorzugen Scheibenanemonen häufig Standorte mit mäßiger bis geringer Wasserströmung und gedämpftem Licht. Sie siedeln sich auf Totkorallen, Riffgestein und anderen harten Substraten an. In nährstoffreichen Gewässern mit hoher Sedimentfracht können sie stellenweise Korallen verdrängen und großflächige Bestände bilden. Dieses Habitat-Verhalten macht sie zu Pionierbesiedlern auf geschädigten Riffflächen.

Ernährung

Scheibenanemonen sind Mischernährer. Einen Großteil ihrer Energie gewinnen sie über die in ihrem Gewebe eingelagerten Zooxanthellen – einzellige Algen der Gattung Symbiodinium (heute: Familie Symbiodiniaceae). Diese betreiben Photosynthese und geben organische Verbindungen an den Wirt ab. Je nach Lichtangebot können Zooxanthellen bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs decken.

Zusätzlich nehmen Scheibenanemonen gelöste organische Stoffe und Partikel aus dem Wasser auf. Einige Arten sind aktive Jäger: Amplexidiscus fenestrafer, die sogenannte Elefantenohr-Scheibenanemone, kann ihre Mundscheibe wie einen Trichter über kleine Fische und Krebstiere stülpen und diese verdauen. Dabei kommen Nesselzellen (Cnidozyten) zum Einsatz, deren Nesselkapseln (Nematozysten) bei den meisten Scheibenanemonen-Arten allerdings vergleichsweise schwach ausgebildet sind.

Verhalten & Lebensweise

Scheibenanemonen sind sessile Organismen, die den überwiegenden Teil ihres Lebens ortsfest verbringen. Dennoch sind sie begrenzt mobil: Über langsames Gleiten auf dem Fuß oder durch Ablösung und Verdriftung im Wasser können sie ihren Standort wechseln, wenn die Bedingungen ungünstig werden – etwa bei zu starker Belichtung oder Beschattung durch Nachbarorganismen.

Eine klare Tag-Nacht-Rhythmik ist bei vielen Arten zu beobachten. Bei ausreichend Licht breiten sie ihre Mundscheibe flach aus, um die Photosynthese der Zooxanthellen zu maximieren. Bei Störung oder Dunkelheit ziehen sie sich zusammen und reduzieren den Scheibendurchmesser deutlich. Gegenüber benachbarten Korallen und Anemonen setzen manche Arten aggressive Randfäden (Mesenterialfilamente) ein, um Konkurrenten chemisch zu schädigen und Raum zu gewinnen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Scheibenanemonen vermehren sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich. Die asexuelle Vermehrung ist dabei die vorherrschende Form und erfolgt über mehrere Mechanismen: Bei der Fußlazeration lösen sich kleine Gewebestücke vom Rand des Fußes ab und entwickeln sich zu eigenständigen Individuen. Auch Längsteilung (Fission) der gesamten Mundscheibe wurde beobachtet. Diese vegetative Fortpflanzung führt zur Bildung dichter klonaler Kolonien, in denen genetisch identische Individuen eng beieinanderstehen.

Die geschlechtliche Fortpflanzung läuft über die Freisetzung von Ei- und Samenzellen ins freie Wasser. Nach der Befruchtung entwickelt sich eine Planula-Larve, die einige Tage planktonisch lebt, bevor