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Schlangenhalsschildkröte

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Tierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Chelodina longicollis (Gewöhnliche Schlangenhalsschildkröte); die Gattung Chelodina umfasst mehrere Arten
  • Ordnung: Schildkröten (Testudines)
  • Unterordnung: Halswender (Pleurodira)
  • Familie: Schlangenhalsschildkröten (Chelidae)
  • Lebensraum: Süßgewässer – Seen, Flüsse, Sümpfe, temporäre Überschwemmungsgebiete
  • Größe: Carapaxlänge 20–30 cm (je nach Art); Halslänge kann der Panzerlänge entsprechen
  • Gewicht: 0,5–2,5 kg
  • Lebenserwartung: 30–50 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft bis über 60 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das auffälligste Merkmal der Schlangenhalsschildkröte ist ihr extrem verlängerter Hals, der bei ausgewachsenen Tieren nahezu die Länge des Rückenpanzers (Carapax) erreichen kann. Anders als die meisten Schildkröten der Nordhalbkugel, die ihren Kopf durch Einziehen nach hinten im Panzer verbergen, klappt die Schlangenhalsschildkröte als Halswender (Pleurodire) ihren Hals seitlich unter den Panzerrand. Dies ist ein stammesgeschichtlich altes Merkmal, das alle Vertreter der Unterordnung Pleurodira teilen.

Der Carapax ist oval bis breit-oval geformt, flach gewölbt und dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Der Bauchpanzer (Plastron) zeigt eine deutlich hellere Färbung – meist cremefarben bis gelblich, teils mit dunklen Nähten zwischen den Hornschilden (Scuten). Die Haut an Hals, Kopf und Gliedmaßen ist dunkelgrau bis olivbraun und mit kleinen Tuberkeln (Hautknötchen) besetzt. Die Augen sitzen seitlich am relativ kleinen, flachen Kopf und sind nach oben gerichtet, was dem Tier ermöglicht, knapp unter der Wasseroberfläche lauernd die Umgebung zu beobachten. An den Füßen befinden sich Schwimmhäute zwischen den Zehen, die eine effiziente Fortbewegung im Wasser ermöglichen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Chelodina erstreckt sich über Australien, Neuguinea und einige vorgelagerte Inseln Südostasiens (z. B. Timor, Roti). Die bekannteste Art, Chelodina longicollis, besiedelt den Osten und Südosten Australiens – von Queensland über New South Wales bis nach Victoria und South Australia.

Als Habitat dienen stehende und langsam fließende Süßgewässer: Seen, Teiche, Billabongs (australische Altarme), Sumpfgebiete und überflutete Wiesen. Die Tiere bevorzugen Biotope mit dichter Unterwasservegetation und schlammigem Grund, da diese Strukturen Deckung und Nahrung bieten. In Trockenperioden sind Schlangenhalsschildkröten in der Lage, über Land zu wandern, um neue Gewässer aufzusuchen. Dabei können sie beträchtliche Strecken zurücklegen – Wanderungen von mehreren Kilometern sind dokumentiert.

Ernährung

Schlangenhalsschildkröten sind carnivor. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, Kaulquappen, Fröschen, Krebstieren, Insektenlarven, Würmern und Schnecken. Gelegentlich nehmen sie auch Aas auf. Der lange Hals dient als schnelle Zuschlagwaffe: Die Schildkröte stößt den Kopf blitzartig in Richtung der Beute vor und schnappt sie mit dem breiten Maul. Dieser Jagdmechanismus erinnert an das Beuteverhalten von Schlangen – woher vermutlich auch der deutsche Trivialname rührt. Im Gegensatz zu vielen anderen Schildkrötenarten kauen Schlangenhalsschildkröten ihre Nahrung nicht, sondern verschlingen Beutetiere unter Wasser in einem Stück oder reißen größere Stücke durch ruckartiges Schütteln ab.

Verhalten & Lebensweise

Schlangenhalsschildkröten sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen sich aber je nach Jahreszeit und Witterung auch tagsüber. Wie viele Wasserschildkröten nutzen sie Sonnenbäder (Basking) zur Thermoregulation. Die Tiere liegen dazu auf umgestürzten Baumstämmen, Steinen oder Uferböschungen und setzen sich der direkten Sonnenstrahlung aus.

Die Art ist nicht territorial im engeren Sinne; mehrere Individuen teilen sich häufig ein Gewässer ohne ausgeprägte Revierkämpfe. In Trockenzeiten können sich Schlangenhalsschildkröten im Schlamm eingraben und eine Art Sommerruhe (Ästivation) halten, bis neue Regenfälle die Gewässer füllen. Dieses Verhalten sichert das Überleben in den teils extremen klimatischen Bedingungen Australiens.

Ein bekanntes Abwehrverhalten ist die Absonderung eines stark riechenden Sekrets aus Moschusdrüsen an den Flanken des Panzers. Dieses Sekret schreckt potenzielle Fressfeinde – darunter Warane, Raubvögel und Füchse – wirksam ab und hat der Art im Englischen den Beinamen „Stinker" eingebracht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in den australischen Frühling (September bis November). Die Balz findet im Wasser statt: Das Männchen nähert sich dem Weibchen, berührt mit seinem Kinn dessen Hals und Kopf und stößt dabei Pheromone aus speziellen Kinndrüsen aus. Ist das Weibchen paarungsbereit, erfolgt die Kopulation im flachen Wasser.

Einige Wochen nach der Paarung verlässt das Weibchen das Gewässer, meist in der Abend- oder Morgendämmerung, und sucht einen geeigneten Nistplatz an Land. Mit den Hinterbeinen gräbt es eine 10–15 cm tiefe Nesthöhle in feuchte, aber gut drainierte Erde. Ein Gelege umfasst typischerweise 6–24