Schnappschildkröte
STierart – Reptilien > Schildkröten – Wasser
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chelydra serpentina
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Familie: Schnappschildkröten (Chelydridae)
- Gattung: Chelydra
- Lebensraum: Süßgewässer – Seen, Teiche, Flüsse, Sümpfe
- Größe: Panzerlänge 25–50 cm, in Ausnahmefällen über 50 cm
- Gewicht: 5–16 kg, selten bis 35 kg
- Lebenserwartung: 30–50 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 70 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Schnappschildkröte ist eine kräftig gebaute Süßwasserschildkröte mit einem massigen Kopf und einem vergleichsweise kleinen, kreuzförmigen Bauchpanzer (Plastron). Der Rückenpanzer (Carapax) ist dunkelbraun bis olivfarben und weist drei deutliche Längsleisten auf, die bei älteren Tieren zunehmend abflachen. Die Oberfläche des Panzers ist oft mit Algen bewachsen, was der Tarnung im Wasser dient.
Auffällig ist der lange, gezackte Schwanz, der an die Kämme mancher Krokodile erinnert und fast so lang werden kann wie der Panzer selbst. Die Haut ist grobwarzig und von graubrauner bis schwarzer Färbung. An den kräftigen Beinen sitzen scharfe Krallen, die beim Graben und Klettern eingesetzt werden. Die Füße sind mit Schwimmhäuten ausgestattet.
Ein zentrales Erkennungsmerkmal ist der große Kopf mit den kräftigen Kiefern. Der hakenförmig gebogene Oberkiefer erinnert an einen Raubvogelschnabel. Die Kiefermuskulatur ermöglicht einen schnellen, kraftvollen Biss – eine Eigenschaft, die der Art ihren deutschen Namen eingebracht hat. Schnappschildkröten besitzen keine Zähne, sondern scharfe Hornkanten entlang der Kieferränder.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Schnappschildkröte erstreckt sich über den gesamten Osten Nordamerikas, von Südkanada bis zur Golfküste der USA. Unterarten und nahe verwandte Formen kommen bis nach Mittelamerika und Ecuador vor. Als Habitat bevorzugt die Art stehende oder langsam fließende Süßgewässer mit weichem, schlammigem Grund – darunter Teiche, Seen, Altarme, Sumpfgebiete und Entwässerungsgräben.
Die Tiere sind ausgesprochen anpassungsfähig und besiedeln auch vom Menschen stark veränderte Biotope wie Bewässerungskanäle, Rückhaltebecken und städtische Parkgewässer. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein dichter Unterwasservegetation und ein schlammiger Untergrund, in den sich die Tiere eingraben können. In Europa tauchen gelegentlich ausgesetzte Exemplare in Freigewässern auf, eine stabile Population hat sich dort bislang nicht etabliert.
Ernährung
Schnappschildkröten sind Allesfresser (Omnivoren) mit einer starken Tendenz zur tierischen Kost. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Fische, Frösche, Kaulquappen, Wasserinsekten, Schnecken, Krebstiere, Würmer und gelegentlich kleine Wasservögel oder Säugetiere. Auch Aas wird bereitwillig aufgenommen und stellt in vielen Gewässern einen wesentlichen Nahrungsanteil dar. Daneben fressen die Tiere Wasserpflanzen, Algen und Fallobst.
Die Jagdstrategie ist überwiegend die eines Lauerjägers: Die Schildkröte liegt reglos auf dem Gewässergrund, oft halb im Schlamm vergraben, und wartet auf Beute, die in Reichweite ihres schnellen Bisses gerät. Der Zustoß des Kopfes erfolgt dabei mit überraschender Geschwindigkeit. Gelegentlich suchen Schnappschildkröten auch aktiv den Gewässergrund nach Nahrung ab.
Verhalten & Lebensweise
Die Schnappschildkröte ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber je nach Wassertemperatur und Jahreszeit auch tagsüber Aktivität. Sie verbringt den Großteil ihres Lebens im Wasser und verlässt dieses in der Regel nur zur Eiablage oder bei Wanderungen zwischen Gewässern. An Land bewegen sich die Tiere schwerfällig, reagieren dann aber besonders aggressiv auf Störungen – im Wasser hingegen flüchten sie meist.
Schnappschildkröten sind Einzelgänger ohne festes Revier. Mehrere Individuen können dasselbe Gewässer nutzen, ohne dass es zu nennenswerten Auseinandersetzungen kommt, solange ausreichend Nahrung vorhanden ist. In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebiets halten die Tiere eine Winterruhe, bei der sie sich in den Schlamm des Gewässergrunds eingraben. Während dieser Phase können sie Sauerstoff über die Haut und die Schleimhäute der Rachenhöhle aufnehmen – eine beachtliche physiologische Anpassung an sauerstoffarme Bedingungen unter der Eisdecke.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den Zeitraum von April bis November, mit einem Schwerpunkt im Frühjahr. Die Balz findet im Wasser statt: Das Männchen nähert sich dem Weibchen und es kommt nach kurzem Beschnuppern zur Kopulation. Das Weibchen kann Spermien über mehrere Jahre speichern und damit auch ohne erneute Paarung befruchtete Eier ablegen.
Zwischen Mai und Juni sucht das Weibchen einen sonnigen, sandigen oder erdigen Platz in Gewässernähe, gräbt mit den Hinterbeinen eine 10–15 cm tiefe Nistmulde und legt dort 20 bis 50 weichschalige, kugelige Eier ab. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur 9 bis 18 Wochen. Wie bei vielen Reptilien bestimmt die Bruttemperatur das Geschlecht der Schlüpflinge: Bei mittleren Temperaturen um 28 °C entstehen vorwiegend Männchen, bei niedrigeren und höheren Temperaturen eher Weibchen.
Die frisch geschlüpften Jungtiere sind etwa 2,5–3