Seelilie
STierart – Wirbellose > Nesseltiere & Stachelhäuter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Crinoidea (Klasse)
- Stamm: Stachelhäuter (Echinodermata)
- Unterstamm: Pelmatozoa
- Ordnungen (gestielte Seelilien): u. a. Isocrinida, Hyocrinida, Bourgueticrinida
- Lebensraum: Meeresgrund, von Flachwasserzonen bis in die Tiefsee (bis über 9.000 m Tiefe)
- Größe: Kelch wenige Zentimeter; mit Stiel und Armen Gesamtlänge bis etwa 1 m, fossile Arten deutlich größer
- Gewicht: je nach Art wenige Gramm bis einige hundert Gramm
- Lebenserwartung: nicht genau bekannt; Schätzungen reichen von mehreren Jahrzehnten bis über 100 Jahre bei Tiefseeformen
Aussehen & Merkmale
Seelilien gehören zur Klasse der Crinoiden und tragen ihren deutschen Namen wegen ihrer äußeren Ähnlichkeit mit Blütenpflanzen. Der Körper gliedert sich in drei Hauptabschnitte: Stiel, Kelch (Theca) und Arme. Der Stiel besteht aus zahlreichen kalkigen Gliedern, den sogenannten Columnalia, die durch Bindegewebe und Muskelfasern verbunden sind. Am unteren Ende verankert sich das Tier mit wurzelartigen Ausläufern (Cirren) am Substrat – etwa an Felsen, Korallen oder Weichsediment.
Auf dem Stiel sitzt der Kelch, eine kompakte Struktur aus Kalkplatten, die die inneren Organe umschließt. Von dort entspringen fünf Arme, die sich bei den meisten Arten mehrfach gabeln, sodass letztlich zehn bis über zweihundert Armäste entstehen können. Jeder Arm trägt feine, federartige Seitenästchen, die Pinnulae, an denen Ambulakralfüßchen sitzen. Diese Füßchen sind mit Schleim überzogen und dienen dem Nahrungsfang. Anders als etwa bei Seesternen besitzen Seelilien kein freies Madreporit; das Ambulakralsystem öffnet sich über mehrere kleine Poren in der Körperwand.
Wie alle Stachelhäuter besitzen Seelilien ein Kalkskelett (Endoskelett) aus Calcit. Das Skelett zeigt den für Echinodermen typischen fünfstrahligen Grundbauplan (Pentamerie), auch wenn die äußere Erscheinung durch Armverzweigungen komplexer wirkt. Die Färbung reicht von gelblich-weiß über orange bis zu tiefem Purpurrot und variiert stark zwischen den Arten.
Lebensraum & Verbreitung
Seelilien kommen in allen Weltmeeren vor, vom tropischen Indopazifik bis in die kalten Gewässer der Antarktis. Die gestielten Formen besiedeln überwiegend die Tiefsee – ihr bevorzugtes Habitat liegt zwischen 200 und 6.000 Metern Tiefe, einzelne Nachweise gibt es aus über 9.000 Metern. In der Tiefsee heften sie sich an Hartsubstrate wie Felsvorsprünge, Manganknollen oder die Skelette abgestorbener Korallen.
Im Gegensatz dazu leben die nahe verwandten Haarsterne (Comatulida), die als erwachsene Tiere keinen Stiel mehr besitzen, auch in flacheren Zonen, darunter Korallenriffe und Seegraswiesen. Die Unterscheidung ist taxonomisch relevant: Während der Volksmund beide Gruppen gelegentlich zusammenfasst, bezeichnen Zoologen streng genommen nur die gestielten Crinoiden als Seelilien. Die ungestielten Haarsterne bilden eine eigene Ordnung. Das gesamte Verbreitungsgebiet der Klasse Crinoidea umfasst rund 620 rezente Arten, von denen die große Mehrheit Haarsterne sind; die gestielten Seelilien im engeren Sinn umfassen nur etwa 100 Arten.
Ernährung
Seelilien sind passive Suspensionsfresser (Filtrierer). Sie richten ihre fein verzweigten Arme in die Strömung aus und fangen mit den schleimbedeckten Ambulakralfüßchen an den Pinnulae Partikel aus dem Wasser – vorwiegend Phytoplankton, Zooplankton und organischen Detritus. Die gefangenen Nahrungspartikel werden durch bewimperte Ambulakralrinnen entlang der Arme zum zentral gelegenen Mund transportiert. Der Darm beschreibt eine U-förmige Schleife; die Afteröffnung liegt auf der Oralseite nahe dem Mund. Diese anatomische Besonderheit teilen Seelilien mit vielen anderen Crinoiden.
Die Arme können aktiv in unterschiedliche Richtungen ausgebreitet werden, um den Fangbereich zu optimieren. Bei starker Strömung richten sich alle Arme fächerartig stromaufwärts aus, bei wechselnden Strömungsverhältnissen ändern die Tiere ihre Armhaltung entsprechend. Gestielte Seelilien sind in diesem Sinne sessil, aber keineswegs passiv – die Anpassung der Armposition an die Strömung erfordert ständige muskuläre Korrekturen.
Verhalten & Lebensweise
Gestielte Seelilien sind ortsfest und verbringen ihr gesamtes adultes Leben am Substrat verankert. Ein aktives Revierverhalten oder soziale Strukturen wie Rudel- oder Schwarmbildung sind nicht bekannt. Gleichwohl bilden manche Arten in strömungsgünstigen Tiefseegebieten dichte Bestände, sogenannte Crinoidenwiesen, die als eigenes Biotop betrachtet werden können.
Seelilien zeigen keine ausgeprägte Tag-Nacht-Rhythmik, da ihr Lebensraum in der Tiefsee ohnehin lichtlos ist. Bei mechanischer Reizung können die Tiere ihre Arme einrollen – eine Schutzreaktion gegen potenzielle Fressfeinde wie bestimmte Seesterne oder Seeigel. Einige Arten sind in der Lage, abgetrennte Arme zu regenerieren, ein unter Stachelhäutern verbreitetes Phänomen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Seelilien sind in der Regel getrenntgeschlechtlich. Die Gonaden befinden sich in den Pinnulae der Arme. Zur Fortpflanzungszeit geben die Tiere Eier und Spermien ins freie Wasser ab, wo die Befruchtung stattfindet. Die befruchtete Eizelle entwickelt sich über eine frei schwimmende Larve, das sogenannte Doliolaria-Stadium, das bilateral symmetrisch geb